Pflege hängt vom Wohnort ab

Barmer Pflegereport 2016

Wie Menschen in Deutschland gepflegt werden, hängt vom Wohnort der Pflegebedürftigen ab. Das geht aus dem aktuellen Pflegereport der Barmer hervor. Demnach sind die massiven regionalen Unterschiede in der Pflege Konsequenz des Angebots vor Ort. Je mehr Pflegedienste oder Pflegeheime es gibt, desto mehr Betroffene werden auch von ihnen betreut.

Das Pflegeangebot schafft sich seine Nachfrage

So sind die Kapazitäten in der ambulanten Pflege in Berlin mehr als zweimal so hoch wie in Baden-Württemberg, und es zeigt sich: Je größer das Angebot an ambulanter Pflege ist, desto öfter wird diese auch in Anspruch genommen. „Unterschiedliche Versorgungsarrangements korrespondieren nach unseren Auswertungen mit dem Pflegeangebot im jeweiligen Bundesland“, sagt Winfried Plötze. „Grundsätzlich lässt sich dieser Zusammenhang in zwei Richtungen deuten. Erstens: In Berlin ist die Nachfrage nach ambulanten Pflegeleistungen groß, dementsprechend ist das Angebot. Zweitens: Wir haben es mit einer angebotsinduzierten Nachfrage zu tun. Sprich das Angebot an ambulanter Pflege schafft sich seine Nachfrage.“

Ein identisches Bild zeigt sich bei der stationären Pflege: Je mehr Pflegeheimplätze zur Verfügung stehen, desto höher ist auch der Anteil an Pflegebedürftigen, die stationär betreut werden. In Baden-Württemberg entfallen auf 100 Pflegebedürftige rund 36 Heimplätze, in Brandenburg 27. Im Südwesten werden mehr als 30 Prozent der Pflegebedürftigen in Heimen versorgt, in Brandenburg sind es knapp 23 Prozent.

Gute Pflegeunterstützung für alle Betroffenen sicherstellen

Offensichtlich bekommen die Menschen demnach nicht immer die Pflege, die sie brauchen, sondern die, die vor Ort verfügbar ist. Plötze: „Damit Betroffene die Pflege erhalten, die für sie am sinnvollsten ist, muss es mehr unkompliziert abrufbare Informationen, flächendeckende Unterstützungsleistungen durch die Pflegekassen sowie niedrigschwellige mobile und häusliche Angebote geben.“

Die Barmer bietet eine individuelle Beratung durch Familiengesundheitspfleger an, ebenso Kurse für pflegende Angehörige. Sie sind besonders sinnvoll, da dabei nicht nur wichtiges Wissen vermittelt, sondern auch ein Austausch der Betroffenen untereinander ermöglicht wird. Allerdings sollte eine effiziente Pflegeunterstützung nicht nur von der Mitgliedschaft in einer bestimmten Krankenkasse abhängig sein. Plötze: „Wir müssen dafür sorgen, dass alle Betroffenen in schwierigen Lebenssituationen uneingeschränkt die Unterstützung erhalten, die sie benötigen.“

Webcode dieser Seite: p007097 Autor: Barmer Erstellt am: 11.01.2017 Letzte Aktualisierung am: 11.01.2017
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