Tipps gegen die "Aufschieberitis"

Jeder Zweite neigt dazu, unangenehme Aufgaben vor sich her zu schieben. Doch hat das ständige Aufschiebeverhalten bereits negative Folgen im Alltag oder Job, ist Vorsicht geboten. Denn Aufschieben kann chronisch werden. Hier einige Tipps, um die "Aufschieberitis“ zu überwinden. 

Junge Frau am Schreibtisch

Prokrastination – Wenn Aufschieben zum Problem wird

Wer kennt das nicht. Wenig angenehme Tätigkeiten auf die lange Bank zu schieben, ist ein Alltagsphänomen: Die Steuererklärung, eine lange E-Mail oder den lästigen Abschlussbericht. Wer dadurch jedoch ständig unter Druck steht, wichtige Termine verpasst und bereits negative Auswirkungen spürt, bei dem ist das Aufschiebeverhalten vielleicht schon chronisch. Prokrastination heißt der wissenschaftliche Fachbegriff für solch eine Störung der Selbststeuerung, die ernst genommen werden sollte.

Anfällig für chronisches Aufschieben sind besonders Berufsgruppen, die ihre Zeit und Aufgaben selber einteilen, wie Lehrer, Selbstständige oder auch Studenten. Nach einer Umfrage der Universität Münster leiden rund zehn Prozent der Studierenden unter behandlungsbedürftigem Aufschiebeverhalten. Vom Aufschieben betroffen können übrigens sowohl private Alltagsaktivitäten als auch berufliche Aufgaben sein.

"Aufschieberitis“: Die Ursachen

Es gibt eine Vielzahl von Ursachen, die dazu führen, dass wir Tätigkeiten aufschieben: Häufig ist es einfach eine Abneigung gegen die Aufgabe oder die fehlende Bereitschaft, sich dafür anzustrengen. Auch schlechtes Zeitmanagement, mangelnde Planung oder Probleme bei der Prioritätensetzung sind möglich. Es kann jedoch auch die Angst vor Versagen oder Kritik sein, die uns zögern lässt loszulegen. Und nicht zuletzt sind einige Menschen davon überzeugt, unter Druck viel besser arbeiten zu können. Meistens sorgt Aufschieben bei den Betroffenen aber eher für Stress und Leidensdruck. Die psychischen Belastungen durch chronisches Aufschieben können sogar bis hin zu einer Depression führen.

So überwinden Sie Ihre "Aufschieberitis“

Lassen Sie es nicht soweit kommen und überwinden Sie Ihr Aufschiebeverhalten. Das klappt am besten, wenn Sie sich in der jeweiligen Situation erst einmal klar darüber werden, warum Sie die Tätigkeit aufschieben. Kennen Sie den Grund, können Sie ihn auch beseitigen. Lästige Aufgaben, die nicht viel Zeit und Energie kosten, sollten Sie direkt schnell erledigen. Das gibt ein gutes Gefühl, wenn es vom Tisch ist. Hilfreich ist es auch, sich alle anstehenden Aufgaben aufzuschreiben und Prioritäten zu setzen, was am wichtigsten ist.

Steht eine größere, unangenehme Aufgabe an, können Sie diese in kleinere Schritte zerlegen, um Ihre Hemmschwelle herabzusetzen. Setzen Sie sich für die Erledigung immer realistische Ziele und planen Sie genügend Zeit ein. Das verhindert, dass Angst aufkommt oder Sie gleich am Anfang resignieren. Versuchen Sie, Ihr Arbeitsverhalten zu strukturieren und Gewohnheiten ggf. systematisch zu verändern. Machen Sie sich vor allem bewusst, womit Sie sich von unliebsamen Aufgaben gern ablenken und vermeiden Sie dies. In der Münsteraner Prokrastination-Ambulanz erarbeiten sich Betroffene zudem spezielle Rituale, um mit einer Aufgabe zum festgelegten Zeitpunkt zu beginnen. Das Signal für den Arbeitsstart kann Kaffee kochen, Durchlüften oder der Gang zur Toilette sein. In der Behandlung wird die chronische "Aufschieberitis“ durch systematisches Üben des alternativen Verhaltens abgebaut.

 

Textnachweis

  • Autor: Internetredaktion der BARMER
  • Qualitätssicherung: Dr. Utta Petzold, Ärztin

Quellen:

Weiterführende Informationen:

Webcode dieser Seite: a001207 Autor: Barmer Erstellt am: 04.07.2016 Letzte Aktualisierung am: 07.12.2016
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