Wenn Pillen und Tabletten zum Gesundheitsrisiko werden

Frankfurt, 27. November 2018 – Jeder fünfte Barmer Versicherten in Hessen hat im Jahr 2016 fünf oder mehr Arzneimittel gleichzeitig eingenommen. Das geht aus dem jüngsten Arzneimittelreport der Barmer hervor. Sie haben dadurch ein erhöhtes Risiko für Neben- und Wechselwirkungen. Denn je mehr Medikamente eine Patientin oder ein Patient einnimmt, desto unsicherer wird die Arzneimitteltherapie. „Wer mehrere Arzneimittel gleichzeitig einnimmt und bei mehreren Ärzten in Behandlung ist, sollte sichergehen, dass der Hausarzt über alle Verordnungen Bescheid weiß. Dazu gehören auch Medikamente, die man sich selbst rezeptfrei in der Apotheke besorgt,“ rät Norbert Sudhoff, Landesgeschäftsführer der Barmer in Hessen.

Multimorbide Patienten tragen ein hohes Risiko für Polypharmazie

Nimmt ein Patient mehr als fünf Wirkstoffe gleichzeitig ein, spricht man von Polypharmazie. Vor allem chronisch kranke und multimorbide Menschen betrifft dies. In der Altersgruppe der 65- bis 79-Jahre alten Barmer-Versicherten in Hessen ist jeder zweite von Polypharmazie betroffen, bei den über 80-Jährigen sind es bereits 68 Prozent. „Unsere Auswertungen zeigen auch, dass über ein Drittel aller Patientinnen und Patienten ihre Rezepte in drei oder mehr Apotheken einlösen. Dadurch wird es natürlich nicht einfacher, unerwünschte und zum Teil gefährliche Wechselwirkungen zu erkennen“, sagt Norbert Sudhoff.
„Je mehr Arzneimittel verordnet werden, umso häufiger kann es auch zu Einnahmefehlern kommen“, weiß Armin Beck, Vorsitzender des Hausärzteverband Hessen e.V. aus Erfahrung. „Oft sind es Abweichungen von der empfohlenen Dosis, das schlichte Vergessen der Anwendung oder das Verwechseln verschiedener Medikamente“.

Medikation überprüfen lassen

Bei den Senioren kommt ein weiteres Problem hinzu: Im Alter wirken Medikamente oftmals anders. Beispielsweise arbeitet die Niere nicht mehr so effektiv wie in jungen Jahren. Durch die eingeschränkte Funktion werden Arzneien langsamer ausgeschieden und wirken länger als beabsichtigt. Nicht alle Medikamente sind deshalb für ältere Patientinnen und Patienten geeignet. Sie haben häufig mehr Risiken als Nutzen. Medizinische Fachverbände haben diese Arzneimittel in der PRISCUS-Liste benannt. Bei Patienten ab 65 Jahre sollten diese, wenn möglich, vollständig oder dosisabhängig vermieden werden. „Betroffene Patienten sollten deshalb regelmäßig ihre Medikation auch darauf vom Hausarzt überprüfen lassen. Ein Medikationsplan kann helfen, den Überblick über die verordneten Medikamente zu behalten. Versicherte haben seit dem vergangenen Jahr Anspruch darauf, wenn sie mehr als drei Arzneimittel erhalten“, darauf weist Armin Beck vom Hausärzteverband Hessen hin.

Webcode dieser Seite: p010597 Autor: Barmer Erstellt am: 27.11.2018 Letzte Aktualisierung am: 28.11.2018
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