Hamburg altert – und nun?

"Die demographische Entwicklung: Herausforderung für Gesundheit und Pflege in Hamburg", so lautete der Titel einer Diskussionsrunde des 24. Hanseatischen Tisches. Mit dabei in der prominent besetzen Runde waren die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks, der Präsident der Ärztekammer Hamburg Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg Dr. Stefan Hofmeister und der Landesgeschäftsführer der Barmer GEK Hamburg Frank Liedtke. Matthias Scheller, neuer Vorstandsvorsitzender des Albertinen-Diakoniewerk e.V., gab der Veranstaltung zu Beginn mit einem prägnanten Referat den nötigen Impuls, um in Fahrt zu kommen.

Matthias Scheller
Foto: Albertinen

"Hamburg wird in der Zukunft größer, vielfältiger und älter. Alt werden auch wir alle, doch wollen wir dabei auch jung bleiben. 60 ist das neue 50, der gesamte Prozess des Alterns hat sich verschoben", sagte Matthias Scheller. Gesellschaft und Stadt müssten sich darauf einstellen, um den zukünftigen Herausforderungen gewachsen zu sein. Im Anschluss arbeitete Scheller vier zentrale Handlungsfelder heraus.

Prävention

Prävention ist ein Schlüssel, um gesund zu altern. Wer früh auf sich Acht gibt, bleibt länger gesund. "Zu spät ist es für Prävention aber fast nie. Auch ältere Menschen sind sehr wohl in der Lage, ihr Verhalten noch zu ändern. Dadurch lässt sich ein guter Gesundheitszustand länger erhalten oder Verlorengegangenes zurückerlangen", so Matthias Scheller. Der Ausbau von Präventionsangeboten müsse in Gesellschaft und Stadt stetig weiter vorangetrieben werden.

Quartier

Die Menschen werden älter und wollen entsprechend auch länger zu Hause wohnen bleiben. Das erfordert zahlreiche bauliche Veränderungen – Stichwort "barrierefreies Wohnen" – aber auch die Erweiterung von Betreuungsstrukturen. "Wäre es nicht eine gute Idee, den Gedanken des ‚Service-Wohnens‘ in die Quartiere zu exportieren? Die Bewohner hätten so eine persönliche Betreuung, könnten haushaltsnahe Dienstleistungen beauftragen und bekämen Präventionsangebote und Pflege-Leistungen – und das alles in den eigenen vier Wänden", erklärte Scheller. Es sei an der Zeit, solche Wohnformen im Alltag zu testen.

Altersmedizin

In einem Krankenhaus einfach nur eine geriatrische Station vorzuhalten, das reiche heutzutage längst nicht mehr aus. Es müsse in allen Fächern im Krankenhaus und im ambulanten Bereich eine bedarfsgerechte Versorgung alter und hochaltriger Menschen geben. „Im Krankenhaus beginnt die Altersmedizin schon in der Notaufnahme“, sagte Scheller. Die Zentren für Altersmedizin, die die Freie und Hansestadt Hamburg im Jahr 2016 erstmals eröffnen wolle, seien ein großer Schritt in Richtung altersgerechter Versorgung und Vernetzung der Behandler. Die Finanzierung müsse aber sichergestellt sein.

Arbeitsbedingungen

"Die Deckung des künftigen Personalbedarfs ist eine der größten, vielleicht sogar die größte Herausforderung für Krankenhäuser – in allen Berufsgruppen", beschrieb Matthias Scheller. Arbeitgeber müssten Mittel finden, um der stetig steigenden körperlichen und psychischen Arbeitsbelastung ihrer Angestellten entgegen zu steuern. Dazu gehöre zum Beispiel auch, Arbeit, Familienleben und private Interessen besser in Einklang bringen zu können. Erst wenn das gelinge, gewännen die Pflegeberufe wieder an Attraktivität.

Am Ende der Diskussionsveranstaltung waren sich alle Teilnehmer einig: Hamburg muss sich schon jetzt schleunigst auf den Weg machen, um den Bedürfnissen der alternden Bevölkerung in der Zukunft gerecht zu werden.

Albertinen-Diakoniewerk: www.albertinen.de

Foto: Albertinen


Webcode dieser Seite: p004407 Autor: Barmer Erstellt am: 08.01.2016 Letzte Aktualisierung am: 15.12.2016
Nach oben