Kieferorthopädie: Studie zeigt Beratungsdefizite auf

Hamburg (01.12.2016) Etwa 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen eines Jahrgangs tragen eine Zahnspange. Doch sind feste Brackets oder lose Klammern bei so vielen Kindern nötig? Interessante Ergebnisse liefert eine repräsentative Umfrage im Rahmen des Gesundheitsmonitors von Barmer GEK und Bertelsmann Stiftung: Kieferorthopädische Behandlung aus der Perspektive junger Patienten und ihrer Eltern. 

Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse:

  • Drei Viertel der Jugendlichen insgesamt sind mit der Behandlung zufrieden; bei den Eltern sind es 62 Prozent.
  • 40 Prozent der Befragten gibt an, dass der Kieferorthopäde nicht viel über das Kind erfahren wollte.
  • Bei 34 Prozent der Kinder wurden mögliche Nachteile und Probleme der Behandlung nicht thematisiert.
  • 61 Prozent der Kinder gaben an, nicht über die Möglichkeit aufgeklärt worden zu sein, sich später oder auch gar nicht behandeln zu lassen.
  • 65 Prozent der jungen Patienten erhält vor einer festsitzenden Apparatur herausnehmbare bzw. lose Spangen.
  • 85 Prozent der Eltern bezahlen im Zusammenhang mit der KFO-Behandlung ihrer Kinder durchschnittlich 1.200 Euro für Zusatzleistungen.

Verbesserungspotenzial in der Prozessqualität

Dass vor einer kostengünstigeren und effizienteren festen Apparatur häufig ineffiziente herausnehmbare Zahnspangen eingesetzt werden, ist auch unter dem Aspekt einer Frühbehandlung wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen. „Damit wird nicht nur die Gesamtdauer der Behandlung gesteigert, sondern auch höhere Kosten verursacht“, kritisiert Frank Liedtke, Landesgeschäftsführer der Barmer GEK Hamburg.

Vermeidbare privat zu zahlende Zusatzleistungen

Zudem fällt auf, dass Zusatzleistungen der Röntgendiagnostik (z. B. Fernröntgenseitenbilder) angeboten werden, die nach wissenschaftlichen Studien für eine kieferorthopädische Behandlung nicht notwendig sind. „Diese zusätzliche Röntgenbelastung ist insbesondere bei Kindern unbedingt zu vermeiden“, fordert Frank Liedtke. 

Für die Studie wurden Antworten von 865 Kindern zwischen zehn und 14 Jahren, die vor der Befragung eine Behandlung begonnen hatten, sowie 750 Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren, die vor der Befragung die Behandlung abgeschlossen hatten, sowie deren Eltern ausgewertet.

Weitere Informationsquellen

Link zur Studie: Kieferorthopädische Behandlung aus der Perspektive junger Patienten und ihrer Eltern

Studie: Kieferorthopädische Behandlung aus Patientenperspektive 

Webcode dieser Seite: p006960 Autor: Barmer Erstellt am: 22.12.2016 Letzte Aktualisierung am: 22.12.2016
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