Keine Angst vor Herzdruckmassage bei Kindern - „Tag der Ersten Hilfe“ am 9. September

Hamburg, 8. September 2017 - Wenn das Herz von Kindern oder Säuglingen aufhört zu schlagen, schrecken Laien bisweilen aus Unsicherheit vor einer Wiederbelebung zurück. Dabei ist Erste Hilfe bei Kindern noch wichtiger, als sofort professionelle Hilfe zu holen. Darauf weist die Barmer anlässlich des Tages der Ersten Hilfe hin. „Kindliche Organe reagieren empfindlicher auf Sauerstoffmangel, deshalb kann bei ihnen schon ein verlangsamter Herzschlag lebensbedrohlich sein“, erklärt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin der Barmer. Deshalb gilt bei Kindern ganz besonders: Jede Reanimation ist besser als keine. Marschall: „Wenn die Ersthelfer alleine vor Ort sind, dann sollen sie sofort mit der Wiederbelebung beginnen und erst nach einer Minute den Notruf 112 wählen.“

Fester Druck auf Brustkorb wichtig, bei Babys reichen zwei Finger 

Wichtigste Reanimationsmaßnahme ist die Herzdruckmassage. Dabei muss der Brustkorb unterhalb des Brustbeins eingedrückt werden, und zwar um circa ein Drittel. Bei Kleinkindern sind das etwa vier Zentimeter, bei Schulkindern fünf. "Kinderkörper wirken zerbrechlich. Doch eine Verletzung durch zu festes Drücken ist im Zweifelsfall weniger gravierend als die Folgeschäden einer unterlassenen Wiederbelegung“, betont Marschall. Auch bei Kindern sollten Laien daher fest, schnell und ohne Pausen mit ein bis zwei Händen drücken, um das Herz wieder zum Schlagen zu bringen. "Bei unter Einjährigen reichen zwei Finger für die Herzdruckmassage."

Atemspende ja, tief Luft holen nein

Bei Kindern kommt es am häufigsten durch blockierte Atemwege zur Bewusstlosigkeit und damit zum Herzstillstand. Deshalb sollte vor der ersten Herzmassage fünfmal für jeweils eine Sekunde Atemluft durch den Mund und/oder die Nase in die Lunge des Kindes geblasen werden, dann erneut nach jeweils 30 Brustkompressionen. Marschall: "Kinderlungen können nicht so viel Luft aufnehmen, deshalb ist bei der Mund-zu-Mund-Beatmung normales Ausatmen ausreichend, man muss vorher nicht tief Luft holen.“

Neue Kindernotfall-App

Ganz schnelle Hilfe kann auch die neue Kindernotfall-App geben, die das Uniklinikum Münster (UKM), die Barmer und die Johanniter-Unfallhilfe gemeinsam entwickelt haben. Sie soll dazu beitragen, dass Mütter, Väter, aber auch andere, die regelmäßig mit Kindern zu tun haben (Erzieher, Lehrer, Jugendgruppenleiter, Sporttrainer u. a.) gut auf Kindernotfälle vorbereitet sind und im Ernstfall schnell und richtig reagieren können.

Notruf und Suchfunktion

Über die neue Kindernotfall-App lässt sich im Notfall direkt ein Notruf absetzen. Eine Suchfunktion ermöglicht es, schnell die nächsten Krankenhäuser, Ärzte oder Apotheken zu finden. Eine weitere Funktion der App ist ein Erste-Hilfe-ABC mit einer Übersicht und einfachen Beschreibungen der wichtigsten Maßnahmen im Notfall. Diese orientieren sich an dem Symptom, das dem Ersthelfer bei einem Notfall am stärksten ins Auge fällt (Verletzung, Bewusstlosigkeit, Ausfall der Atmung u.a.).

Tipps zur Vermeidung von Unfällen bei Kindern

Damit es erst gar nicht zu einem Notfall kommt, enthält die Kindernotfall-App außerdem Tipps, wie sich Kinderunfälle im Haushalt und unterwegs vermeiden lassen. Checklisten zur Prävention helfen, typische Unfallquellen zu identifizieren und zu beseitigen. 

Ab sofort ist die Kindernotfall-App kostenlos im Google Play Store und im Apple App Store erhältlich.

Weitere Informationen zum Thema liefern die Broschüre "Erste Hilfe am Kind" und die Internetseite der Barmer www.barmer.de/s000093

Webcode dieser Seite: p008234 Autor: Barmer Erstellt am: 08.09.2017 Letzte Aktualisierung am: 08.09.2017
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