Herzinsuffizient: Telemedizinische Mitbetreuung

Ein großes Backsteingebäude ist Sitz der Charité

Die Charité-Universitätsmedizin Berlin und die Barmer haben eine Vereinbarung zur telemedizinischen Mitbetreuung von Patienten mit chronischer Herzschwäche in der integrierten Versorgung gestartet. Das Konzept baut auf den positiven Ergebnissen der Fontane-Studie der Charité auf, die erstmals nachgewiesen hatte, dass Telemedizin das Leben von Herzpatienten verlängern kann.

Bessere Versorgung auf dem Land

Rund 2,5 Millionen Deutsche leiden an einer chronischen Herzinsuffizienz, jährlich kommen rund 300.000 Neuerkrankungen hinzu. In den vergangenen zehn Jahren war sie die häufigste Ursache für stationäre Aufnahmen. Die Fontane-Studie hatte gezeigt, dass Telemedizin hilft, an Herzinsuffizienz erkrankte Menschen besser zu versorgen, Krankenhausaufenthalte zu reduzieren und Versorgungsunterschiede zwischen ländlichem Raum und in Metropolregionen auszugleichen.

Leicht bedienbare Messgeräte für Patienten

Zur telemedizinischen Versorgung erhalten die Patienten vier Messgeräte: ein Elektrokardiogramm (EKG), ein Blutdruckmessgerät, eine Waage sowie ein Tablet zur Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands. Die Technik ist leicht zu bedienen und alltagspraktikabel. Zudem werden die Patienten im Umgang mit den Geräten und ihrer Erkrankung durch speziell ausgebildete Pflegefachkräfte der Charité geschult. Über das Tablet werden die Vitalwerte via Mobilfunk automatisch an das Telemedizinzentrum der Charité übertragen. Ärzte und Pflegekräfte bewerten die übertragenen Messwerte 24 Stunden täglich an 7 Tagen in der Woche und reagieren bei einer Verschlechterung der Werte. So werden beispielsweise die Medikationen angepasst, Empfehlungen für einen ambulanten Arztbesuch oder eine Krankenhauseinweisung gegeben. „Die telemedizinische Mitbetreuung von Patientinnen und Patienten ist ein erfolgreiches Beispiel für den Nutzen von digitaler Medizin. Gleichzeitig wird dadurch die Verbindung ambulanter Versorgung und Einrichtungen der Maximalversorgung gestärkt. Damit trägt Telemedizin dazu bei, die Qualität der Patientenversorgung zu verbessern – und das unabhängig vom Wohnort“, sagt Prof. Dr. Ulrich Frei, Vorstand Krankenversorgung der Charité.

Vernetzung mit behandelnden Ärzten  vor Ort

Im Rahmen des  Projekts steht das Kardiovaskulären Telemedizinzentrum der Charité in engem Austausch mit den regulär betreuenden Haus- und Fachärzten vor Ort. Diese werden vom Telemedizinzentrum über Veränderungen und den medizinischen Verlauf der Patienten informiert. Niedergelassene Ärzte im Mittelbereich Templin hatten sich solch eine Zusammenarbeit schon lange gewünscht.  Dr. Anke Schwerecke, Fachärztin für Innere Medizin und Hausärztin in Templin nimmt an dem Projekt teil und lobt die Vorteile für ihre Patientinnen und Patienten: „Telemedizin für herzinsuffiziente Patienten bedeutet eine bessere Lebensqualität sowie mehr Sicherheit für die Patientinnen und Patienten auch im ländlichen Raum. Die Patienten werden besonders in der kritischen Phase nach einem stationären Aufenthalt und außerhalb der Sprechzeiten ihrer niedergelassenen Ärzte fachärztlich mitbetreut.“ Dies waren auch die Beweggründe der Barmer, diese Kooperation als Vertrag zur besonderen Versorgung nach §140a SGB V abzuschließen. „Die Telemedizin ergänzt die enge Mitbetreuung von Herzinsuffizienz-Patienten durch den behandelnden Arzt vor Ort und leistet einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, Versorgungslücken zu schließen, vor allem in ländlichen Regionen“, sagt Gabriela Leyh, Landesgeschäftsführerin der Barmer Berlin/Brandenburg.

Bewährte Zusammenarbeit zwischen Charité und Barmer

Die Charité und die Barmer arbeiten seit 2005 eng bei der telemedizinischen Forschung von Patienten mit Herzinsuffizienz zusammen. Sie haben zunächst im Projekt „Partnership for the Heart“ (gefördert vom damaligen Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie), gemeinsam mit weiteren Konsortialpartnern, wichtige wissenschaftliche und technische Grundlagen gelegt, die anschließend in das  Projekt „Fontane“ eingeflossen sind. Ziel der Fontane-Studie war es, die Patienten möglichst lange außerhalb eines Krankenhauses behandeln zu können und die Lebenserwartung sowie die Lebensqualität zu erhöhen. Zudem sollte überprüft werden, ob Telemedizin strukturelle Defizite der medizinischen Versorgung auf dem Land gegenüber städtischen Regionen ausgleichen kann. Zwischen den Jahren 2013 und 2018  nahmen  mehr als 1.500 Patientinnen und Patienten und verschiedene Partner teil.  Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat das Projekt mit 10,2 Millionen Euro gefördert. Anlässlich des Starts der Kooperation von Charité und Barmer sagte Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF: „Patientinnen und Patienten profitieren langfristig von der Telemedizin, und das ganz unabhängig davon, ob sie auf dem Land oder in der Stadt wohnen. Deshalb werden wir uns auch weiterhin zugunsten der Telemedizin engagieren  Innovationen für die digitale Gesundheitsversorgung unterstützen.“

Das Schaubild zeigt die Zusammenarbeit zwischen Patienten, Hausarzt und Charité bei der Herzinsuffizienzversorgung.


 

Webcode dieser Seite: p014796 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 22.09.2020
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