Telemedizin - Potenziale und Chancen

Immer mehr Dinge des alltäglichen Lebens werden online erledigt, vom Einkauf bis zum Fernstudium. Trotz oder wegen dieser Verlagerung alltäglicher Tätigkeiten ins Virtuelle gibt es beim Stichwort Telemedizin auch die Sorge, dass der Gang zum Arzt entpersonalisiert werden könnte.

Junger Mann mit Gipsbein am Tablet

Was ist Telemedizin und wo kommt sie zum Einsatz?

Telemedizin ist ein sehr umfassender Begriff, der nicht auf das Internet beschränkt ist. Vielmehr geht es generell um IKT-gestützte medizinische Versorgung. Dazu zählen beispielsweise die Videotelefonie mit dem PC oder dem Smartphone, aber auch Therapieformen mit eigens für diesen Zweck angefertigten Geräten. Denn auch wenn die Telemedizin vermutlich zuerst mit Gesprächen zwischen Arzt und Patienten mit Hilfe moderner Informationstechnologien in Verbindung gebracht wird, hat sie ein bedeutend größeres Einsatzfeld. Nicht immer erfordert dies die gleichzeitige Aktivität von Patient und Arzt wie bei einem Videocall. Monitoring von Gesundheitswerten aus der Ferne, beispielsweise bei chronisch Kranken, oder auch die Speicherung von Daten auf speziellen Geräten und deren spätere Analyse gehören ebenfalls zum Feld der Telemedizin.

Beispiel: Reha-Nachsorge über Telemedizin

Ein Bereich, in dem die Telemedizin in Deutschland bereits seitens einiger Institutionen sehr erfolgreich eingesetzt wird, ist in der Reha-Nachsorge. Dabei werden Patienten im Anschluss an die eigentliche Reha mit speziellen Geräten ausgestattet. Diese Geräte sind meistens einfach zu bedienen und brauchen keine Internetverbindung. Damit sind sie auch für ältere Patienten mit wenig ausgeprägter Affinität zum Digitalen problemlos nutzbar. Die entsprechenden Geräte können einen Plan mit Übungen enthalten, die der Patient dann schon aus der Reha kennt. Diese kann er selbständig zu frei gewählten Zeiten ausführen und muss nicht eigens in eine Praxis fahren. Die Durchführung der Übungen wird vom Gerät auf Video aufgezeichnet und ausgewertet. So können Ärzte nicht nur den Fortschritt überprüfen, sondern auch regelmäßig wertvolle Tipps geben.

Telemedizin in der Betreuung psychisch Kranker

Ein anderes Beispiel: Der Einsatz in der Therapie von Menschen mit psychischen Problemen. Gerade in der Psychotherapie kann die Telemedizin ein wertvolles Hilfsmittel sein. Zum einen können so lange Wartezeiten überbrückt werden, bis eine stationäre oder auch ambulante Therapie begonnen werden kann. So sind Patienten in dieser schwierigen Phase nicht auf sich allein gestellt. Zudem gibt es bereits vielfältige Beratungsleistungen, die teilweise oder ausschließlich online durchgeführt werden – beispielsweise auf der Internetplattform das-beratungsnetz.de.

Studien weisen darüber hinaus nach, dass das Online-Setting dem Face-to-Face-Setting eine qualitativ gleichwertige Beziehung zwischen Therapeut und Patient ermöglicht. Hinzu kommt, dass eine Konsultation per E-Mail oder auch per Videokonferenz in Krisensituationen eine große Hilfe darstellen und meistens sofort oder sehr zeitnah erfolgen kann.

Telemedizinische Versorgung auch in ländlichen Gebieten

Telemedizin bietet also schon jetzt prinzipiell einige Möglichkeiten, Patienten zu unterstützen. Besonders wichtig kann die telemedizinische Konsultation jedoch auch und vor allem für Patienten sein, die entweder bei akuten Erkrankungen nicht in eine Praxis kommen möchten oder aber in Gebieten wohnen, in denen die ärztliche Versorgung nicht optimal ist und große Strecken bewältigt werden müssen. Der Ärztemangel im ländlichen Raum in Deutschland ist relativ ausgeprägt: Allein in Niedersachsen bleiben viele Hausarztstellen unbesetzt. Experten sehen vor diesem Hintergrund einen wesentlichen Beitrag zur Lösung des Problems im Ausbau der Telemedizin.

Das betrifft nicht nur den Hausarztbesuch. Generell würde eine Ausweitung der telemedizinischen Versorgung womöglich auch die freie Arztwahl in solchen Gebieten verbessern. Denn wenn es nur einen Arzt – sei es ein Hausarzt oder ein Facharzt – im Umkreis von 20 oder 30 km gibt, ist die freie Arztwahl eine Freiheit ohne realen Gegenwert. Auch hier können gerade ländliche Gebiete von der Telemedizin profitieren.

Kritik an der Telemedizin

Auch wenn die Ärzte bei der Telemedizin nicht vor Ort sind: Es geht bei der Telemedizin nicht darum, den direkten Kontakt zwischen Ärzten und Patienten komplett zu ersetzen oder abzuschaffen. Es geht darum, Gesundheitsdaten schneller verfügbar zu machen und Versorgungslücken zu schließen. Dies ist insbesondere für den ländlichen Raum ein wichtiger Aspekt. Doch Versorgungslücken können auch an anderen Stellen entstehen, etwa bei langen Wartezeiten auf Therapieplätze oder Facharzttermine. Auch wenn die Telemedizin noch nicht in allen Bereichen bereit ist, konsequent in die Praxis überführt zu werden, zeigen sich hier ihre vielfältigen Potenziale.

 

Webcode dieser Seite: g100398 Autor: Barmer Erstellt am: 05.05.2017 Letzte Aktualisierung am: 05.05.2017
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