Mit Viren Krebs bekämpfen

Jährlich erkranken rund 500.000 Menschen allein in Deutschland an Krebs. Neue Therapieformen geben aber Hoffnung. Erstmals wird eine Krankheit erfolgreich genutzt, um eine andere zu behandeln: So können zum Beispiel genetisch veränderte Herpes-Viren Hautkrebs bekämpfen.  

Ärzte und Ärztinnen in einer Diskussion

Viren infizieren den Krebs

Ob Masern, Grippe oder Herpes – Viren verursachen eigentlich Krankheiten. Einige Viren tragen sogar zur Entstehung von Krebs bei, wie beim Gebärmutterhalskrebs. In der modernen Krebstherapie können sie aber auch Leben retten. Denn biotechnologisch veränderte Viren sind in der Lage, Krebszellen gezielt zu infizieren und zu zerstören. Wissenschaftler nennen dies Onkolyse. Hierbei werden die Viren so verändert, dass sie gezielt Krebszellen befallen, sich dort vermehren und dadurch die Tumorzellen zerstören. Gleichzeitig verstärken sie die Immunabwehr gegen den Krebs.

Herpes-Viren gegen Hautkrebs

In Studien ist es bereits gelungen, Hautkrebs-Patienten erfolgreich zu behandeln, indem ihnen genetisch veränderte Herpesviren injiziert wurden. Besonders Patienten mit ausgebildeten Krebstumoren sprechen auf diese sogenannte Virotherapie an. Daher werden Herpes-Viren nun auch für die Behandlung von Pankreaskrebs getestet. Sie sind aber nicht die einzigen Viren in der modernen Krebstherapie. Masern-Viren sollen zum Beispiel helfen, Prostata- und Leberkrebs zu bekämpfen. Sie werden hierfür so verändert, dass man nachverfolgen kann, welche Zellen mit dem Virus infiziert und damit als Tumorzellen identifiziert wurden. Dies ermöglicht dann eine gezielte Bestrahlung. Und auch Adenoviren, die unter anderem Bindehautentzündung auslösen, werden bereits für die Behandlung von Blasenkrebs und gynäkologischen Tumoren getestet. Wie die Viren für ihren Einsatz modifiziert werden, ist ganz unterschiedlich. Die große Herausforderung bei dieser Form der Krebstherapie ist aber immer, die Viren so umzubauen, dass sie gezielt nur Krebszellen befallen und keine gesunden Körperzellen zerstören.

Neue Krebstherapie zufällig entdeckt

Bereits vor Jahrzehnten wurde beobachtet, dass bei Krebspatienten, die zufällig eine Virusinfektion bekommen, die Tumore zum Teil völlig verschwinden. Doch erst dank modernster Medizin- und Gentechnik konnten sich Wissenschaftler dieses Phänomen in den letzten Jahren zunutze machen. In Europa ist mit Talimogen Laherparepvec (T-VEC) bereits der  erste Wirkstoff mit gentechnisch veränderten Herpes-Viren für die Behandlung von Hautkrebs-Melanomen zugelassen. Zudem laufen weltweit viele klinische Studien, um verschiedene Viren für die Krebstherapie zu testen, in Deutschland zum Beispiel am Universitätsklinikum Tübingen oder am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Textnachweis

  • Autor: Barmer Internetredaktion
  • Qualitätssicherung: Dr. med. Utta Petzold, Ärztin

Quellen


 

Webcode dieser Seite: a001748 Autor: Barmer Erstellt am: 07.03.2017 Letzte Aktualisierung am: 16.03.2017
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