Memore: Videospiele für Senioren in Alten- und Pflegeheimen

Das Start-up RetroBrain R & D hat die MemoreBox entwickelt – eine Konsole mit gesundheitsförderlichen Videospielen für Senioren. Sie wird seit diesem Jahr in Hamburger Alten- und Pflegeheimen getestet. Die Barmer unterstützt das Präventionsvorhaben von Memore.

Senioren, die Kraft ihrer Gestik auf der Kegelbahn alle Neune abräumen und im Rollstuhl sitzend Motorradfahren? Klingt futurisch, ist aber längst Realität. Dank eines Präventionsprojekts in Alten- und Pflegeheimen, initiiert von RetroBrain R & D und unterstützt von der Barmer. Das 2014 aus einem Studienprojekt verschiedener Universitäten aus ganz Deutschland gegründete Start-up hat eine Videospiele-Konsole entwickelt, die sich an Senioren richtet und das gesundheitsförderliche Spielen ermöglicht. Das Videospiel Memore reagiert ausschließlich auf Körperbewegungen der Spieler und somit nur gestenbasiert. Sie ist mit handelsüblichen TV-Geräten kompatibel. Nach dem Anschluss reicht ein Knopfdruck, und schon gelangt man auf die Kegelbahn, an die Tischtennisplatte oder als Auto- und Radfahrer in den Straßenverkehr. Diese vier Videospiele fördern Körper und Geist, vor allem Stand- und Gangsicherheit, Kognition sowie Gedächtnis und sind sehr leicht zu bedienen. Darüber hinaus werden die Senioren während des Spielens musiktherapeutisch angeregt und in Gruppenaktivitäten eingebunden.

Memore, dass gesundheitsförderliche Training für Körper und Geist

Zum Kegeln ist nur eine leichte Armbewegung nötig und schon rollt die Kugel. Das Spiel schult die Arm- und Oberkörperkoordination und funktioniert sowohl im Stehen als auch im Sitzen. Auch Motorradfahren kann stehend oder sitzend gespielt werden. Zum Losdüsen reicht eine entsprechende Verlagerung des Körpergewichts. Anderen im Videospiel auftauchenden Fahrzeugen auszuweichen, schult die kognitiven Fähigkeiten, die Beweglichkeit und das Gleichgewicht. Beim Tischtennisspiel wird ebenfalls die Arm- und Oberkörperkoordination und das räumliche Vorstellungsvermögen trainiert. Ganz neu ist das „Postbotenspiel“, bei dem die Senioren aufmerksam Fahrradfahren und mal mit dem rechten, mal mit dem linken Arm Briefe austeilen müssen. Fazit: Die Spieler müssen aufmerksam sein, rechtzeitig reagieren und können in der Gruppe mit anderen Spaß haben. Intuitiv, unterhaltsam, effektiv und flexibel: Kegeln, Motorradfahren, Tischtennis und Postbote sind leicht zu verstehen und können alleine, zu zweit oder in der Gruppe gespielt werden.

Spielspaß und Gesundheitstraining

Die gesundheitsförderlichen Videospiele sind eine große Bereicherung für den Alltag in Alten- und Pflegeeinrichtungen und können die Lebensqualität aller Beteiligten steigern. Die Bewohner haben einen neuen, unterhaltsamen Programmpunkt, der sie körperlich und geistig fördert. „Die Spiele schulen erwiesenermaßen nicht nur Beweglichkeit und Gleichgewichtssinn. Sie können vielmehr durch weitere eingebaute Komponenten kognitive Fähigkeiten wie planvolles Handeln und die Lernfähigkeit anregen. Schließlich wird durch das Spielen die Kommunikation untereinander, aber auch mit dem Pflegepersonal oder den Angehörigen, also die soziale Interaktionsfähigkeit gefördert“, erklärt Andrea Jakob-Pannier, Psychologin bei der Barmer. Durch die Unterstützung der digitalen Spieltherapie setzt die Barmer als eine der ersten Krankenkassen die neuen Vorgaben des Präventionsgesetzes in (teil-) stationären Pflegeeinrichtungen um.

Wissenschaftliche Spieltherapie

Weitere Unterstützung und Förderung erhielt das RetroBrain-Team von der Humboldt-Universität zu Berlin, der Ludwig-Maximilians-Universität München, dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und durch das InnoRampUp-Programm der Stadt Hamburg sowie das EXIST-Programm der Bundesregierung, aber auch von Microsoft oder der Rudi-Assauer-Initiative. Derzeit wird der Einsatz der Spieltherapie in mehreren Hamburger Alten- und Pflegeeinrichtungen durch eine wissenschaftliche Begleitung geprüft. Wissenschaftler untersuchen die körperliche und psychische Wirksamkeit des Memore Videospiels. Gelingt es, die evidenzbasierten Elemente in Spielspaß zu überführen? Sind die Senioren durch die Videospiele körperlich aktiver? Konnte die kognitive bzw. mentale Leistungsfähigkeit verbessert werden? Wurde ihre Lebensqualität verbessert bzw. gesteigert? Was bewirken die Spiele für die Heimbewohner, für Pflegekräfte und Angehörige?

Durchweg positive Resonanz von Memore

„Bislang haben wir bei allen Tests eine positive Rückmeldung erhalten“, unterstreicht RetroBrain-Geschäftsführer Manouchehr Shamsrizi und fährt fort: „Uns wird immer bestätigt, dass es in den Alten- und Pflegeheimen viel lebhafter zugeht, wenn die MemoreBox gestartet wird. Wir wollen, dass Senioren von den Fortschritten in Technologie und Wissenschaft profitieren – und wieso sollten wir im Alter aufhören zu spielen?“ Nach der Evaluation ist eine bundesweite Einführung geplant. Andrea Jakob-Pannier ist vom Erfolg des Memore Videospiels überzeugt. „Mit solchen digitalen Medien können bei Senioren geistige und körperliche Fähigkeiten gleichermaßen gefördert werden. Und außerdem macht es auch noch viel Spaß.“

Textnachweise:

Bildnachweis:

  • Hospital zum Heiligen Geist, Hamburg

 

Webcode dieser Seite: g100251 Autor: Barmer Erstellt am: 15.08.2016 Letzte Aktualisierung am: 09.06.2017
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