Barmer-Gesundheitsreport 2019: Schlafstörungen in Baden-Württemberg nehmen zu

Freiburg, 25. Oktober 2019 – Gesunder Schlaf fördert die Gesundheit, das Leistungsvermögen und die Produktivität am Arbeitsplatz. Allerdings treten immer weniger Baden-Württemberger ihren Arbeitstag ausgeschlafen an, Tendenz steigend. Zu diesem Ergebnis kommt der Barmer-Gesundheitsreport, für den die Krankenkasse die Daten von 327.000 Versicherten zwischen Wertheim und Waldshut analysiert hat. So erhielten im Jahr 2005 rund 25 von 1000 Beschäftigten aus Baden-Württemberg die Diagnose Ein- und Durchschlafstörung. Im Jahr 2017 waren es fast 38. Das ist ein Anstieg um gut 50 Prozent innerhalb von zwölf Jahren. Hochgerechnet auf die 6,25 Millionen Erwerbstätigen im Land hätten demnach rund 237.000 Baden-Württemberger eine Schlafstörung. "Tatsächlich dürfte die Dunkelziffer sogar wesentlich höher sein, denn wir wissen aus einer Umfrage, dass nicht einmal jeder Zweite zum Arzt geht, weil er nachts nicht richtig schlafen kann", sagt der Landesgeschäftsführer der Barmer Baden-Württemberg, Winfried Plötze, bei der Vorstellung des Gesundheitsreports heute in Freiburg. Plötze appellierte, Schlafmangel nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Ein dauerhaft gestörter Schlaf könne die Lebensqualität erheblich beeinflussen und ernsthafte Erkrankungen nach sich ziehen. So erhöhe Schlafmangel das Risiko für psychische Störungen und für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es verwundere nicht, dass Berufstätige mit einer Schlafstörung häufiger und länger krankgeschrieben seien. Sie fehlen laut Barmer-Gesundheitsreport jährlich 56 Tage krankheitsbedingt im Job und damit 36 Tage mehr als Beschäftigte ohne Schlafstörung. Plötze: "Die Konkurrenz schläft nicht. Aber um konkurrenzfähig zu sein, brauchen die Unternehmen ausgeschlafene Mitarbeiter. Und wir brauchen innovative Behandlungsansätze, um den Betroffenen bestmöglich zu helfen. Denn das ist oft nicht der Fall."

Uniklinik Freiburg leitet Innovationsfondsprojekt GET Sleep

Ein solch innovativer Ansatz ist GET Sleep, ein Projekt, das die Uniklinik Freiburg gemeinsam mit dem GET.ON Institut, der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, der BARMER und weiteren Partnern durchführt. Projektziel sei, die Versorgung von Patienten mit chronischen Schlafstörungen zu verbessern. Denn der Großteil werde falsch behandelt. "Viele Patienten erhalten Medikamente. Dabei sollte die Arzneimitteltherapie die ultima ratio sein", bemängelt der Psychologe und Projektleiter von GET Sleep, Prof. Kai Spiegelhalder von der Uniklinik Freiburg. So sehe die medizinische Leitlinie zur Behandlung von Schlafstörungen eine Psychotherapie explizit als erste Behandlungsoption vor. Laut Barmer-Gesundheitsreport erhielten diese aber nur rund neun Prozent der Patienten im Jahr der Erstdiagnose. "Den meisten Patienten mit einer Schlafstörung kann auf vergleichsweise einfache Weise geholfen werden. Deshalb vermitteln wir bei GET Sleep zuerst Grundlegendes für einen guten Schlaf über die behandelnden Hausärzte. Führt diese sogenannte Schlafhygiene nach vier Wochen nicht zu einer Verbesserung, dann bieten wir eine internetbasierte Verhaltenstherapie an." Fast 5.000 Patienten sollen nach diesem Stufenmodell behandelt werden. GET Sleep wird bis zum Jahr 2023 mit rund 6 Millionen Euro durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert.

Bevölkerungsdichte beeinflusst den Schlaf

Die Barmer hat untersucht, welche Faktoren Schlafstörungen begünstigen. Demnach spielt die Bevölkerungsdichte eine Rolle. Menschen in dicht besiedelten Gebieten seien demnach stärker gefährdet. Im Vergleich zu Regionen mit weniger als 100 Einwohnern je Quadratkilometer sei das Risiko, eine Schlafstörung zu entwickeln, in Gegenden mit 2000 und mehr Einwohnern um 23 Prozent erhöht. Dass der Schlaf in der Stadt schlechter ist als auf dem Land könne an Faktoren wie Stress, Lärm und Lichtverschmutzung liegen. Allerdings gebe es in Ballungsgebieten auch mehr Mediziner, die Schlafstörungen diagnostizieren können. Auch das könne einen Einfluss auf die Statistik haben.

Viele Schlafstörungen in Pforzheim, wenige im Kreis Freudenstadt

In Baden-Württemberg wurde eine Schlafstörung am häufigsten in Pforzheim diagnostiziert, von 1000 Personen waren 52 betroffen. Ebenso weisen Mannheim ( 47 v. 1000), Karlsruhe (45 v. 1000) und Freiburg (44 v. 1000) überdurchschnittliche Werte aus. Im Landkreis Freudenstadt wurde nur bei 26 von 1000 Personen eine Schlafstörung ärztlich dokumentiert.

Steuerberater schlafen besser als Busfahrer

Ein hoher Bildungsabschluss und eine feste Anstellung reduzieren laut Barmer-Gesundheitsreport das Erkrankungsrisiko. Möglicherweise plagen bildungsferne Menschen und Leiharbeiter Existenzängste, die sie nachts um den Schlaf bringen. Ebenso habe der ausgeübte Beruf einen Einfluss auf die Schlafqualität. Schichtarbeiter leben oft entgegen ihrem natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus: Sie arbeiten, wenn wir normalerweise schlafen und sollen schlafen, wenn der Körper auf Aktivität eingestellt ist. Und ihr Tagesschlaf ist im Schnitt zwei Stunden kürzer als der Nachtschlaf. Deshalb verwundere es nicht, so Winfried Plötze, dass Bus- und Straßenbahnfahrer das höchste Risiko hätten, eine Schlafstörung zu entwickeln. Autoverkäufer, Steuerberater und Allgemeinmediziner schliefen dagegen besser.

Die Deutschlandkarte zeigt, wie viele von 1000 Beschäftigten in den Bundesländern unter einer Schlafstörung leiden.

Ihre Ansprechpartnerin:

Marion Busacker

Pressesprecherin Barmer Baden-Württemberg
Telefon: 0800 333004-351130
E-Mail: presse.bw@barmer.de

Webcode dieser Seite: p012387 Autor: BarmerLetzte Aktualisierung am: 31.10.2019
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