Digitalisierung entlastet Pflegekräfte und Angehörige

 München, 07. November 2018 – Welche Chancen bieten die Digitalisierung in der Pflege? Kann sie dazu beitragen, den Pflegenotstand zu beheben? Diesen Fragen widmet sich das 2. Pflegeforum unter dem Titel "Pflege 4.0" der Barmer Bayern und des MDK Bayern mit 120 Teilnehmern aus Politik, Gesundheitswesen und Pflege. "Digitalisierung in der Pflege ist unverzichtbar, denn in den neuen Technologien liegt enormes Potential, das es zu nutzen gilt. Daher sollten digitale Kompetenzen auch in der generalistischen Pflegeausbildung, die im Jahr 2020 startet, vermittelt werden", fordert Dr. Claudia Wöhler, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Bayern. Digitalisierung kann die Arbeitsbedingungen und die Attraktivität des Pflegeberufes erheblich verbessern.

Neun von 10 Menschen würden digitale Technik nutzen

Neun von zehn Menschen würden im Alter digitale Technologien, wie alltagsunterstützende Assistenzsysteme oder innovative Robotertechnik nutzen, zeigt eine aktuelle Umfrage der INQA - Offensive Gesund Pflegen 2018. Ziel der Digitalisierung müsse es sein, dass Pflegebedürftige so lange wie möglich selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben können und Arbeitsprozesse in der Pflege vereinfacht werden. "Durch elektronische Dokumentation, Robotik und künstliche Intelligenz werden Pflegekräfte und Angehörige entlastet und es wird mehr Zeit für menschliche Zuwendung geschaffen," ist Wöhler sicher. Bisher habe aber nur ein geringer Teil der technischen Unterstützungssysteme den Weg in die Praxis gefunden. "Daher muss das Thema Smart Home unterstützt und Anreize zu deren Einsatz geschaffen werden", fordert sie.

Der Faktor Mensch bleibt unersetzlich

"Wichtig ist, dass bei der Nutzung von pflege- und alltagsunterstützenden Technologien die Zuwendung und Empathie erhalten bleibt. Der Faktor Mensch bleibt in der Pflege unersetzlich," so Wöhler. Digitale Möglichkeiten sollten ergänzen, nicht ersetzen.

Innovative Ideen für die Pflege

Seit 2015 ermöglicht es das Präventionsgesetz den gesetzlichen Krankenkassen, gesundheitsförderliche Angebote für Pflegeeinrichtungen zu machen. "Daher fördert die Barmer innovative Ideen wie die Memore Box des Start-up´s Retro Brain und Lindera, den Gewinner des Digital Health Wettbewerbes der BARMER 2018. Die MemoreBox ist eine Videospielkonsole, die in Pflege- und Altenheimen eingesetzt wird, um die körperlichen und geistigen Fähigkeiten von Seniorinnen und Senioren spielerisch zu fördern", so Wöhler. Lindera sorgt mit künstlicher Intelligenz für Sturzprävention in der Pflege.

Technologien aus der Raumfahrt kommen Pflege zu Gute

Das automatische Öffnen von Türen ist selbstverständlich geworden. Computer aller Art sind heutzutage fast überall zu finden. Dies ist auch in der Pflege erforderlich, um Menschen, die aus verschiedenen Gründen mit Einschränkungen im Alltag zurechtkommen müssen zu unterstützen. Wie diese Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter aussehen und funktionieren kann, stellt Professor Alin Albu-Schäffer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit dem Projekt SMiLE – Servicerobotik für Menschen in Lebenssituationen mit Einschränkungen vor. "Im Projekt SMiLE erarbeiten wir Szenarien für die robotische Assistenz der Zukunft. Die Vision von SMiLE ist es, Menschen trotz alters – oder krankheitsbedingter Bewegungseinschränkungen zu einem erfüllteren und selbständigeren Leben zu verhelfen. Bei den SMiLE-Robotern kommen digitale Spitzentechnologien zum Einsatz, die seit Jahren in der Weltraumforschung entwickelt und mit Astronauten ausführlich, beispielsweise im ISS-Experiment zusammen mit Astronaut Alexander Gerst, erprobt wurden. Jetzt kommen sie der Pflege zu Gute," sagt Albu-Schäffer.  "Am wichtigsten ist es uns beim Thema Pflegerobotik, die Erwartungen der betroffenen Personen, Unterstützungsbedürftige, Patienten, Angehörige und Pflegepersonal, tiefgreifend zu verstehen, um ihre dringendsten Bedürfnisse zu adressieren. Unser zentraler Grundsatz ist es, immer den Menschen im Mittelpunkt aller technologischen Entwicklungen zu stellen. Assistenzrobotik kann und darf menschliche Zuwendung und bestehende Pflegeleistungen auf keinen Fall ersetzen. Roboter sollen vor allem für eine bessere Versorgung der Menschen und eine Entlastung des Pflegepersonals sorgen", so Albu-Schäffer.

Humane Technik in der Pflege ist möglich

"Altersgerechte Assistenzsysteme können den Alltag älterer Menschen deutlich erleichtern und einen wichtigen Beitrag zur selbstbestimmten Lebensführung und zur gesellschaftlichen Teilhabe leisten. In der Entwicklung sollten jedoch sowohl die Nutzergruppe als auch unterstützende Anwendergruppen sowie soziale und ethische Aspekte einbezogen werden", unterstreicht auch Professorin Veronika Schaut, die selbst u.a. als examinierte Altenpflegerin ausgebildet wurde, von der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Kempten in ihrem Vortrag.

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Webcode dieser Seite: p010525 Autor: Barmer Erstellt am: 07.11.2018 Letzte Aktualisierung am: 07.11.2018
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