#ltwbw21: Verzahnung von Rettungsdienst und Notfallversorgung

Oft werden Notärzte zu Einsätzen gerufen, die keine Notfälle sind. Und etwa 30 Prozent der Patienten, die eine Notaufnahme aufsuchen, gehören dort nicht hin. Beides bindet Ressourcen, die dann bei einem echten Notfall nicht zur Verfügung stehen. Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, fordert die Barmer Baden-Württemberg den ärztlichen Bereitschaftsdienst, die stationäre Notfallversorgung und den Rettungsdienst gemeinsam, also sektorenübergreifend zu planen. Zudem muss sich das Land an der Finanzierung des Rettungsdienstes stärker beteiligen. Momentan ist die Praxis, dass die gesetzlichen Krankenkassen diesen zu etwa 95 Prozent finanzieren. Gleichzeitig ist das Mitspracherecht der Kassen zu erhöhen.

Notfallsanitäter brauchen Rechtssicherheit

Außerdem sollten die Notfallsanitäter Rechtssicherheit haben, wenn sie am Einsatzort medizinische Maßnahmen ergreifen. In der Praxis stellt der sogenannte Heilkundevorbehalt noch immer ein Problem dar. Sinnvoll wäre die Entwicklung von notwendigen Vorgaben durch die Ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes. Bayern nutzt diesen landesrechtlichen Spielraum bereits. Zudem könnte im Zuge dessen auch die doppelte Hilfsfrist abgeschafft werden.

Leitstellen über Landkreisgrenze hinweg planen

Wichtig wären auch einheitliche Strukturen. Momentan gibt es in Baden-Württemberg 34 Leitstellen, in denen mindestens sieben verschiedene technische Systeme verwendet werden. Sinnvoll wäre, die Rettungsdienstbereiche kreisübergreifend zu planen und eine einheitliche Software zu etablieren. Die Qualität der gesamten Notfallkette muss gesichert werden: vom eingehenden Notruf bis zur Einlieferung und Behandlung der Patienten im richtigen Krankenhaus. Welche Klinik die richtige ist, hat der Gemeinsame Bundesausschuss in einem dreistufigen System für die stationäre Notfallversorgung dargelegt. Dieses System sollte in Baden-Württemberg eingeführt werden.

Erste-Hilfe-Kenntnisse früher und regelmäßig vermitteln

Außerdem müssen wir in Baden-Württemberg dafür Sorge tragen, dass Kenntnisse in Erste Hilfe früher und regelmäßig vermittelt werden. Das Thema muss verbindlich in den Lehrplänen der Schulen stehen. Erste-Hilfe-Kurse gehören verpflichtend in den Schulunterricht, wenn nicht sogar schon in den Kindergarten. Denn Studien belegen, dass bereits Vierjährige grundlegende Kenntnisse in Erste Hilfe erlernen und einen Notruf absetzen können. 

Ihre Ansprechpartnerin 

Marion Busacker

Pressesprecherin Barmer Baden-Württemberg
Telefon: 0800 333004-351130
E-Mailpresse.bw@barmer.de 

Webcode dieser Seite: p016265 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 15.12.2020
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