Krankenhaus Rating Report 2017: Investitionen sind unzureichend

Patientin im MRT

Die Bundesländer investieren nach wie vor zu wenig in die Kliniken, zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Krankenhaus Rating Report, den das RWI Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung gemeinsam mit der Institute for Healthcare Business GmbH und der Unternehmensberatung Deloitte erstellt hat. Lässt man die Universitätskliniken außen vor, dann beläuft sich der jährliche Investitionsbedarf der Krankenhäuser auf mindestens 5,4 Milliarden Euro. Von den Bundesländern kamen aber nur 2,8 Milliarden Euro. Hier klafft eine Förderlücke von 2,6 Milliarden Euro, den über die Jahre aufgebauten Investitionsstau noch mit eingerechnet. "Die  Länder kommen ihren Verpflichtungen seit Jahren nicht nach, auch nicht in Baden-Württemberg. Darüber kann auch die Erhöhung der Krankenhausinvestitionen in den letzten Jahren nicht hinwegtäuschen", sagt Barmer Landesgeschäftsführer Winfried Plötze. Da die Landesmittel fehlen, finanzieren die Kliniken Investitionen mit Geldern, die sie von den Krankenkassen für die Betriebskosten erhalten. "Das hat zur Folge, dass am Jahresende bei vielen Häusern nicht die schwarze Null steht. In der öffentlichen Diskussion heißt es dann, ursächlich dafür sei die unzureichende Vergütung durch die Krankenkassen. Das ist schlicht falsch."

Klinikdefizite fallen regional unterschiedlich aus

13 Prozent der bundesweiten Kliniken wiesen im Jahr 2016 laut Krankenhaus Rating Report einen Verlust aus. 2015 waren es noch 22 Prozent. Insgesamt stehen die kommunalen Kliniken finanziell schlechter da als die privaten und freigemeinnützigen Krankenhäuser. Vor allem in reichen Landkreisen würden die kommunalen Kliniken unwirtschaftlich arbeiten. Dort fehle der Anreiz zum Sparen, da der Landkreis das Defizit am Ende ausgleichen würde. Den kommunalen Kliniken in Baden-Württemberg geht es laut Report bundesweit am schlechtesten. Dort hätten nur 28 Prozent ein geringes und fast 35 Prozent ein erhöhtes Insolvenzrisiko.

Größe schlägt Standort

Gleichzeitig merken die Autoren des Krankenhaus Rating Reports an, dass Ländlichkeit nicht zwangsläufig ein Nachteil sei. Viel entscheidender als der Standort sei die Größe einer Klinik. Kleineren Krankenhäusern gehe es schlechter als größeren und je spezialisierter eine Klinik ist, desto wirtschaftlicher sei sie auch. Zudem sei die Patientenzufriedenheit in diesen Häusern größer. Plötze: "Letztendlich bestätigt der Krankenhaus Rating Report das, was wir im Land seit Langem predigen: Dass wir auf große Kliniken und einen hohen Spezialisierungsgrad setzen müssen. Wir müssen weg von den vielen kleinen Häusern, in denen von A bis Z jede Behandlung angeboten wird." Der Krankenhausstrukturfonds bietet hierfür Anreize zur Optimierung und wird laut Report auch gut angenommen. Insgesamt würden 75 Prozent des Antragsvolumens auf Konzentrationsmaßnahmen und 22 Prozent auf Kapazitätsabbau entfallen.

Lohnniveau ist in Baden-Württemberg überdurchschnittlich

Der Krankenhaus Rating Report hat auch das regionale Lohnniveau in den Kliniken unter die Lupe genommen. Dabei wurden erheblich Schwankungen sichtbar, sie reichen von zehn Prozent unter bis fünf Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Die Variation fällt im ärztlichen Dienst deutlich geringer aus als im Pflege-, medizinisch-technischen und Funktionsdienst, wo der Arbeitsmarkt lokaler geprägt ist. So lag beispielsweise das Lohnniveau in den medizinischen Diensten in Baden-Württemberg im Jahr 2015 3,4 Prozent über dem Bundesdurchschnitt und nach Bereinigung landesspezifischer Faktoren immer noch um 1,8 Prozent darüber.

Webcode dieser Seite: p009818 Autor: Barmer Erstellt am: 09.07.2018 Letzte Aktualisierung am: 09.07.2018
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