BARMER Gesundheitsreport 2019: Immer mehr Beschäftigte in Hessen leiden unter Schlafstörungen

Frankfurt, 25. September 2019 – Gesunder Schlaf fördert die Gesundheit, das Leistungsvermögen und die Produktivität am Arbeitsplatz. Allerdings treten immer weniger Menschen ihren Arbeitstag ausgeschlafen an. So kommt der Barmer Gesundheitsreport 2019 zu dem Ergebnis, dass in einem hessischen Unternehmen mit 1.000 Beschäftigten rund 39 nicht richtig ausgeschlafen sind. In Hessen leiden mehr als 120.000 Beschäftigte, rund vier Prozent, unter ärztlich attestierten Ein- und Durchschlafstörungen. Dabei dürfte die Dunkelziffer noch höher liegen, wie eine repräsentative Befragung der Bevölkerung zur Schlafgesundheit 2018 vermuteten lässt. Hier wünschten sich über 66 Prozent der Hessen zwischen 15 und 74 Jahren länger schlafen zu können. „Anhaltender Schlafmangel macht krank oder verlangsamt das Gesundwerden. Im nicht ausgeruhten Zustand lässt die Konzentrationsfähigkeit schneller nach mit der Folge, dass die Fehlerquote im Arbeitsalltag steigt. Im schlimmsten Fall sind unausgeschlafene Beschäftigte sogar ein Sicherheitsrisiko, etwa dann, wenn sie einen PKW oder LKW fahren“, mahnt Norbert Sudhoff, Landesgeschäftsführer der BARMER in Hessen. Er fordert daher mehr Präventionsmaßnahmen in Schule und Beruf, sowie eine höhere Behandlungskompetenz bei Ärzten, Therapeuten sowie Angehörigen anderer Gesundheitsberufen.

Trend ist steigend: Schlafstörungen werden zur Volkskrankheit

2010 bekamen rund 94.000 Beschäftigte in Hessen von ihrem behandelnden Arzt die Diagnose  einer Ein- und Durchschlafstörung, 2017 waren rund 120.000 betroffen. In Unternehmen mit 1.000 Beschäftigten sind innerhalb von sieben Jahren durchschnittlich zehn Personen mit Schlafstörungen dazugekommen. Waren es 2010 29 Beschäftigte mit Schlafstörungen, erhöhte sich die Anzahl bis 2017 auf 39 Betroffene. „Die aktuelle Entwicklung betrachten wir mit Sorge. Sind doch die Auswirkungen von Schlafstörungen auf die Gesundheit und das Leistungsvermögen von Beschäftigten bislang drastisch unterschätzt worden“, sagt Sudhoff. Denn stellt man die Befragungsergebnisse der Erhebung „Schlafgesundheit in Deutschland“ und die im Barmer Gesundheitsreport 2019 analysierten Diagnosezahlen gegenüber, wird sichtbar, dass weniger als die Hälfte der Betroffenen mit subjektiv empfundenen Schlafstörungen zum Arzt gehen. Nur 27 Prozent derer erhielten nachfolgend auch eine entsprechende ärztliche Diagnose. Unter den Betroffenen finden sich mehr Frauen als Männer. Die Diagnosehäufigkeit steigt mit zunehmendem Alter.

Schlaflos in Offenbach – guter Schlaf im Vogelsbergkreis

Große Unterschiede zur Schlafgesundheit gibt es in den hessischen Regionen. Am schlechtesten schläft man in Offenbach. Von 1000 Beschäftigten ist fast jeder 60. von einer Schlafstörung betroffen. Auch die Beschäftigten in Kassel sind überdurchschnittlich viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Schlafstörungen betroffen. Am besten schläft es sich im Vogelsbergkreis und im Odenwald.

Schlafmangel verlängert das Kranksein, begünstigt Demenz

Nach einer im Jahr 2016 veröffentlichten Rand-Studie, für fünf OECD Staaten, lassen sich bundesweit rund 210.000 Fehltage im Job auf Schlafstörungen zurückführen. Schlafstörungen sorgen neben der Verlängerung von Genesungsprozesse, auch insgesamt für deutlich mehr Fehltage am Arbeitsplatz. Eine reduzierte Schlafdauer und -qualität beeinträchtigt nicht nur das Befinden am Tage, sondern hat auch langfristige gesundheitliche Folgen, insbesondere für das Gehirn. Auch erhöhen dauerhafte Schlafstörungen im mittleren und höheren Lebensalter das Risiko an einer Demenz zu erkranken. Laut Report waren im Vergleich zu ihren ausgeschlafenen Kollegen die ‚Schlafmangel-Geplagten‘ durchschnittlich 36 Tage pro Jahr mehr krankgeschrieben. Dabei führt die Kombination von Schlafstörung und psychischer Grunderkrankung zu einer signifikanten Erhöhung der Fehltage. 

Schlafkiller Schichtarbeit - ein Leben gegen den Rhythmus

Beschäftigte im Schichtdienst leben oft entgegen einem natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus. Sie arbeiten, wenn der Körper normalerweise schläft, und (sollen) schlafen, wenn er eigentlich auf Aktivität eingestellt ist. Auch ist ihr Schlaf am Tag im Schnitt um zwei Stunden kürzer als der normale Nachtschlaf. Das führt oft zu massiven Ein- und Durchschlafstörungen. Mit Abstand das größte Risiko unter den Beschäftigten dafür, haben Bus- und Straßenbahn-fahrer/innen, gefolgt von Maschinen- und Anlagenführer/innen. Auch Beschäftigte im Objekt-, Werte- und Personenschutz sowie Tätigkeiten in Callcentern bergen nach Analysen des Barmer-Reports ein großes Risiko für diese Störungen in sich. In den genannten Berufen kommt Schicht- und Nachtarbeit vergleichsweise häufig vor. Hier finden sich oft auch überdurchschnittlich viele erkrankungsbedingten Fehlzeiten je Jahr.

Neue Studien zeigen vielversprechende Lösungsansätze

Verhaltensinterventionen und Präventionsprogramme im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsprävention zeigen bei Schichtmitarbeitern mit Tagesschläfrigkeit, Schlafmangel und Schlafstörungen positive Effekte auf den Schlaf, die Wachheit und die Schichtakzeptanz. So gaben in Auswertung einer betrieblichen Gesundheitsmaßnahme mit einer Laufzeit von sechs Monaten 87,5 Prozent der Schichtmitarbeiter einen verbesserten Schlaf und eine bessere Schichtakzeptanz an.

 

Webcode dieser Seite: p012245 Autor: BarmerLetzte Aktualisierung am: 25.09.2019
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