Lebensstory

"Omas Kuchen zu essen, bedeutet, das Leben zu feiern!"

Backen macht glücklich, egal wie alt man ist: In einer kleinen Backstube backen Senioren ihre persönlichen Familienrezepte. Denn Kuchen von Oma ist einfach der beste. Theresa hat ihren Traumjob im Kuchentratsch-Team gefunden und verrät, warum einfache Dinge wie Backen und Kuchenessen gut für die Seele sind.

"Jede Woche werden hier die besten Familienrezepte gebacken"

 

Der ganze Hinterhof duftet nach Frischgebackenem, in dem kleinen Laden empfängt köstlichster Kuchengeruch die Besucher. Von hier kann man direkt in die Backstube blicken. Hinter der Kuchentheke steht Theresa. Die 28-Jährige hat eine weiße Schürze umgebunden und schneidet ein dickes Stück Gugelhupf für eine Kundin ab. Den hat Oma Regina gestern gemacht. Sie ist eine von rund dreißig Rentnerinnen und Rentnern, die hier bei Kuchentratsch jede Woche ihre liebsten Familienrezepte backen. 87 ist der älteste Bäcker schon, alle werden liebevoll Oma und Opa genannt. Sie quirlen, kneten und rühren jede Woche und backen wie in alten Zeiten, mit ehrlichen Zutaten und bloßen Händen. Anschließend werden die süßen Teile vorne im Laden oder online verkauft und an Cafés und Privatkunden geliefert.

„Alte Menschen sitzen oft alleine zu Hause. Das wollen wir ändern.“

Hinten in der Backstube liegen Bleche mit frischen Nussecken. Theresa teilt sie in kleine Stücke. Sie gehört zum sechsköpfigen Kuchentratsch-Team, einem Social Start-up, das es seit 2014 gibt. „Die Idee entstand, weil es den leckersten Kuchen immer bei Oma gibt“, erklärt Theresa. „Aber nicht jeder hat eine Großmutter ums Eck, und viele alte Damen haben auch keine Familien, die sie bebacken können. So sitzen alte Menschen oft einfach alleine zu Hause. Das wollen wir ändern und mit einfachen Mitteln etwas gegen Einsamkeit und Armut im Alter tun.“

Backen hält auch geistig und körperlich fit: vom Rezeptverfeinern bis zum Mehltütenschleppen

Jede Woche steht Theresa mit den älteren Damen und Herren zwischen Teigschüsseln und Kuchenblechen in der Backstube. Eigentlich rühre man beim Backen ja nur ein paar Zutaten zusammen, sagt sie, aber es bewirke doch so viel mehr: Die Senioren fühlen sich nützlich, lernen Neues, treffen sich zum Tratschen, lassen Rezepttraditionen weiterleben und stocken gleichzeitig die Rente mit dem Minijob auf. Die Arbeit hält auch geistig und körperlich fit: vom Rezeptverfeinern bis zum Mehltütenschleppen. Neulich sagte eine der alten Damen: „Nach meinem Mann und meinem Sohn ist Kuchentratsch die beste Entscheidung meines Lebens.“ Solche Sätze wärmen das Herz, sagt Theresa. „Wenn man anderen mit der eigenen Arbeit etwas Gutes tut, gibt einem das selbst total viel. Backen und Kochen habe ich schon immer geliebt, und hier kann ich Beruf und Hobby verbinden und gleichzeitig etwas Sinnvolles tun!“, strahlt sie. Theresa kümmert sich mit dem Team nicht nur um die Bäckerinnen und Bäcker, sondern auch um Organisation, Einkauf, Social Media und Vertrieb, damit die köstlichen Bäckereien auch bei den Kunden ankommen. 

Einer nebensächlichen Sache wie Backen so viel Zeit zu schenken, macht glücklich!“

Während die schokogetunkten Nussecken auf dem Rost trocknen, zeigt Theresa die Kuchenwerke von heute: Eierlikör-Lebkuchen-Gugel und Karottenkuchen mit Frischkäsetopping von Oma Irmgard. Das Faszinierende am Backen sei, dass man etwas mit den eigenen Händen schaffe. Etwas, das köstlich duftet und herrlich schmeckt; und mit Blüten dekoriert auch noch hübsch aussieht. „Kuchenbacken und Kuchenessen stehen für mich für Genuss, für gemeinsame Zeit mit anderen Menschen und für besondere Dinge wie Sonntage oder Geburtstage. Aber warum sollte man das nicht jeden Tag haben?“, fragt Theresa. Und beantwortet es gleich selbst: „Weil es wahnsinnig gut schmeckt und weil es beim Kuchenessen nicht darum geht, vernünftig zu sein, sondern darum, sich bewusst etwas zu gönnen. Kuchen ist ja nichts Notwendiges. Und einer so nebensächlichen Sache so viel Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken, macht einfach glücklich!“

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