Portrait Dr. Rafii

Interview mit Dr. Mani Rafii

Das E-Health-Gesetz beschleunigt die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Die Barmer bietet ihren Versicherten schon jetzt viele interaktive Kommunikations- und Servicetools, erklärt Vorstandsmitglied Dr. Mani Rafii im Interview.

Herr Dr. Rafii, das E-Health-Gesetz treibt die Weiterentwicklung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) voran. Was wird sich verändern?
Die größte Veränderung wird den Speicherchip der Karte betreffen. Er muss leistungsfähiger werden und weiterhin höchsten Sicherheitsanforderungen genügen, damit die geplanten Anwendungen wie das Managen der Notfall- und Arzneimitteldaten betrieben werden können.

Wo liegen die Chancen der Digitalisierung?
Wir können die zunehmende Digitalisierung für eine bessere medizinische Versorgung nutzen. Medizinische Daten müssen immer dann abrufbar sein, wenn sie für die Behandlung benötigt werden. Patienten profitieren von der digitalen Vernetzung und vom Informationsaustausch der Behandler untereinander. Für die Patienten ist ebenso positiv, dass sie sich stärker in das Therapiegeschehen einbringen können.

Worin bestehen die Herausforderungen beim Thema E-Health?
E-Health steht und fällt mit dem Datenschutz. Der Schutz sensibler Informationen muss ausnahmslos sichergestellt sein. Zudem wird es für alle Beteiligten eine Herausforderung, den gesetzlich vorgeschriebenen Zeitplan einzuhalten – allen voran für die Betreibergesellschaft gematik (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH).

Ist der gesetzlich vorgeschrieben Zeitplan überhaupt zu schaffen?
Vieles läuft noch nicht so, wie wir uns das vorstellen. Zum Beispiel müssen die Konnektoren – das sind Geräte, die eine sichere Verbindung zur Telematik-Infrastruktur gewährleisten – erst zugelassen werden und flächendeckend in den Praxen betriebsbereit sein. Das ist bislang nicht der Fall. Termintreue wurde im Projekt eGK leider auch aus politischen Gründen nicht von allen großgeschrieben. Mal schauen, ob das neue Gesetz etwas daran ändern wird.

Welche Maßnahmen werden mit dem neuen E-Health-Gesetz zuerst vollzogen?
Seit Mitte 2016 läuft der Rollout für eine flächendeckende Telematik-Infrastruktur zur Vernetzung von Ärzten, Krankenhäusern und Kassen. Die gematik hat einen genauen Zeitplan aufgestellt, wann welche Anwendungen auf der eGK freigegeben werden können. Das Stammdatenmanagement wird die erste Onlineanwendung sein, die laut Gesetz bis Mitte 2018 umgesetzt werden muss. Es prüft und aktualisiert laufend alle Versichertenstammdaten auf der Karte, sodass die Praxen stets auf dem neuesten Stand sind. Damit wird auch einem möglichen Leistungsmissbrauch entgegengewirkt. Nach dem Stammdatenmanagement kommt die Speicherung der Notfalldaten und danach die der Medikationspläne.

Ist die Barmer gut vorbereitet?
Ja, das sind wir. Beim Thema Stammdatenmanagement sind wir bereits handlungsfähig. Der Onlinedienst, der den Ärzten die aktuellen Daten bereitstellt, ist fertig. Wir gehen davon aus, dass wir ihn noch in diesem Jahr mit rund 1.000 Leistungserbringern testen können. Wenn die Anwendung in allen Praxen läuft, ist das ein technischer Durchbruch.

Wie steht die Barmer zur voranschreitenden Digitalisierung des Gesundheitswesens?
Getreu unserem Motto „Gesundheit weiter gedacht“ wollen wir beim Thema E-Health voranschreiten. Schon heute bieten wir unseren Versicherten viele interaktive Kommunikations- und Servicetools an, um die uns viele Mitbewerber beneiden. Service-App, Arzt- und Krankenhausnavi, Teledoktor, Fitness-App oder Gesundheitscampus sind nur einige dieser Anwendungen. Auch im Versorgungsbereich unterstreichen wir unseren Innovationsanspruch. Mit der elektronischen Behandlungsinformation eBI pilotieren wir derzeit den Datenaustausch mit Klinikärzten, um Medikationsfehler zu vermeiden. Weitere Beispiele sind: Online-Trainings für psychische Gesundheit, videobasierte Psychotherapie, telemedizinische Betreuung von Herzpatienten oder die App auf Rezept, eine internetbasierte Therapie für Kinder mit funktioneller Sehschwäche. Übrigens haben wir E-Health als Schwerpunktthema in unser strategisches Produktportfolio aufgenommen und motivieren Mitarbeiter, eigene Produktideen einzureichen.

Warum ist die Barmer dem Bundesverband Internetmedizin Anfang 2016 beigetreten?
Der rasant wachsende Markt der Internetmedizin braucht klare Spielregeln und Qualitätsstandards. Patienten sind oftmals nicht in der Lage, gute von schlechten Angeboten zu unterscheiden. Wir stehen für den konsequenten Ausbau der Internetmedizin, wenn sie einen konkreten Mehrwert für die Patienten hat und höchsten Datenschutzanforderungen genügt. Diesen Prozess gestalten wir aktiv mit, unter anderem im Bundesverband Internetmedizin.

Webcode dieser Seite: g100246 Autor: Barmer Erstellt am: 12.08.2016 Letzte Aktualisierung am: 30.11.2017
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