Zum Europäischen Tag der Epilepsie am 8. Februar: Epilepsie verstehen und Erste Hilfe leisten

Frankfurt, 8 Februar 2021 - Krämpfe, unkontrollierte Zuckungen, Kontrollverlust über den eigenen Körper und nach nur wenigen Minuten sind alle Symptome verflogen. So oder ähnlich können Symptome einer Epilepsie aussehen, einer der häufigsten chronischen Krankheiten des Nervensystems. Dabei wissen Betroffene meist nicht, dass sie unter epileptischen Anfällen leiden. Klar ist, ereignet sich ein solcher Vorfall oder wiederholt er sich im Abstand von mehr als 24 Stunden sollte sofort medizinischer Rat eingeholt werden. Um eine Epilepsie-Erkrankung feststellen zu können, müssen umfassende neurophysiologische Untersuchungen vorgenommen werden. Erst dann können Verdachtsdiagnosen gestellt und eine Epilepsie bestätigt werden. Meist dauern epileptische Anfälle eineinhalb bis zwei Minuten, teilweise nur wenige Sekunden. Jedoch empfinden Betroffene postiktal, also nach dem Anfall oft das Bedürfnis zu schlafen und wirken orientierungslos. „Wer die Symptome eines epileptischen Anfalls richtig zu deuten vermag, kann entscheidende Erste Hilfe leisten. Wichtig ist, dass das Verhalten von Betroffenen während oder nach einem Krampfanfall ernst genommen und nicht als Scherz oder Trunkenheit abgetan wird“, erklärt Martin Till, Landeschef der Barmer in Hessen, anlässlich des Europäischen Tags der Epilepsie.

Mehr als 83.000 Betroffene in Hessen

Im Jahr 2018 wurden 1,34 Prozent der hessischen Bevölkerung wegen Epilepsie behandelt – damit waren rund 83.000 Menschen in Hessen von der Erkrankung betroffen. Unter den Betroffenen liegt der Anteil der Männer rund elf Prozent höher als jener der Frauen. Der Anteil der Erkrankten in der hessischen Bevölkerung stieg zudem zwischen 2014 und 2018 um mehr als sieben Prozent an.* Epilepsien können bei Menschen in jedem Alter auftreten. Dabei können das Spektrum der Anfallserscheinungen sowie die Ursachen sehr unterschiedlich sein. Eine häufige Form sind die sogenannten fokalen Anfälle. Sie entstehen nur in begrenzten Teilen des Gehirns und äußern sich beispielsweise durch das Zucken einzelner Gliedmaßen. Ursache von Epilepsie können Infektionen, Stoffwechselerkrankungen und genetische Veranlagungen sein. Auch Hirntumore und Schlaganfälle können zu den typischen Symptomen führen. „Ein epileptischer Anfall entsteht, indem Nervenzellgruppen im Gehirn plötzlich, gleichzeitig und hochsynchron Signale senden und somit anderen Nervenzellen ihren Rhythmus aufzwingen. Es handelt sich hierbei um eine Reaktion des zentralen Nervensystems auf einen internen oder externen Reiz. Je nachdem, ob Teile oder aber das ganze Gehirn betroffen sind, macht sich die Erkrankung bemerkbar“, erklärt Dr.  Ursula Marschall, leitende Medizinerin der Barmer.

Europäischer Tag der Epilepsie soll sensibilisieren und aufklären

Aufgrund des hilflosen Zustandes der Betroffenen während eines Anfalles können Kenntnisse über mögliche Maßnahmen zur ersten Hilfe sehr nützlich sein. Das richtige Verhalten zu erlernen, ist nicht kompliziert und bereits wenige Handgriffe können vor weiteren Verletzungen schützen. In einigen Fällen empfinden Betroffene ein Anfallsvorgefühl und sind daher in der Lage, ihre Umgebung auf einen folgenden Anfall hinzuweisen. Sollte der Anfall plötzlich und ohne Vorwarnung auftreten, besteht die Aufgabe der Ersthelfenden darin, das Umfeld zu sichern und somit vor Verletzungen zu schützen. Betroffene sollten nicht festgehalten, sondern nach Möglichkeit nach Aufhören des Zuckens und weiterhin bestehender Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage gebracht werden. „Wenn ein epileptischer Anfall erstmalig auftritt, sollte unbedingt die Notrufnummer 112 gerufen werden. Auch wenn bei einer bekannten Epilepsie ein Anfall länger als fünf Minuten dauert, sollte ein Notarzt oder eine Notärztin hinzugezogen werden. Da die postiktale Phase insbesondere bei älteren Menschen 24 Stunden oder sogar mehrere Tage andauern kann, ist es ratsam, Betroffene erst unbeaufsichtigt zu lassen, sobald diese ansprechbar und orientiert wirken“, rät Marschall.


**Quelle: BARMER Arztreport 2020 (Regionaldaten): Berechnung basierend auf Betroffenenraten, die geschlechts- und altersstandardisiert entsprechend der bundesweiten Bevölkerungsstruktur des Jahres berechnet wurden.


 

Webcode dieser Seite: p016477 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 08.02.2021
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