76 Prozent aller Anträge auf Cannabis-­haltige Medikamente in Baden-Württemberg bewilligt

Stuttgart, 29. August 2018 - Bei der Barmer in Baden-Württemberg sind seit Inkrafttreten des Cannabis-Gesetzes am 10. März vergangenen Jahres 558 Anträge auf die Kostenübernahme Cannabis-haltiger Arzneimittel eingegangen, 423 wurden bewilligt. Mit rund 76 Prozent ist die Genehmigungsquote bundesweit spitze. Das geht aus einer Auswertung der Barmer hervor. Bundesweit gingen bei der Krankenkasse 6.583 Anträge ein, in 4.436 Fällen wurde positiv entschieden. Die meisten Anträge auf Kostenübernahme von Cannabis-Präparaten wurden in Bayern mit 1.413 gestellt, die zahlenmäßig geringste Nachfrage gab es in Bremen mit 16 Anträgen. Mit 53 Prozent war die Bewilligungsquote in Hessen am niedrigsten. In dem Zusammenhang warnt die Barmer vor übertriebenen Erwartungen, denn der Nutzen von Cannabis-Präparaten sei häufig nicht erwiesen. "Cannabis-haltige Arzneimittel dürfen inzwischen bei vielen Erkrankungen verordnet werden, auch wenn deren Wirkung wissenschaftlich nicht hinlänglich erwiesen ist. Bei Schmerzen etwa sollte Cannabis möglichst nur als Ergänzung zu bewährten Konzepten wie der multimodalen Schmerztherapie zum Einsatz kommen", so Winfried Plötze, Landesgeschäftsführer der Barmer Baden-Württemberg. So sei im letzten Jahr mehr als die Hälfte der Cannabis-Verordnungen zur Behandlung von Schmerzen ausgestellt worden. Es liege aber kein klarer Nachweis vor, dass Cannabis bei Tumor-, Skelett- und Muskelschmerzen wirke.

Cannabis-Blüten kaum dosierbar und unverhältnismäßig teuer

Laut Auswertung gab die Barmer in Baden-Württemberg bisher rund 757.000 Euro für Cannabis-Präparate aus, bundesweit waren es mehr als acht Millionen Euro. Bei den Arzneimitteln gibt es große Kostendifferenzen. Mit durchschnittlich 1.708 Euro je Patient sind Cannabis-Blüten mit Abstand am teuersten. "Cannabis-Blüten sind nicht nur unverhältnismäßig teuer, sondern in der Praxis auch kaum dosierbar, da es verschiedene Sorten, Stärken und Verabreichungsformen gibt. Blüten sollten nicht zum Einsatz kommen, zumal es alternative Cannabis-Präparate gibt", sagt Plötze. Bei den Fertigarzneimitteln und Rezepturen liegen die Ausgaben pro Cannabis-Patient laut Barmer zwischen 350 und 721 Euro.

Grafik regionale Verteilung von Cannabis-haltigen Medikamenten nach Bundesländern

Ihre Ansprechpartnerin:

Marion Busacker
Telefon: 0800 333004-351130
E-Mail: presse.baden-wuerttemberg@barmer.de 

Webcode dieser Seite: p010157 Autor: Barmer Erstellt am: 29.08.2018 Letzte Aktualisierung am: 29.08.2018
Nach oben