Rezeptfreie Arzneimittel

Der Gesetzgeber hat mit der Gesundheitsreform 2004 bestimmt, dass alle nicht verschreibungspflichtigen Medikamente grundsätzlich von den Patienten selber zu zahlen sind.

Rezeptfreie oder nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel sind Arzneimittel, die Sie auch ohne Rezept in der Apotheke kaufen können. Wenn der Arzt für die Therapie ein rezeptfreies Arzneimittel verordnet, wird er Ihnen in der Regel ein grünes oder weißes Rezept ausstellen. Rezeptfreie Arzneimittel erkennen Sie daran, dass auf der Verpackung der Vermerk „verschreibungspflichtig“ fehlt. Zudem ist in Deutschland Werbung, die sich direkt an den Verbraucher richtet, für verschreibungspflichtige Arzneimittel verboten.

Nicht alle rezeptfreien Arzneimittel sind apothekenpflichtig. Solche nicht apothekenpflichtigen rezeptfreien Arzneimittel erhalten Sie auch in Drogerie- und Supermärkten. Dazu zählen zum Beispiel einige Mineralstoff- und Vitaminpräparate. Rezeptfreie Arzneimittel, die apothekenpflichtig sind, werden auch mit „OTC“ abgekürzt. Die Abkürzung kommt aus dem Englischen und steht für „over the counter“ – „über den Tresen“ (der Apotheke). OTC-Präparate dürfen in Ausnahmefällen auf rosa Kassenrezept verordnet werden.

Diese Ausnahmefälle sind in der OTC-Liste der Arzneimittel-Richtlinie zusammengefasst. Entsprechend der OTC-Liste dürfen rezeptfreie Arzneimittel verordnet werden, wenn sie für bestimmte schwerwiegende Erkrankungen eingesetzt werden und als Therapiestandard gewertet werden können. Der Arzt wird OTC-Präparate empfehlen und privat, also auf einem grünen oder weißen Rezept, verordnen, wenn es sich um eine geringfügige Gesundheitsstörung handelt, das Arzneimittel aber gute Dienste leisten kann. Jeder weiß zum Beispiel, dass bei einer Erkältung eine verstopfte Nase den Schlaf raubt. Ein kurzzeitig angewendetes Nasenspray kann hier helfen. Auf rosa Kassenrezept hingegen werden OTC-Präparate verordnet, wenn eine schwerwiegende Erkrankung vorliegt. Zum Beispiel können Calcium-Präparate verordnet werden, wenn eine Osteoporose vorliegt, bei der bereits ein Knochenbruch eintrat.

Arzt und Patient haben eine große Auswahl bei den rezeptfreien OTC-Präparaten. Es gibt sowohl OTC-Präparate der klassischen Schulmedizin als auch Präparate der alternativen Therapierichtung. Auch Präparate der alternativen Therapierichtung dürfen auf rosa Kassenrezept verordnet werden, wenn sie über die OTC-Liste als verordnungsfähig eingestuft werden. So dürfen beispielsweise homöopathische Arzneimittel für Kinder bis zum Abschluss des 12. Lebensjahres verordnet werden und Arzneimittel mit hochdosiertem Ginkgo-biloba-Blätter-Extrakt zur Behandlung der Demenz.

Ihre Barmer-Vorteile für rezeptfreie Arzneimittel

  • Für Kinder unter 12 Jahren finanziert die Barmer Arzneimittel, die nicht verschreibungspflichtig, aber apothekenpflichtig sind.
  • Das gleiche gilt für Jugendliche unter 18 Jahren mit Entwicklungsstörungen.
  • Bei schwerwiegenden Erkrankungen ist die Verordnung nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel durch den behandelnden Arzt möglich, wenn eine schwere Erkrankung behandelt wird und die verordneten Medikamente zum Therapiestandard gehören.

Unsere Leistung rezeptfreie Arzneimittel in Anspruch nehmen

  • Sie benötigen ein vom Arzt ausgestelltes rosa Kassenrezept.
  • Ein besonderer Antrag ist nicht notwendig.
  • Privatrezepte können nachträglich nicht erstattet werden.
  • Unsere Geschäftsstellen geben Ihnen gerne Auskunft darüber, ob ein bestimmtes OTC-Präparat auf Kassenrezept verordnet werden darf.

Arzneimittel-Ausnahmen

Eine ausführliche Übersicht über alle Ausnahmen finden Sie auf den Internetseiten des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).

Die OTC-Liste der Arzneimittel-Richtlinie, die beschreibt, welche rezeptfreien Arzneimittel ausnahmsweise verordnet werden dürfen, entspricht der Anlage I der Arzneimittel-Richtlinie. Die Anlage I listet keine Arzneimittelnamen auf, sondern Wirkstoffbezeichnungen und Ausnahmeindikationen.  Eine Verordnung des Wirkstoffs Acetylsalicylsäure ist beispielsweise zur Nachsorge von Herzinfarkt und Schlaganfall sowie nach arteriellen Eingriffen möglich, sowie von Iodid zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen. Bei den pflanzlichen Präparaten sind Flohsamen u.a. zur unterstützenden Quellmittel-Behandlung bei Morbus Crohn und Kurzdarmsyndrom sowie Ginkgo-biloba-Blätter-Extrakt zur Behandlung der Demenz ausgenommen.

Webcode dieser Seite: a000089 Autor: Barmer Erstellt am: 08.08.2013 Letzte Aktualisierung am: 07.12.2016
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