Bayerische Kinder bundesweit auf traurigem Spitzenplatz bei Karies an bleibenden Zähnen

München, 07. Juli 2020 – Bayerische Kinder nehmen bundesweit den traurigen Spitzenplatz bei Karies ein. Nach Hamburg haben Zwölfjährige hier am häufigsten Kariesbehandlungen im bleibenden Gebiss. Bislang gingen Studien davon aus, dass sie etwa jeden Fünften betreffen. Im Jahr 2018 wurden in Bayern 38 Prozent der Zwölfjährigen, also rund 39.600 Kinder, wegen Karies in bleibenden Zähnen behandelt. Somit wurde Karies bei Kindern in Bayern deutlich unterschätzt. Das geht aus dem aktuellen Barmer-Zahnreport hervor. Im Gegensatz dazu nimmt Bayern bundesweit den Spitzenplatz bei der Individualprophylaxe (IP) ein. Über 70 Prozent der Kinder, mehr als in jedem anderen Bundesland, nutzen die Vorsorgeangebote. "Das beste Mittel gegen Karies bleibt die Prävention. Dazu gehören neben der täglichen Zahnhygiene wie Zähneputzen auch die regelmäßigen Zahnarztbesuche und die Individualprophylaxe", sagt Professor Dr. Claudia Wöhler, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Bayern. Daher sei es besorgniserregend, dass bayerische Kinder dennoch so von Karies betroffen sind.

Dunkelziffer deutlich höher - Weitere Anstrengungen sind erforderlich

Diese Zahlen seien nicht nur aufgrund der Quantität alarmierend. Da die Versorgungsdaten nicht die Zahlen von unbehandelter Karies an den Zähnen zeigten, sei die Karieserfahrung bei den Zwölfjährigen auch in Bayern insgesamt deutlich höher, als bislang angenommen. "Es sind in jedem Fall weitere Anstrengungen erforderlich, um die Zahngesundheit der bayerischen Kinder zu verbessern," so Wöhler weiter. Hier seien alle Beteiligten gefragt, vor allem Eltern, Kitas und Schulen.

Kinder in Traunstein haben besonders viel Erfahrung mit Bohrer und Zange

Wie aus dem Barmer Zahnreport weiter hervorgeht, gibt es auch in Bayern deutliche regionale Unterschiede. So wird am häufigsten in Traunstein (44,8%) bei den Zwölfjährigen gebohrt und gezogen, am seltensten in Hof (32,6%). Die Ursachen dieser regionalen Besonderheiten sind unklar. „Hier sind weitere Untersuchungen erforderlich, auch im Hinblick auf mögliche regionale Unterschiede bei der Präventionsarbeit in Kitas und Schulen“, sagt Wöhler.

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Fissurenversiegelungen sinnvoll zur Kariesreduktion

Die Ergebnisse des Barmer-Zahnreports belegen eindringlich aktuelle Probleme bei der Zahngesundheit von Heranwachsenden. Gleichwohl sollen die bisherigen Präventions- und Versorgungserfolge in keiner Weise kleingeredet werden. "Fissurenversiegelungen sind sinnvoll zur Kariesreduktion, denn 80 Prozent der Flächen waren nach 9 Jahren kariesfrei", stellt Wöhler fest. "Wir müssen die Prävention weiter stärken und die Investitionen in die Gruppenprophylaxe weiter ausbauen", fordert sie.

Aus der Praxis: Statement von Frau Dr. Linder

 "In meiner täglichen Praxisarbeit mit Kindern spiegelt sich die Häufung von Karies vor allem in Bevölkerungsgruppen wieder, die kaum und vor allem zu spät Kontakt zu zahnärztlicher Vorsorge haben", stellt Dr. Melanie Linder, Zahnärztin für Kinder- und Jugendmedizin fest. "Daraus ergibt sich ein erhöhter therapeutischer Bedarf." Verbesserungsansätze sollten sich darauf fokussieren, diese Kinder und Familien frühzeitig in die Erhaltung der Zahngesundheit einzubinden. Mögliche Lösungen können eine verpflichtende Überweisung der Familien vom Kinderarzt zum Zahnarzt, Screening-Untersuchungen in den Kindertagesstätten und eine häufigere Kostenübernahme der Individualprophylaxe-Leistungen bei Risikopatienten sein.

Ihre Ansprechpartnerin:

Stefani Meyer-Maricevic
Telefon 0800 333 004 251 131
E-Mail: presse.bayern@barmer.de

 

Webcode dieser Seite: p015556 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 27.08.2020
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