Morbi-RSA

Faire Wettbewerbsbedingungen – Morbi-RSA weiterentwickeln

Der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) ist das wichtigste Steuerungsinstrument im Finanzverteilungssystem der gesetzlichen Krankenkassen und als „lernendes System“ angelegt. In seiner derzeitigen Ausgestaltung führt er jedoch zu Wettbewerbsverzerrungen unter den gesetzlichen Krankenkassen. Die Dynamik, mit der die Deckungsbeiträge der einzelnen Kassen auseinanderlaufen, ist rasant. Das System wird zunehmend instabiler. Daher bedarf es einer zügigen Weiterentwicklung des Finanzausgleichs.

Es ist sinnvoll, dass die beiden Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesversicherungsamt hierfür die Grundlage bilden. Wichtig ist, dass rasch gehandelt wird, um eine gute Versorgung und einen fairen Wettbewerb zwischen den gesetzlichen Krankenkassen zu gewährleisten. Folgende Reformschritte sind notwendig.

Die Zuweisungen des Gesundheitsfonds an die Krankenkassen werden bundeseinheitlich über den Morbi-RSA ermittelt und richten sich nach den Durchschnittskosten für ganz Deutschland. Dabei werden die erheblichen regionalen Unterschiede der Kosten und Versorgungsstrukturen nicht angemessen berücksichtigt. Dauerhafte und durch die Kassen nicht beeinflussbare strukturbedingte Ausgabenunterschiede müssen durch die Einführung einer Regionalkomponente ausgeglichen werden.
Derzeit decken die Zuweisungen an die Krankenkassen für Versicherte mit extrem hohen Krankheitskosten die entstehenden Ausgaben bei Weitem nicht ab. Deshalb sollten die Kosten für Patientinnen und Patienten, die an besonders seltenen und teuren Krankheiten leiden, durch einen Hochrisikopool zwischen den Krankenkassen ausgeglichen werden.
Da die Krankenkassen für Versicherte im Ausland in der Regel keine Diagnosen erhalten, gibt es für diese keine krankheitsbedingten Zuweisungen, sondern pauschale Zuweisungen, die sich am inländischen Kostenniveau orientieren. Die derzeitige Regelung, wonach die gesamten Zuweisungen für Auslandsversicherte auf die insgesamt für die gesetzliche Krankenversicherung entstandenen Kosten durch Auslandsversicherte begrenzt werden, hebt die Wettbewerbsverzerrungen zwischen den Krankenkassen nicht vollständig auf. Um die zwischen den Wohnländern stark schwankenden Ausgaben für Auslandsversicherte zu berücksichtigen, sollten die Zuweisungen für Auslandsversicherte deshalb auf der Grundlage der jährlichen landesspezifischen Rechnungssummen erfolgen.
Bis zur Einführung des Morbi-RSA waren Hilfsvariablen wie der Erhalt einer Erwerbsminderungsrente wichtige Bezugsgrößen für den Krankenkassenfinanzausgleich. Mit der direkten Morbiditätsorientierung des Risikostrukturausgleichs seit dem Jahr 2009 sind Verfahren der indirekten Morbiditätsorientierung durch Hilfsvariablen hinfällig geworden. Da die Morbidität eines Versicherten bereits über die hierarchisierten Morbiditätsgruppen abgebildet ist, erübrigt es sich, den Erwerbsminderungsstatus zu berücksichtigen. Hilfsgrößen zur Ermittlung von Zuweisungen sollten daher nicht mehr verwendet werden.
Die Zuweisungen sollten an validierte Informationen im ambulant-vertragsärztlichen Bereich geknüpft werden. Diese beinhalten sowohl Diagnosen (ICD-10-GM) als auch medizinische (diagnostische und therapeutische) Interventionen analog zum Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS-Klassifikation) bei den DRGs. Die Validierung sollte mithilfe eines weiter entwickelten Abrechnungssystems für ambulante Behandlungen, Prozeduren und Operationen erfolgen, mit denen die jeweilige Diagnose in Einklang stehen muss.
Für eine kontinuierliche Weiterentwicklung des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs ist eine regelmäßige wissenschaftliche Überprüfung der Wirkungsweisendes Zuweisungssystems erforderlich. Die Ergebnisse sollten in Form von Evaluationsberichten transparent gemacht werden.


Webcode dieser Seite: d000495 Autor: BarmerLetzte Aktualisierung am: 26.09.2019
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