Magensäureblocker: Trotz Abhängigkeitsrisiko steigt Verordnungsrate in Baden-Württemberg um 17 Prozent

Stuttgart, 23. Januar 2017 - Immer mehr Menschen in Baden-Württemberg bekommen Magensäureblocker, auch Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI), vom Arzt verschrieben. Dies geht aus einer Auswertung der Barmer hervor. Im Jahr 2015 verordneten Mediziner hierzulande 126.900 Patienten PPI, im Jahr 2011 waren es 108.700. Das entspricht einem Anstieg von rund 17 Prozent. "Magensäureblocker können abhängig machen und sollten daher bei akuten Beschwerden nur über einen begrenzten Zeitraum in Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden", sagt die Pressesprecherin der Barmer Baden-Württemberg, Marion Busacker.

Immer mehr junge Menschen mit Magensäureblockern

Grundsätzlich finden sich die höchsten Verordnungsraten laut Barmer bei den betagten und hochbetagten Versicherten. "Wir beobachten aber, dass auch immer mehr junge Menschen Magensäureblocker einnehmen", so Busacker. So ist die Verordnungsrate bei den 20- bis 29-jährigen Barmer Versicherten aus Baden-Württemberg von 2011 bis 2015 um rund 31 Prozent gestiegen. "Ein Grund dafür könnte womöglich sein, dass sich junge Menschen immer häufiger unter Druck fühlen, was ihnen buchstäblich auf den Magen schlägt." Junge Frauen nehmen häufiger PPI als gleichaltrige Männer. 8,8 Prozent der weiblichen Versicherten und 6,4 Prozent der männlichen Versicherten aus Baden-Württemberg wurden 2015 Magensäureblocker verschrieben.

Präparate können abhängig machen

Magensäureblocker kommen zum Beispiel zum Einsatz, wenn die Betroffenen unter Sodbrennen leiden, eine entzündete Magenschleimhaut oder gar Geschwüre haben. Immer häufiger finden sie zudem Anwendung, wenn Schmerzmittel oder über längere Zeit Cortison eingenommen werden muss. Hier verhindern sie Magenschmerzen, indem sie die Magensäure reduzieren und so dem Magen helfen, sich wieder zu regenerieren. Obwohl Magensäureblocker als sichere Medikamente gelten, ist deren zunehmender Einsatz nicht unbedenklich. Wer zu lange Magensäureblocker schluckt, kann in einen Teufelskreis geraten, weil der Körper sich an die Medikamente gewöhnt. Wenn die PPI dann abgesetzt werden, kann es zu einer überschießenden Magensäureproduktion kommen, die schnell zu neuen Magenschmerzen oder Sodbrennen führen kann. Die Betroffenen werden daraufhin wieder zu PPI greifen.

Anteil der Versicherten mit PPI-Verordnung

 Quelle: Barmer

 Anteil der weiblichen Versicherten mit PPI-Verordnung

 Quelle: Barmer

Anteil der männlichen Versicherten mit PPI-Verordnung

 Quelle: Barmer

Kontakt für die Presse

Marion Busacker
Telefon: 0800 333004 351130
E-Mail: marion.busacker@barmer.de 

Webcode dieser Seite: p007156 Autor: Barmer Erstellt am: 24.01.2017 Letzte Aktualisierung am: 24.01.2017
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