Ambulante Versorgung

Flächendeckende ambulante Versorgung erhalten

Noch nie waren so viele Ärztinnen und Ärzte in der ambulanten Versorgung tätig wie heute, sie sind jedoch regional sehr ungleich verteilt. So entstehen Über-, Unter- und Fehlversorgung, die eine regional gleichmäßige, qualitativ hochwertige und effiziente Versorgung der Bevölkerung behindern. Die Bedingungen für die Sicherstellung einer flächendeckenden medizinischen Versorgung wandeln sich: Ballungsräume entwickeln eine immer größere wirtschaftliche und kulturelle Anziehungskraft, während einige ländliche Regionen an Attraktivität verlieren und mit einer schrumpfenden und älter werdenden Bevölkerung umgehen müssen. Das ärztliche Personal wird weiblicher und hat veränderte Vorstellungen von der Berufsausübung: Ziel ist nicht mehr ausschließlich die Niederlassung in der Einzelpraxis. Zur Lösung der bestehenden Probleme muss das Gesundheitswesen stärker auf kooperative Versorgungsstrukturen setzen

In überversorgten Regionen sollte der Gesetzgeber die Nachbesetzung freiwerdender Arztsitze grundsätzlich ausschließen. Als Anreiz für die Niederlassung in schlechter versorgten Regionen müssen Ärztinnen und Ärzte gezielte Unterstützung für eine strukturierte Weiterbildung erhalten. Im Rahmen dieser Weiterbildung werden sie individuell durch Mentoren beraten. Sie sollten dabei die Möglichkeit erhalten, ihre Weiterbildung in Praxen durchzuführen, die sich sektorenübergreifend vernetzen. Ebenso sollten für medizinisch-wissenschaftliche Block-Weiterbildungen die Möglichkeiten nahegelegener Universitätskliniken genutzt werden.

Durch einen weiteren Ausbau der Delegation und gegebenenfalls der Substitution ärztlicher Leistungen wäre eine Entlastung der Medizinerinnen und Mediziner möglich. Für eine gezielte Steuerung der Niederlassung von Ärztinnen und Ärzten sollen Vergütungszuschläge in von Unterversorgung bedrohten Regionen oder Vergütungsabschläge in überversorgten Regionen angewandt werden.

Die Kommunen sollten in die Lage versetzt werden, durch Verbesserungen in der Infrastruktur Anreize für Ärztinnen und Ärzte zu schaffen, sich auch außerhalb von Ballungsgebieten niederzulassen.

In dünn besiedelten Regionen können zudem telemedizinische Anwendungen einen wertvollen Beitrag zur Patientenversorgung leisten. Eine Lockerung des Fernbehandlungsverbots sowie die Ermöglichung der Fernverschreibung von Arzneimitteln sind wünschenswert, um Ärztinnen und Ärzten in geeigneten Fällen die Diagnosestellung und die Verordnung von Medikamenten per Videosprechstunde zu ermöglichen.

Eine wohnortnahe Versorgung besonders von älteren und chronisch kranken Patientinnen und Patienten erfordert eine stärkere Koordination der medizinischen Angebote als bisher. Arztnetze sind etabliert, sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Versorgung. Ihre Arbeit muss jedoch auch stärker auf Interdisziplinarität und Kooperation ausgerichtet werden. Um mehr Patientenorientierung und Qualität in der Versorgung zu gewährleisten, sollten sich Leistungserbringer stärker als bisher in regionalen Versorgungsnetzen zusammenschließen. Darin kann ein Versorgungsmanagement etabliert werden. Diagnostik und Therapie werden dabei interdisziplinär und unter Einbeziehung sowohl ärztlicher als auch nichtärztlicher Heilberufe und sonstiger Gesundheitsfachberufe erbracht. Eine lückenlose Dokumentation der Befunde und des Behandlungsverlaufs können in Versorgungsnetzen besser geleistet werden.

Versorgungsnetze benötigen hohe Anfangsinvestitionen, um sie elektronisch zu vernetzen und das Arbeiten in einer gemeinsamen Patientenakte zu ermöglichen. Der Bund unterstützt die Bildung von Versorgungsnetzen, indem er mit einem mehrjährigen Sonderinvestitionsprogramm „Digitale Netze“ zur Finanzierung beiträgt.

Mit Einführung des diagnosegestützten Systems zur Morbiditätsmessung erfolgt seit 2009 im vertragsärztlichen Bereich eine jährliche Anpassung der Vergütung an die Morbidität. Zeitgleich wurde auch der Risikostrukturausgleich zwischen den gesetzlichen Krankenkassen auf eine morbiditätsorientierte Basis umgestellt. Die per ICD-10-GM kodierten Diagnosen erhielten in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle zur Bestimmung der Morbidität. Damit ist die korrekte und einheitliche Verschlüsselung der behandelten Krankheiten durch die Ärztin oder den Arzt eine unverzichtbare Grundlage einer validen Morbiditätsmessung sowie eines funktionierenden fairen Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Einführung klarer Vorgaben bei der Kodierung von Diagnosen in Form von Kodierrichtlinien ist dafür notwendig.


Webcode dieser Seite: d000489 Autor: BarmerLetzte Aktualisierung am: 26.09.2019
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