Mit Bewegung gegen Demenz

„GESTALT“ – Gehen, Spielen und Tanzen als lebenslange Tätigkeiten. Das Projekt basiert auf der Erkenntnis, dass regelmäßige Bewegung und ein aktiver Lebensstil vielfältige positive Effekte auf die Gesundheit  haben und unter anderem dazu beitragen, einer Demenzerkrankung vorzubeugen.

GESTALT

„GESTALT-kompakt“ ist ein Präventionsprojekt der Barmer in Kooperation mit dem Department für Sportwissenschaft und Sport der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Arbeitsbereich Public Health und Bewegung.

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Aktivitäten, die körperliche, geistige und seelische Anreize miteinander verbinden, besonders wirksam sind.

  • „GESTALT-kompakt“ führt bisher wenig aktive oder inaktive Menschen ab 60 Jahren, bei denen Risikofaktoren an einer Demenz zu erkranken bestehen, an einen aktiven Lebensstil heran.
  • Dabei sollen die älteren Menschen langfristig in Bewegung gebracht und gehalten werden. Verbunden ist damit das Ziel, die kognitive Leistungsfähigkeit dadurch möglichst lange aufrechtzuerhalten.
  • In den Kommunen werden, im Sinne des Präventionsgesetzes, die strukturellen Voraussetzungen für bedarfsgerechte Bewegungsangebote und deren nachhaltige Verankerung sowie für den Aufbau von Gesundheitsförderungsstrukturen geschaffen.
  • Eine bislang schwer erreichbare Bevölkerungsgruppe – insbesondere auch der sozial isolierten und/oder sozial benachteiligten älteren Menschen – wird gezielt angesprochen und eingebunden. Damit wird gesundheitliche Chancengleichheit gefördert.

Entwickelt wurde „GESTALT“ vom Department für Sportwissenschaft und Sport der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg in Erlangen.

Neben dem sechsmonatigen Bewegungsprogramm „GESTALT“ wurde vom Team der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg unter der Leitung von Prof. Dr. Alfred Rütten in Anlehnung an den Leitfaden Prävention eine 12-wöchige Kurzversion, „GESTALT-kompakt“, entwickelt, erprobt und evaluiert.

Bei GESTALT handelt sich um ein qualitätsgesichertes Programm, das nun gemeinsam mit der Barmer im Format „GESTALT-kompakt“ für eine Umsetzung in ganz Deutschland erprobt wird.

Eine Einheit des GESTALT-kompakt-Programms dauert 90 Minuten. Sie umfasst 60 Minuten angeleitete Bewegung und 30 Minuten integrierte, gruppenbasierte Bewegungsberatung. Im Rahmen der Bewegungsberatung werden mit den GESTALT-Teilnehmern Strategien für einen aktiven Lebensstil erarbeitet.

Im weiteren Verlauf unternimmt die Gruppe zudem Exkursionen zu bereits bestehenden Angeboten (aus den Bereichen Gehen, Spielen und Tanzen) im Lebensumfeld der Teilnehmer. Dies soll ihnen das Kennenlernen von individuell passenden Angeboten und die dauerhafte Aufnahme zusätzlicher Aktivitäten erleichtern.

Die Zusammenarbeit zwischen der teilnehmenden Kommune und der Barmer, unterstützt vom Department für Sportwissenschaft und Sport der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, ist zunächst auf 12 Monate angelegt.

Grundlage bei der Durchführung des Projekts in der Kommune ist die kooperative Planung, zu der Vertreter der Zielgruppe sowie aus Kommune und Politik an einem Tisch zusammenkommen. Ziel der kooperativen Planung ist die Implementierung des GESTALT-Programms. Hier werden unter anderem geeignete Strategien zur Ansprache der Zielgruppen, zur Nachhaltigkeitssicherung sowie zur Etablierung gesundheitsfördernder Strukturen erarbeitet.

Die Kommune bringt sich personell und finanziell ein. Vertreter aus Kommune und Politik übernehmen Verantwortung für „GESTALT“. Ältere Menschen aus der Zielgruppe sind – von der Umsetzung des Bewegungsprogramms über die geeignete Ansprache der Zielgruppe bis hin zur Nachhaltigkeitssicherung und Etablierung gesundheitsfördernder Strukturen – beteiligt.

In der Kommune werden Netzwerke zur nachhaltigen Verankerung von „GESTALT“ aufgebaut.

Die Kommune wird mit Arbeitshilfen und Checklisten, aber auch durch individuelle inhaltliche Beratung und Schulung, bei der Umsetzung unterstützt.

Möglichkeiten der Vernetzung und des Austausches zwischen den Kommunen und Akteuren werden geschaffen.

Die Umsetzung von „GESTALT-kompakt“ ist Auftakt zu einem nachhaltig verankerten Angebot im Sinne der Bewegungs- und Gesundheitsförderung in der Kommune.

Mit „GESTALT-kompakt“ gelingt die Einbindung einer bislang nur schwer erreichbaren Bevölkerungsgruppe. Letztlich wird die körperliche, geistige, seelische aber auch soziale Gesundheit von älteren Menschen über Bewegungsaktivitäten gefördert. Bedarfsgerechte, und somit von der Zielgruppe akzeptierte und genutzte (Bewegungs-)Angebote sowie die hierzu notwendigen Strukturen werden geschaffen. Zudem entsteht bei der Zielgruppe Kenntnis über örtliche Bewegungsmöglichkeiten.

Bei Interesse an den rechtlichen Grundlagen hält der Leitfaden Prävention entsprechende Informationen bereit.

Interessierte Kommunen können über info@gestalt-kompetenzzentrum.de Kontakt aufnehmen.

 

Textnachweis
  • Autor: Internetredaktion Barmer
  • Endredaktion und Qualitätssicherung: Daniela Beerens, Barmer Prävention; Tobias Fleuren, Department für Sportwissenschaft und Sport der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Literatur

  • Leitfaden Prävention, Herausgeber: GKV-Spitzenverband, Reinhardtstraße 28, 10117 Berlin
  • Rütten, A., Wolff, A., & Streber, A. (2016). Interaktiver Wissenstransfer in der Gesundheitsförderung: das GESTALT-Projekt. Erste Ergebnisse der Erprobung eines Ansatzes zur nachhaltigen Implementierung evidenzbasierter Bewegungsprogramme in der Praxis. Gesundheitswesen, 78 (06): 359-366.
  • Streber, A., Abu-Omar, K., Wolff, A. & Rütten, A. (2014). Bewegung zur Prävention von Demenz. Ergebnisse der evidenzbasierten Bewegungsintervention – GESTALT. Prävention und Gesundheitsförderung,9: 92-98.
  • Streber, A., Abu-Omar, K., Hentschke, C., Rütten, A. (2017). A multi-center controlled study for dementia prevention through physical, cognitive and social activity – GESTALT-kompakt. Clinical Interventions in Aging, 12: 2109-2121.
Webcode dieser Seite: g100814 Autor: Barmer Erstellt am: 07.12.2017 Letzte Aktualisierung am: 02.03.2018
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