Pflegegrade

Pflegebedürftigkeit ist unabhängig vom Alter und kann in jedem Lebensabschnitt auftreten. Daher bemisst sich der Pflegegrad nach den bestehenden Einschränkungen der Selbstständigkeit bzw. der Fähigkeiten.

Eine pflegende Angehörige gibt einer Seniorin eine Tasse

Die Voraussetzungen für Pflegebedürftigkeit sind im Gesetz (Elftes Buch des Sozialgesetzbuches – SGB XI) genau definiert:

Pflegebedürftig ist, wer körperliche, geistige oder seelische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbstständig kompensieren oder bewältigen kann und deshalb Unterstützung benötigt.

Im Rahmen der Pflegebegutachtung wird durch die Gutachterinnen und Gutachter die Selbstständigkeit eines Menschen in den Bereichen betrachtet, die für die Bewältigung des täglichen Lebens wesentlich sind. Diese Bereiche (Module) sind:

  1. Mobilität
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Zusätzlich werden die Bereiche „Außerhäusliche Aktivitäten“ (Modul 7) und „Haushaltsführung“ (Modul 8) mit betrachtet. Sie werden jedoch bei der Ermittlung eines möglichen Pflegegrades nicht berücksichtigt.

Auf der Grundlage der durch die Gutachterinnen und Gutachter festgestellten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten erfolgt die Zuordnung zu einem Pflegegrad. Hierfür wird ein Punktesystem genutzt, das von Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftlern erarbeitet und gesetzlich festgelegt wurde.

Dabei gilt: Je stärker die Selbstständigkeit bzw. die Fähigkeiten beeinträchtigt sind, und je umfassender der dadurch entstehende Hilfebedarf ist, desto höher ist der Pflegegrad und desto höher sind auch die zur Verfügung stehenden Leistungen der Pflegeversicherung.

Besonderheiten bei Kindern

Kinder benötigen bis zu einem gewissen Alter Unterstützung bei der Bewältigung des täglichen Lebens, z. B. bei der Mobilität und der Orientierung, beim Erkennen von Risiken und Gefahren und bei der Körperhygiene. Bei körperlich oder geistig beeinträchtigten Kindern wird die Selbstständigkeit im Vergleich zu altersentsprechend entwickelten Kindern berücksichtigt.

Sonderregelung für Kinder im Alter von bis zu 18 Monaten

Aufgrund der natürlich hohen Unselbstständigkeit sehr kleiner Kinder werden bei der Begutachtung nur die altersunabhängigen Bereiche betrachtet. Kinder im Alter von bis zu 18 Monaten werden pauschal einen Pflegegrad höher eingestuft als ältere Kinder und Erwachsene. Nach dem 18. Lebensmonat werden sie automatisch und ohne dass eine erneute Begutachtung notwendig wird, regulär, also einen Pflegegrad niedriger eingestuft.

Welche unterschiedlichen Pflegegrade gibt es?

Geringe Einschränkung der Selbstständigkeit bzw. der Fähigkeiten

ab 12,5 bis unter 27 Punkte

Erhebliche Einschränkung der Selbstständigkeit bzw. der Fähigkeiten

ab 27 bis unter 47,5 Punkte

Schwere Einschränkung der Selbstständigkeit bzw. der Fähigkeiten

ab 47,5 bis unter 70 Punkte

Schwerste Einschränkung der Selbstständigkeit bzw. der Fähigkeiten

ab 70 bis unter 90 Punkte

Schwerste Einschränkung der Selbstständigkeit bzw. der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

ab 90 bis 100 Punkte

Der Pflegegrad 1

Unter den Pflegegraden nimmt der Pflegegrad 1 eine besondere Stellung ein. Er wird Personen zuerkannt, die in ihrer Selbstständigkeit bzw. ihren Fähigkeiten nur in geringem Maße eingeschränkt sind und so einen vergleichsweise niedrigen Pflegebedarf haben. Der Schwerpunkt der Leistungen liegt daher auf der Beratung der Pflegebedürftigen und Angehörigen sowie der Stabilisierung der Wohn- und Versorgungssituation.

Leistungen in Pflegegrad 1

  • Pflegeberatung, Beratung in der eigenen Häuslichkeit
  • zusätzliche Leistungen in ambulant betreuten Wohngruppen
  • Versorgung mit Pflegehilfsmitteln
  • Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen oder gemeinsamen Wohnumfeldes
  • Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen
  • Entlastungsbetrag von monatlich bis zu 125 Euro
  • bei stationärer Pflege ein monatlicher Zuschuss in Höhe von 125 Euro
  • zusätzliche Betreuung und Aktivierung in stationären Pflegeeinrichtungen

 

Textnachweis

  • Autorin: Nina Henkels, Barmer Pflegekasse
  • Qualitätssicherung: Ingrid Drolshagen, Barmer Pflegekasse

Literatur

  • SGB XI - Elftes Sozialgesetzbuch - Soziale Pflegeversicherung
  • Gemeinsames Rundschreiben des GKV- Spitzenverbandes zu den leistungsrechtlichen Vorschriften nach dem Stand vom 22.12.2016
Webcode dieser Seite: s050028 Autor: Barmer Erstellt am: 10.05.2013 Letzte Aktualisierung am: 28.12.2016
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