Ein Paar sitzt entspannt in der Sonne

Gute Vorsätze – und wie man sie einhält

Welche guten Vorsätze haben Sie sich zum Jahreswechsel vorgenommen? In Deutschland ist fast jeder Zweite mit freiwilligen Verpflichtungen ins neue Jahr gestartet. Doch die Erfahrung zeigt, dass die Absichten nur selten langfristig eingehalten werden können. Hier gibt´s Tipps, die Ihnen helfen, mit der Macht der Gewohnheit zu brechen und den inneren Schweinehund zu besiegen.

Top 10: Beliebteste Vorsätze für 2019

Laut Forsa-Umfrage steht in diesem Jahr Stressabbau ganz oben auf der Liste, dicht gefolgt von mehr Zeit für Familie/Freunde und mehr Sport. Einen deutlichen Anstieg verzeichnet mittlerweile der Vorsatz „Weniger Handy, Computer, Internet“. Dafür ist „Rauchen aufgeben“ (11 Prozent) ganz aus der Top 10 gefallen.

  1. Stress vermeiden oder abbauen: 62 Prozent
  2. Mehr Zeit für Familie und Freunde: 60 Prozent
  3. Mehr Sport und Bewegung: 57 Prozent
  4. Mehr Zeit für sich selbst: 51 Prozent
  5. Gesünder ernähren: 49 Prozent
  6. Abnehmen: 34 Prozent
  7. Sparsamer sein: 32 Prozent
  8. Weniger Handy, Computer, Internet: 25 Prozent
  9. Weniger fernsehen 19 Prozent
  10. Weniger Alkohol: 16 Prozent

Gründe, warum wir Vorsätze nicht einhalten

Wollen und Handeln sind häufig zwei verschiedene Dinge. Die meisten Menschen tun jeden Tag Dinge, von denen sie genau wissen, dass sie ihnen nicht gut tun oder vielleicht sogar schaden. Aber müsste der Mensch als intelligentes Wesen nicht eigentlich dazu in der Lage sein, stets so zu handeln, wie er es möchte, und seine guten Vorsätze in die Tat umzusetzen? Leider nur eine schöne Theorie. Denn die Macht der Gewohnheit ist der größte Umsetzungskiller guter Vorsätze. Der Mensch ist ein „Gewohnheitstier“, dessen tägliches Handeln weniger durch bewusste und nachvollziehbare Entscheidungen geprägt ist. Meist tun wir das, was wir immer tun. Und das ist abhängig von vielen verschiedenen Faktoren: Kindheitserfahrungen, Gefühle, Stresslevel, Persönlichkeitseigenschaften oder auch der Einfluss konkreter Situationen, in denen wir gerade stecken. Kurz gesagt ist unser Verhalten das Ergebnis vieler Lernerfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens gemacht haben.

Alte Muster hinterfragen

Hier ein Beispiel, inwiefern Lernerfahrungen den möglichen Vorsatz einer gesünderen Ernährung behindern können: Ein Kind bekommt in Situationen, in denen es weint oder Angst hat, von den Eltern häufig eine Süßigkeit, beispielsweise ein Stück Schokolade als Trost nach einem Radsturz oder als Belohnung für eine überstandene Behandlung beim Arzt. Das Kind lernt: In Situationen mit unangenehmen Gefühlen esse ich Süßigkeiten. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass auch im Erwachsenenalter beim Erleben negativer Gefühle wie Stress der Wunsch nach Süßigkeiten entsteht. Es wurde so erlernt. Vielleicht erkennen auch Sie in Ihrem Verhalten immer wiederkehrende Muster. Sich selbst in dieser Hinsicht einmal zu hinterfragen, kann eine große Hilfe bei der Umsetzung guter Vorsätze sein.

Die Macht der Gewohnheit überwinden

Das Gute am menschlichen Gehirn ist, dass Erlerntes immer durch neue Lernerfahrungen ersetzt werden kann – auch noch im hohen Alter. Gewohnte Verhaltensweisen zu verändern, dauert jedoch ein wenig und kostet oft einige Anstrengung. Folgende Tipps können Ihnen dabei helfen, neue Verhaltensweisen im Alltag zu erlernen, damit die guten Vorsätze nicht wie Seifenblasen zerplatzen oder am inneren Schweinehund scheitern. Nehmen Sie sich etwas Zeit und beantworten Sie sich (am besten schriftlich) folgende Fragen:

  • Was ist mein Ziel?
  • Bis wann möchte ich mein Ziel erreicht haben? Gibt es mögliche Zwischenziele, die ich terminieren kann? Je kleiner die Schritte, desto besser.
  • Was wird besser in meinem Leben, wenn ich mein Ziel erreicht habe? Welche Gefühle verbinde ich mit der Erreichung meines Ziels? Warum möchte ich dieses Ziel erreichen?
  • Auf welche Hindernisse könnte ich stoßen? Versuchen Sie sich an dieser Stelle ganz konkret auszumalen, wie die Situationen aussehen, in denen Sie „schwach“ werden. Der innere Schweinehund wird Ihnen viele Steine in den Weg legen und viele Argumente finden, warum Sie die guten Vorsätze über Bord werfen sollten. Sie sollten ihn also gut kennenlernen, um ihn rasch zu enttarnen.
  • Überlegen und formulieren Sie ganz konkrete Handlungsschritte, die Ihnen helfen können, sich auch in schwierigeren Situationen so zu verhalten, dass Sie Ihrem Ziel treu bleiben (alte Handlungsmuster bewusst durchbrechen).

Wie groß ist Ihr Willenskraft-Konto?

Bedenken Sie dabei: Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Verhaltensweisen, die wir jahrelang automatisiert und verinnerlicht haben, können nicht innerhalb von wenigen Tagen verändert werden. Probieren Sie stattdessen, jeweils nach 30 Tagen oder einigen Monaten Bilanz zu ziehen (Erinnerung ins Handy speichern). Was hat gut geklappt? Wo muss die Strategie oder der Zeitplan noch angepasst werden? Holen Sie sich Feedback von Menschen, die Sie gut kennen und teilen Sie ihr Vorhaben mit anderen. Unterstützung tut immer gut. Übrigens: Eine Änderung des eigenen Verhaltens ist mit viel Willenskraft verbunden. Wussten Sie, dass jeder Mensch ein individuell großes Willenskraft-Konto hat? Manche Menschen verfügen einfach über ein größeres Konto als andere. Willenskraft ist jedoch bei uns allen endlich. Je mehr Anforderungen, zum Beispiel im Beruf oder in der Familie, an uns gestellt werden, desto schneller leert sich dieses Konto. Pausen, Entspannung und Ruhe füllen das Konto wieder auf. Das eigene Verhalten zu verändern gelingt vor allem dann, wenn das Willenskraft-Konto stets gefüllt ist. Wenn Sie also bereits wissen, dass die kommenden Wochen überdurchschnittlich beanspruchend werden, vertagen Sie den guten Vorsatz lieber auf eine ruhigere Phase im Jahr – um Ihre Ziele dann umso erfolgreicher erreichen zu können.

Textnachweis

Autor/Qualitätssicherung: Dr. Lena Kieseler und Steffen Hardtmann, BARMER

Literatur

Webcode dieser Seite: a002907 Autor: BarmerErstellt am: 11.01.2019 Letzte Aktualisierung am: 15.01.2019
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