Zukunftstrends der Datensammlung: Wearables und biometrische Tattoos

Wearables und andere Fitnesstracker sind beliebt wie nie, und es scheint bereits der nächste Trend zu entstehen: biometrische Tattoos. Was leisten diese Möglichkeiten und Anwendungen? Und wie sind Nutzen und Risiken zu bewerten?

Ein junges Paar mit biometrischen Tattoos

Funktionen von Wearables

Spätestens seit Markteinführung der Apple Watch 2014 sind Wearables, also Fitnesstracker, die meist in Form eines Armbandes oder einer Uhr aufgesetzt werden, stark im Kommen. Die tragbaren Geräte mit zugehörigen Apps können – je nach Modell – die verschiedensten gesundheitsbezogenen Daten erheben. Das Spektrum reicht vom einfachen Schrittzähler bis hin zu komplexen Apps, die beispielsweise Kalorienverbrauch, Sportaktivitäten, Puls, Blutdruck und Blutzucker messen können. Hersteller wie Fitbit, Runtastic und Co. fordern die Nutzer dazu auf, zusätzliche Daten in die Apps einzugeben, die eine genauere Analyse ermöglichen. Je mehr Informationen der Nutzer von sich bereitstellt, desto effizienter arbeiten die Apps.

Vor allem mit dem Prinzip der Gamification versuchen die Hersteller die Motivation hoch zu halten. Das bedeutet: Spielerische Aspekte werden in die Wearables und Apps integriert. Dazu sind virtuelle Abzeichen zu zählen, die der Nutzer für das Erreichen bestimmter Meilensteine erhält, aber auch dynamische Diagramme oder Rangordnungen in der User-Community. Und das kommt gut an: Waren es 2012 etwa 40 Millionen verkaufte Geräte, rechnet man für 2018 mit der doppelten Summe. Eindeutiger Marktführer ist dabei der US-Hersteller Fitbit. Unumstritten ist der Trend zur Selbstvermessung indes nicht: Insbesondere in Sachen Datensicherheit ernten die Hersteller auch Kritik.

TechTats: Ein neuer Trend?

Unternehmen arbeiten derzeit schon am nächsten Schritt: Aus dem Wearable wird ein TechTat, ein biometrisches Tattoo. Das Tech-Unternehmen Chaotic Moon arbeitet an temporären Tattoos, die wie ein Pflaster auf der Haut getragen werden. Sie sollen gezielt Gesundheitsdaten wie Herzfrequenz, Blutdruck und vieles andere aufzeichnen und direkt abrufbar machen. Damit sind sie primär als Ersatz für das Tragen größerer Geräte – beispielsweise Langzeitblutdruckmessgeräte – gedacht, die im Alltag den Patienten meist stören. Auch für chronisch Kranke können die biometrischen Tattoos eine große Hilfe sein, da bei einem Notfall schnell alle Gesundheitsdaten abgerufen werden können. Noch aber liegt diese Entwicklung in der Zukunft, und es stellt sich die Frage: Wenn Menschen Wearables nutzen, wer besitzt diese Daten, und was bedeutet das für die Datensicherheit? Und können positive Gesundheitseffekte mögliche Risiken aufwiegen?

Datensammlung mit Wearables und TechTats: Chance oder Risiko?

Es ist vor allem die Frage zur Datensicherheit, die die Wearables in den Fokus der Kritik rückt. Nicht ganz zu Unrecht – denn schon die scheinbar einfache Frage „Wem gehören meine Daten?“, entpuppt sich bei diversen Anbietern als Verwirrspiel mit dem Verbraucher.  Datenschutzbestimmungen existieren zwar und werden angegeben. Bei genauerer Betrachtung sind aber auch zahllose Drittanbieter mit eigenen Datenschutzrichtlinien integriert, die ebenfalls gelesen werden müssten. Daraus ergibt sich eine für den User sehr unübersichtliche Gemengelage.

Die Datenschutzfrage führt jedoch schnell auf die weiterführende Frage nach den sozialen und gesellschaftlichen Kontexten des Einsatzes von Wearables – und dessen Folgen. Den Hintergrund dieser Diskussion bilden die Verbindungen zwischen Wearables-Herstellern, Betrieben und Krankenversicherern in den USA. Dort kooperieren manche Anbieter auf vielfältige Weise mit Unternehmen und Krankenversicherungen. Das Versprechen: Gesündere Mitarbeiter mit geringeren Fehlzeiten bzw. gesündere Versicherte. Dies ist gleich doppelt problembehaftet. Zum einen ist die Fehlerquote bei vielen Fitness-Trackern ziemlich hoch – sie liegt teilweise bei 30% Abweichung nach oben oder unten beim Kalorienverbrauch oder bei der Bewertung der Schlafqualität. Das ist zum Beispiel ein Problem für die auf Basis dieser Daten getroffenen Einschätzungen der Gesundheit von Patienten. Datenschützer befürchten nämlich, dass die Daten in den USA genutzt werden könnten, um Patienten mit Gesundheitsproblemen bei der Krankenversicherung zu benachteiligen oder gar ihren Job zu kündigen, wenn (scheinbar) belegt werden kann, dass sie sich nicht gesundheitsbewusst genug verhalten.

Technik mit Potenzial

Wearables bieten eine gute Möglichkeit, die eigenen Gewohnheiten im Blick zu behalten – auch wenn die Technik aktuell noch nicht in jeder Hinsicht ausgefeilt ist. Auch TechTats könnten sich als eine zukunftsweisende Idee entpuppen, um notwendige Untersuchungen einfacher zu gestalten und chronisch Kranken zu helfen – auch als Alternative zu Wearables. In jedem Fall bleibt die Nutzung von Wearables (oder auch TechTats) aber eine Entscheidung jedes Einzelnen – und muss es auch bleiben.

 

Webcode dieser Seite: g100400 Autor: Barmer Erstellt am: 05.05.2017 Letzte Aktualisierung am: 05.05.2017
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