Bewegungsmangel macht Bayern krank

München, 11. September – Über 52 Prozent der Bayern waren 2017 mindestens einmal krankgeschrieben. Obwohl die Erwerbstätigen in Bayern damit weniger und kürzer krankgeschrieben waren als der durchschnittliche Bundesbürger, stagnieren die Arbeitsunfähigkeitszeiten auf hohem Niveau. Je nach Region fielen die Krankmeldungen höchst unterschiedlich aus. "Bei den Fehlzeiten gibt es in Bayern ein starkes Nord-, Südgefälle. In Nordbayern werden die bundesweiten Fehlzeiten zum Teil deutlich überschritten", beschreibt Dr. Claudia Wöhler, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Bayern, die aktuellsten Auswertungsergebnisse des kasseneigenen Gesundheitsreports 2018.

Erkältungen und Rückenschmerzen häufigster Grund für Krankschreibungen

Im vergangenen Jahr waren 17,3 von 100 Erwerbstätigen wegen Atemwegserkrankungen krankgeschrieben. Die zweithäufigste Diagnose war Rückenschmerz. 6,2 von 100 Erwerbstätigen mussten aus diesem Grund der Arbeit fernbleiben. Im Bundesdurchschnitt waren es 7,0. Der Krankenstand von Beschäftigten im Freistaat belief sich auf 4,3 Prozent. Damit lag er auch 2017 unter dem Niveau des Bundesdurchschnitts von 4,8 Prozent. In Bayern waren damit an einem durchschnittlichen Kalendertag von 1.000 Beschäftigten 43 arbeitsunfähig.

Nord-, Südgefälle bei den Fehlzeiten in Bayern

"Bei den Fehlzeiten in Bayern gibt es ein deutliches Nord-,Südgefälle", stellt Wöhler fest. Die gesündesten Bayern leben in Starnberg. Den höchsten Krankenstand gibt es in Lichtenfels und Weißenburg-Gunzenhausen. Zudem sind die Erwerbstätigen in Weißenburg-Gunzenhausen besonders von Muskel-Skelett-Erkrankungen betroffen. Nürnberg hat bayernweit die höchsten Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen und Erkältungskrankheiten. Lichtenfels hat die höchsten Fehlzeiten wegen Verletzungen.

Altenpfleger, Bus- und Trambahnfahrer haben die höchsten Fehlzeiten

Durchschnittlich 31 Tage im Jahr können Beschäftigte in der Altenpflege krankheitsbedingt nicht arbeiten gehen. Mit 8,4 Prozent ist der Krankenstand der zweithöchste aller Berufsgruppen. Nur bei Bus- und Trambahnfahrer/innen liegen Arbeitsunfähigkeitstage (33 im Jahr) und Krankenstand (9,1 Prozent) höher. Neben den Altenpflegeberufen sind auch die Krankenstände in den Kranken- und Fachkrankenpflegeberufen mit 7,3 und 7,4 Prozent in den TOP-10 der Krankenstandstatistik zu finden. Dies bedeutet etwa 27 Arbeitsunfähigkeitstage im Jahr. "In Zeiten des Pflegepersonalmangels muss hier näher hingeschaut und Ursachen möglichst umfassend beseitigt werden", so Wöhler.

Nachhaltige Änderung der Arbeits- und Lebensgewohnheiten

Sowohl für psychische als auch für Muskel-Skelett-Erkrankungen gibt es Präventionsmöglichkeiten. "Gesundheitsfördernde Maßnahmen, die für mehr Bewegung und damit weniger Rückenschmerz sorgen, scheinen bei mehr Beschäftigten anzukommen. Immer häufiger rüsten Unternehmen um, schaffen beispielsweise mobile oder höhenverstellbare Arbeitsplätze für ihre Beschäftigten oder bieten die Möglichkeit für Bewegungspausen", so Wöhler. Damit wird bei einem Acht-Stunden-Büro-Tag der Rücken entlastet. Positiv zu sehen sind hier alle Maßnahmen, die Menschen motivieren sich mehr zu bewegen. Durch Angebote über den Betrieb lässt sich so mancher Beschäftigter mitziehen. "Viele Menschen brauchen eine Motivation von außen, um den inneren „Schweinehund“ zu überwinden. Aber auch die Führungskräfte sind in der Verantwortung, eine gesundheitsfördernde Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Allerdings sollte dann auch die nachhaltige Änderung der Lebensgewohnheiten unterstützt werden", so Wöhler.

Prävention in kleinen und mittelständischen Unternehmen

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) scheint in großen Unternehmen zunehmend zu funktionieren, stellt allerdings kleine Betriebe aufgrund ihrer Größe vor besonders große Herausforderungen. Hier gibt es noch Nachholbedarf. "Auch in den kleinen und mittleren Betrieben nimmt die Bedeutung der Gesundheitsförderung mit wachsendem Fachkräftemangel zu. Grundanliegen aller betrieblichen Maßnahmen ist es, sowohl die körperlichen als auch die psychischen Belastungen der Beschäftigten und des Unternehmers selbst so gering wie möglich zu halten, um krankheitsbedingte Ausfälle oder Minderleistungen zu vermeiden. Unabhängig von der Größe des Unternehmens ist die Gesundheitsförderung eine Führungsaufgabe, die aber nur erfolgreich umgesetzt werden kann, wenn die Mitarbeiter aktiv in die Ausgestaltung einbezogen werden",, sagt Christina Obergföll, Weltmeisterin im Speerwurf und Gesundheitsbotschafterin der Barmer. Mitarbeiterorientierte Führung und Kommunikation, sinnvolle Ziele und Identifikation sind wesentliche Schlüssel für den Zustand einer optimalen Leistungsentfaltung und Gesunderhaltung. Mit Trainings- und Weiterbildungsangeboten für Führungskräfte werden die Gesundheitskompetenzen von Beschäftigten mit Leitungsfunktionen erheblich verbessert. Für kleinere Unternehmen sollten Branchendachverbände derartige Angebote bündeln und die Organisation von Veranstaltungsangeboten übernehmen.

Wöhler fordert Unternehmen auf, gesundheitlichen Risiken von Beschäftigten rechtzeitig entgegenzuwirken: "Unser Gesundheitsreport belegt, dass es für die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wichtig ist, wenn die Balance zwischen Beruf und Privatleben, zwischen Stress und Entspannung ausgewogen ist. Dazu kann das betriebliche Gesundheitsmanagement einen erheblichen Beitrag leisten." In Bayern haben 2017 über 1.000 Unternehmen Maßnahmen der Barmer zum betrieblichen Gesundheitsmanagement durchgeführt. Hierfür wurden mehr als 700.000 Euro in die bayerischen Unternehmen investiert. "Das werden wir weiter ausbauen", kündigt Wöhler an.

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Webcode dieser Seite: p010212 Autor: Barmer Erstellt am: 11.09.2018 Letzte Aktualisierung am: 11.09.2018
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