Depressionen, Panik, Angstattacken: Hochschule Fulda bietet Hilfen für Studierende

Fulda, 18. Juli 2018 – Jung und gesund? Lebenslustige Studenten? Stimmen diese Bilder eigentlich noch? Die Barmer hat in ihrem aktuellen Arztreport untersucht, wie es um die psychische Gesundheit von jungen Erwachsenen und Studierenden bestellt ist. "Die Ergebnisse unseres Arztreport 2018 zeigen eine Entwicklung auf, die beängstigend ist“, weiß Norbert Sudhoff, Landesgeschäftsführer der Barmer Hessen. Dass dieses Thema schon längst im Hochschulalltag angekommen ist, unterstreicht Prof. Dr. Kathrin Becker-Schwarze, Vizepräsidentin für Lehre und Studium an der Hochschule Fulda. „Wir haben darauf bereits mit unterschiedlichen Beratungs- und Hilfsangeboten reagiert.“

Psychische Erkrankungen beginnen oft im Jugendalter

Laut Barmer Arztreport war fast jeder Vierte (24,6 Prozent) der 18- bis 25-Jährigen in Hessen im Jahr 2016 von einer psychischen Erkrankungen betroffen. Umgerechnet sind das etwa 140.300 Betroffene. Bei 45.000 von ihnen wurde eine Depression diagnostiziert. Gegenüber dem Jahr 2006 bedeutet das eine Steigerung um 65 Prozent. 17.400 junge Erwachsene in Hessen erhielten dazu mindestens eine Antidepressiva-Verordnung. Auch diese Zahl stieg in den letzten zehn Jahren kontinuierlich an: insgesamt um 68 Prozent. "Psychische Erkrankungen beginnen oft schon im Jugendalter. Doch häufig vergehen Jahre, bis Betroffene Hilfe suchen. Denn oft ist die größte Hürde die Angst, stigmatisiert zu werden“, sagt Norbert Sudhoff.

Das Studium bringt Chancen aber auch Belastungen

„Das Studium kann neben vielen Chancen und Möglichkeiten auch hohe Belastungen mit sich bringen. Kommen Probleme im privaten Umfeld hinzu, kann das Leben schnell aus den Fugen geraten“, weiß Prof. Dr. Kathrin Becker-Schwarze. Seit vielen Jahren schon gibt es für solche Situationen eine Beratungsstelle an der Hochschule Fulda. Zum Wintersemester 2017/18 wurde sie neu aufgestellt, um das Angebot niedrigschwelliger zu gestalten. „Prävention mit Blick auf die psychische Gesundheit ist für uns ein sehr wichtiges Thema, da sich psychische Beeinträchtigungen mit hoher Wahrscheinlichkeit negativ auf das Studium auswirken“, erläutert Prof. Becker-Schwarze. Das sei umso stärker zu berücksichtigen, als die Studierendenschaft zunehmend heterogener werde. Die Studierenden hätten unterschiedlichste Bildungsbiografien und damit verschiedenste Ausgangsvoraussetzungen. Für den Einzelnen könne das zu hohen Belastungen führen. „Mit zahlreichen Unterstützungsangeboten rund ums Lernen versuchen wir hier, Abhilfe zu schaffen. Die Hochschule Fulda hat sich zum Ziel gesetzt, jeden Studierenden bestmöglich zu unterstützen und zu einem Studienabschluss zu führen.“

Psychosoziale Beratungsstelle ist Wegweiser in akuten Krisensituationen

Kommt es zu akuten Krisensituationen, die die Studierfähigkeit beeinträchtigen – das können Lernschwierigkeiten, Probleme im privaten Umfeld oder eine Mischung aus beidem sein –, ist die Psychosoziale Beratungsstelle erste Anlaufstelle. In Form von Beratungen oder Coachings bietet sie individuelle Begleitung an und vermittelt ganz konkrete Techniken, beispielsweise zum Umgang mit Prüfungsangst und Stress. „Nicht jede Krise erfordert eine Psychotherapie“, weiß Prof. Kathrin Becker-Schwarze. „Oft hilft ein Gespräch mit einer außenstehenden Person, um Gedanken und Gefühle zu ordnen. Wichtig ist, positive persönliche Entwicklungen anzustoßen und die Entstehung dauerhafter und schwerwiegender Probleme zu verhindern.“ Bei Bedarf vermittelt die Beratungsstelle auch therapeutische Angebote, in Notsituationen sorgt sie für eine Überweisung in die Krankenhaus-Ambulanz. „Das neue, niedrigschwellige Angebot wird sehr gut angenommen“, so Prof. Becker-Schwarze. „Seit es verfügbar ist, steigt die Zahl der Studierenden, die den Schritt wagen, Beratungsbedarf zu äußern. Wir werden unser Angebot daher weiter spezifizieren.“

Niedrigschwellige Online-Angebote als „Erste Hilfe“

So wie die Hochschule Fulda verfügen die meisten Hochschulen über qualifizierte Beratungsstellen, wo die Studierenden professionelle Beratung finden. „Qualitätsgesicherte Online-Angebote könnten aber vor einer professionellen Beratung eine wichtige Lücke im Alltag füllen, weil sie den Nutzungsgewohnheiten der jungen Generation entgegenkommen“, sagt Norbert Sudhoff. Zahlreiche Studien belegen inzwischen das große Potenzial Internet- und App-basierter Angebote zur Förderung der psychischen Gesundheit. „ Das kommt vor allem den Betroffenen entgegen, die ihre Probleme schlicht und einfach selbständig lösen möchten“, meint Sudhoff. „Sie können Betroffene dabei helfen, bewährte psychologische Strategien selbstständig in den Alltag zu implementieren und so Beschwerden effektiv reduzieren und zukünftigen präventiv entgegenwirken. Sind sie richtig konzipiert, können Sie genauso große Effekte haben wie eine klassische Face-to-Face Psychotherapie“. Entsprechende Hilfs- und Informationsangebote, da waren sich alle einig, sollten jedoch viel früher ansetzen – am besten in der Schule.

Webcode dieser Seite: p009864 Autor: Barmer Erstellt am: 17.07.2018 Letzte Aktualisierung am: 17.07.2018
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