Arzneimitteltherapie mit Sicherheitslücken: 160.000 Baden-Württemberger von Polypharmazie betroffen

Stuttgart, 12. November 2018 – Die Arzneimitteltherapie in Baden-Württemberg hat Sicherheitslücken, zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Barmer-Arzneimittelreport. Demnach erhalten manche Patienten für sie ungeeignete Medikamente, bei anderen bestehe aufgrund von Polypharmazie, das heißt von der gleichzeitigen Einnahme von fünf oder mehr Wirkstoffen, das Risiko von gefährlichen Wechselwirkungen oder Medikationsfehlern. Allein 160.000 Barmer-Versicherte in Baden-Württemberg sind von Polypharmazie betroffen, teilweise werden ihnen die Medikamente von verschiedenen Ärzten verordnet. Hinzu kommen gegebenenfalls noch frei verkäufliche Arzneimittel, welche die Patienten zusätzlich einnehmen. Hier ohne technische Unterstützung den Überblick zu behalten, sei für die Mediziner schier unmöglich, meint Winfried Plötze, Landesgeschäftsführer der Barmer Baden-Württemberg. "eHealth könnte die Arzneimitteltherapie sicherer machen, aber auf diesem Gebiet sind wir noch so organisiert wie vor 50 Jahren. Zwar gibt es inzwischen den Medikationsplan, aber nur in Papierform. Dabei belegen Studien, dass eine elektronische Unterstützung der Arzneimitteltherapie Medikationsfehler reduzieren kann."

Verordnung von ungeeigneten Arzneimitteln

Manche Patienten erhalten laut der Barmer-Studie Arzneimittel, die für sie ungeeignet sind. So raten Leitlinien davon ab, Menschen mit Herzschwäche ein nichtsteroidales Antirheumatikum wie Ibuprofen oder Diclofenac zu verordnen. Diese Patienten sollten Naproxen erhalten. Gut drei Prozent der Barmer-Versicherten aus Baden-Württemberger haben eine Herzmuskelschwäche (22.298), davon wurden fast zehn Prozent mit Diclofenac und 21 Prozent mit Ibuprofen behandelt. Plötze: "Die Arzneimitteltherapie muss sicherer werden. Dafür müssen wir auf allen Ebenen ansetzen: Bei den Patienten, die einen Überblick über ihre Arzneimittel haben müssen. Bei den Ärzten, die für eine sichere Verordnung alle erforderlichen Informationen über den Patienten und dessen Medikation haben müssen. Und auch auf der Systemebene. Wir  brauchen definierte Standards für die Erfassung von Arzneimitteldaten.

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Marion Busacker
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Webcode dieser Seite: p010492 Autor: Barmer Erstellt am: 13.11.2018 Letzte Aktualisierung am: 13.11.2018
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