So viel wie nötig, so wenig wie möglich – Patient Blood Management schützt die wertvolle Ressource Blut

Frankfurt, 30. Oktober 2019 – Blut ist ein kostbares Gut. Ob als lebensnotwendige Körperflüssigkeit im Herz-Kreislauf-System oder als lebensrettende Blutkonserve: Unnötiger Blutverlust kann zu gesundheitlichen Komplikationen führen und sollte stets vermieden werden. Dies zeigt der aktuelle Barmer Krankenhausreport. Aus diesem Grund plädiert die Barmer für eine konsequente Umsetzung des „Patient Blood Managements“ (PBM), das sich ganz dem effizienten und sicheren Umgang mit dem ‚flüssigen Organ‘ widmet. Der Krankenhausreport stellt das PBM-Netzwerk, dem bundesweit 22 Krankenhäuser angehören, vor und analysiert den Einsatz von Blutkonserven mit besonderem Blick auf das Krankheitsbild Blutarmut (Anämie). Datengrundlage sind die Versorgungsdaten der Barmer-Versicherten im Zeitraum von 2005 bis 2017: 2017 waren dies in Hessen mehr als 780.000 Personen.

Deutschland führt beim Blutverbrauch – Hessen verzeichnet Rückgang

In keinem anderen Land wird so viel Blut zu Medizinzwecken verbraucht wie in Deutschland. Allein im Jahr 2017 wurden 3,2 Millionen Blutkonserven eingesetzt. Laut Barmer Report wurden 2017 in Hessen über 240.000 Bluttransfusionen aufgewendet, der Verbrauch lag bei 38,9 Einheiten je 1000 Einwohner. Zum Vergleich: In den Niederlanden wurden 2017 insgesamt nur etwa 407.000 Blutkonserven eingesetzt. Hier liegt der Verbrauch bei nur 23,8 Einheiten je 1000 Einwohner. 2009 wurden in Hessen noch bei 8,2 Prozent der Operationen Transfusionen verabreicht. 2017 ist der Wert auf 6,8 Prozent zurückgegangen; er liegt aber damit über dem Bundeswert von 6,6. Der Rückgang von Bluttransfusionen entwickelt sich demnach in Hessen weniger dynamisch als im Bundesdurchschnitt. In Hessen beliefen sich deshalb in 2017 die Gesamtkosten für die Verabreichung von Bluttransfusionen auf über 35.700.000 Euro. Würde der Blutverbrauch auf 35 Einheiten je 1000 Einwohner gesenkt, was etwa dem internationalen Durchschnitt entspräche, so könnten allein in Hessen Kosten in Höhe von mehr als 3,5 Millionen Euro anderweitig eingesetzt werden. Wichtiger noch: Diese Einsparung würde mit einer wesentlichen Erhöhung der Patientensicherheit einhergehen.

Patient Blood Management: Ein internationales Netzwerk mit Hessen im Zentrum

Unter der Federführung des Universitätsklinikums Frankfurt wurde 2014 das Deutsche Patient Blood Management Netzwerk gegründet. Ziel des Netzwerkes ist es, mit der Ressource Blut bei der Krankenhausversorgung möglichst schonend umzugehen. Im Zentrum des Systems PBM steht die Sicherheit und das Wohlbefinden von Patientinnen und Patienten. Die PBM-Maßnahmen minimieren gezielt die Risiken der Fremdbluttransfusion. Sogenannte Erythrozytenkonzentrate sind – auch in aufbereiteter Form – stets eine gewisse Belastung für das Immunsystem und nehmen maßgeblich Einfluss auf Operationen, Behandlungsergebnisse und Genesung. Bereits die Gabe einer Bluttransfusion ist mit einem mehr als doppelt so hohen Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt assoziiert. Prof. Kai Zacharowski und Prof. Patrick Meybohm leiten das PBM-Projekt an der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie in Frankfurt am Main und konnten mit der Methode die Menge an Fremdbluttransfusionen in ihrer Klinik um fast 50 Prozent reduzieren. Diese Reduktion senkt das Risiko für Nebenwirkungen und Komplikationen, die im schlimmsten Fall sogar tödlich enden können.
„Der Barmer Krankenhausreport zeigt, dass der Maßnahmenkatalog des Patient Blood Managements definitiv zur Patientensicherheit beiträgt. Die Einführung von PBM-Maßnahmen in Krankenhäusern befürworten wir deshalb ausdrücklich.“, betont Norbert Sudhoff, Landeschef der Barmer Hessen. Von Hessen aus koordiniert das Netzwerk 22 Krankenhäuser in Deutschland, sammelt Daten zu Forschungszwecken, bietet Infomaterial und publiziert die Forschungsergebnisse.

Mehr Patientensicherheit für tausende Hessen mit Anämie

Das Krankheitsbild der Anämie, insbesondere der Eisenmangelanämie, ist weit verbreitet. Es betrifft nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation ganze 25 Prozent der Weltbevölkerung und damit etwa 1,5 Millionen Hessen. Um die Effekte des Patient Blood Managements näher zu beleuchten,
vergleicht die aktuelle Analyse der Barmer Patientinnen und Patienten mit
und ohne Anämie in acht ausgewählten Behandlungen oder Eingriffen über
die Jahre 2005 bis 2016 miteinander. Bei einer Anämie ist der Hämoglobinwert des Blutes vermindert, was den Bedarf an Bluttransfusionen im Falle eines Blutverlustes signifikant erhöht. So erhielten rund 67 Prozent der Anämie-Betroffenen bei einer Herzkranzgefäß-Operation eine Bluttransfusion, während es bei den Patientinnen und Patienten ohne Anämie nur 49 Prozent waren. „Die Wirksamkeit des PBM-Systems beruht auf drei Säulen, der Vorbehandlung von Anämie vor planbaren chirurgischen Eingriffen, der Verminderung von Blutverlusten, zum Beispiel durch minimalinvasive Eingriffe und dem entsprechend effizienten Einsatz von Blutkonserven.“, erläutert Prof. Zacharowski. In Hessen ist das Universitätsklinikum Frankfurt bisher das einzige offiziell zertifizierte Krankenhaus im PBM-Netzwerk. „Hessen steht im Zentrum des PBM-Netzwerkes, wir wünschen uns, dass Hessens Krankenhäuser eine Vorreiterrolle einnehmen. Ein erster Schritt kann mehr Transparenz für Patientinnen und Patienten sein. Gemeinschaftlich sollte intensiv über Patient Blood Management informiert werden.“, fordert Norbert Sudhoff.

Webcode dieser Seite: p012425 Autor: BarmerLetzte Aktualisierung am: 29.10.2019
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