Bei Operationen an der Bauchschlagader kann Routine Leben retten

Stuttgart, 7. Februar 2019 – 13.800 Baden-Württemberger über 65 Jahren leiden laut Hochrechnung der Barmer an einer krankhaft erweiterten Bauchschlagader, einem sogenanntes Bauchaortenaneurysma. Wie hoch die Überlebenschance nach einer planbaren Operation an der Bauchaorta ist, hängt davon ab, wie und in welchem Krankenhaus operiert wird. Zu dieser Erkenntnis kommt der Barmer-Krankenhausreport. "Wenn die Bauchschlagader reißt, dann muss der Patient sofort in die nächstgelegene Klinik. Bei einem planbaren Eingriff aber sollte man das Krankenhaus sorgfältig auswählen, denn wie bei vielen anderen komplizierten Operationen scheint sich auch hier zu bewahrheiten, dass eine höhere Fallzahl Routine und Behandlungsqualität steigern kann. Mangelnde Erfahrung im Operationssaal kann dagegen dramatische Folgen haben", sagt Barmer Landesgeschäftsführer Winfried Plötze. So sei die Sterberate in Kliniken, die eine Bauaorten-OP vergleichsweise häufig vornehmen, laut Studie der Krankenkasse um 2,6 Prozentpunkte niedriger. Plötze: "Dieser Wert mag im ersten Moment überschaubar erscheinen, doch wir reden hier von Menschenleben, die gerettet werden könnten."
Laut Barmer haben im Jahr 2016 47 der 265 baden-württembergischen Kliniken eine Operation an der Bauchaorta durchgeführt. Davon erfüllten 43 die Qualitätsrichtlinien zum Bauchaortenaneurysma des Gemeinsamen Bundesausschusses, zwölf Kliniken seien zudem von der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie zertifiziert. Die Fallzahlen schwanken zwischen einem und 44 Eingriffen pro Jahr. "Ich vermute, dass die Häuser mit nur einem Eingriff Notoperationen durchgeführt haben. Grundsätzlich sollten geplante Operationen an der Bauchaorta aber nur in zertifizierten Gefäßzentren oder Kliniken mit einer hohen Fallzahl erfolgen. Dafür wäre die Einführung von Mindestmengen pro Standort und Operateur sinnvoll", sagt Plötze.

Art des Eingriffs beeinflusst Überlebenschance

Wenn medizinisch nichts dagegenspricht, sollte ein Eingriff an der Bauchschlagader möglichst minimalinvasiv durchgeführt werden, da Komplikationen seltener auftreten und die Sterblichkeit geringer ist. So war die Sterberate laut Barmer-Krankenhausreport drei Jahre nach einem planbaren Eingriff um zwei Prozentpunkte geringer, wenn die Operation nicht offen-chirurgisch erfolgte. In Baden-Württemberg würden aber nur weniger als 75 Prozent der Eingriffe minimalinvasiv durchgeführt. Plötze: "Das ist ausbaufähig, in Sachsen liegt die Quote bei fast 86 Prozent."
Minimalinvasive Operationen an der Bauchschlagader sind laut Barmer-Krankenhausreport nicht nur besser, sondern auch teurer. Da bei einem endovaskulären Eingriff Prothesen genutzt werden, liegen die Kosten für eine planbare Operation bei durchschnittlich 16.700 Euro und damit 4.000 Euro über den Kosten für einen offen chirurgischen Eingriff.  

Patienten besser informieren

Da vor allem ältere Männer eine erweiterte Bauchaorta haben, haben gesetzlich krankenversicherte ab 65 Jahren seit 2018 Anspruch auf eine Beratung und eine einmalige kostenlose Ultraschalluntersuchung ihrer Bauchschlagader. Ärzte sollten die Patienten auf diese Leistung hinweisen. Bei der Wahl des richtigen Krankenhauses kann der Krankenhausnavigator www.barmer.de/krankenhausnavi nützlich sein. Dort sind nicht nur die Qualitätsrichtlinien der Kliniken hinterlegt. Er gibt auch Auskunft darüber, wie oft ein Eingriff oder eine Behandlung innerhalb eines Jahres vorgenommen wurde.

Krankheitsbild Bauchaortenaneurysma

Die Aorta ist die Hauptschlagader, die das Blut vom Herzen in den Kreislauf des Körpers leitet. Der Abschnitt, der durch die Bauchhöhle verläuft, ist die Bauchaorta. Sie hat normalerweise einen Durchmesser von etwa zwei Zentimetern, ab einer Weite von drei Zentimetern wird von einem Bauchaortenaneurysma gesprochen. Eine erweiterte Bauchschlagader macht zunächst keine Probleme, die Betroffenen leben oft jahrelang ohne jegliche Symptome. Nicht selten wird die Krankheit nur zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. Wenn sie aber reißt, kommt oft jede Hilfe zu spät. So verstarben Albert Einstein, Thomas Mann und Charles de Gaulle an einer Ruptur der Bauchschlagader. Neben dem Alter zählen eine familiäre Vorbelastung, Nikotinkonsum, Bluthochdruck, Diabetes mellitus und das Vorliegen einer chronischen Herzkrankheit zu den Risikofaktoren für eine erweiterte Bauchschlagader.

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Webcode dieser Seite: p010955 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 19.02.2019
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