Verschleiß in der Pflege – 1.200 Stellen unbesetzt

Berlin, 11 Mai 2021 – In den Pflegeberufen haben Krankenstand und Erwerbsminderungsverrentung ein solches Ausmaß angenommen, dass in Berlin 1.200 Pflegestellen unbesetzt sind. Zu diesem Ergebnis kommt die Barmer in ihrem Pflegereport, für den sie Diagnosen, Krankschreibungen, Krankenhausaufenthalte und Erwerbsminderungsverrentung von Beschäftigten in der Alten- und Krankenpflege im Zeitraum von 2016 bis 2018 ausgewertet hat.

Jede zweite Pflegehilfskraft hat mit Depressionen zu kämpfen

Innerhalb der Pflegebranche tragen Altenpflegehilfskräfte die höchste Krankenlast. So litten in den Jahren 2016 bis 2018 bundesweit von 100 Altenpflegehilfskräften 93 an Bluthochdruck, 57 an einer depressiven Episode und 49 an Adipositas. Insgesamt lag der Krankenstand bei Altenpflegehilfskräften in diesem Zeitraum in Berlin bei 9,6 Prozent. Das heißt, an einem durchschnittlichen Arbeitstag waren von 100 Beschäftigten mehr als neun krankgeschrieben. Der branchenübergreifende Krankenstand lag bei 5,6 Prozent. Häufiger als die Angehörigen anderer Berufsgruppen, werden Pflegekräfte selber zum Pflegefall. So waren im Jahr 2017 bundesweit von 1.000 Altenpflegefachkräfte 170 und von 1.000 Altenpflegehilfskräften 184 für eine stationäre Behandlung im Krankenhaus. Der branchenübergreifende Durchschnitt lag bei 136 je 1.000 Beschäftigten.

Erwerbsminderungsrente als letzter Ausweg

Die gesundheitlichen Belastungen gipfeln in der Pflegebranche häufiger als in anderen Branchen in einer Erwerbsminderungsverrentung. Von 1.000 Pflegehilfskräften in Berlin bezogen in den Jahren 2016 bis 2018 im Durchschnitt 8,1 eine Erwerbsminderungsrente, der branchenübergreifende Durchschnitt lag bei 3,1. Würden unter Pflegekräften die gleichen Krankenstände und Frühverrentungsraten bestehen wie im branchenübergreifenden Durchschnitt, wären allein in Berlin 1.200 Pflegestellen mehr besetzt und bundesweit rund 26.000. Der Beobachtungszeitraum des Barmer-Pflegereports liegt vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Angesichts der zusätzlichen Belastungen der Pflegekräfte durch die Corona-Pandemie ruft die Barmer Arbeitgeber der Pflegebranche auf, jetzt mit Sofortprogrammen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement zu reagierten. Solche Programme böte zum Beispiel der Verband der Ersatzkassen in Form von kostenfreien Online-Seminare an (https://www.mehrwert-pflege.com).

 

Webcode dieser Seite: p016831 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 10.05.2021
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