Digitalisierung der Arbeit – Auswirkungen auf die Gesundheit

Die Barmer GEK hat in Kooperation mit der BILD am SONNTAG eine Studie zu gesundheitlichen Auswirkungen einer zunehmenden Digitalisierung auf Beschäftigte in Auftrag gegeben. Die Digitalisierung der Arbeit kann zu gesundheitlichen Folgen führen. Es gibt aber auch Möglichkeiten, die eigene Gesundheit zu stärken.

Eine junge Frau hält ein Tablet im beruflichen Umfeld

Mit der fortschreitenden Digitalisierung verändern sich die Bedingungen der Arbeitswelt. Die Informationsmenge steigt, der Arbeitsumfang verdichtet sich und durch die verschiedenen digitalen  Devices, nehmen die Kommunikationsmöglichkeiten immer weiter zu. Zusätzlich kommt es auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite zu neuen technologischen Anforderungen und daraus folgend zu einem großen Anpassungs- und Leistungsdruck. Durch die gestiegenen Anforderungen, können sich Auswirkungen auf die persönliche Gesundheit ergeben. Für die groß angelegte Studie "Auswirkungen der Digitalisierung der Arbeit auf die Gesundheit von Beschäftigten", wurden mehr als 8000 berufstätige Teilnehmer im Juli und August 2016 befragt. Die Befragung ist dabei repräsentativ für die circa 33,3 Millionen internetnutzenden Berufstätigen. Die Studie wurde von der Universität St. Gallen durchgeführt und ist in Kooperation mit der Barmer GEK und der BILD am SONNTAG, sowie der Deutschen Telekom als Projektpartner in Auftrag gegeben worden.

Die Digitalisierung ist betriebliche Realität

Die Studienergebnisse bestätigen: So gut wie alle Berufsgruppen sind von der Digitalisierung betroffen. Die Unterschiede zum Grad der Digitalisierung zwischen einzelnen Berufen und Branchen, fallen aber relativ gering aus. Berufe aus dem IT-Bereich oder aus der Naturwissenschaft, werden jedoch mit einem besonders hohen Digitalisierungsanteil identifiziert. Beschäftigte in Reinigungsberufen sind von der Digitalisierung hingegen weniger betroffen. Die Unterschieden lassen sich dafür mehr in den einzelnen Facetten und Ausprägungen der Digitalisierung finden. Zum Beispiel gibt es teilweise einen als erheblich empfundenen Druck sich fortzubilden, um digitale Kompetenzen zu entwickeln, oder einfach um schneller zu arbeiten. Besonders Führungskräfte, junge Berufstätige und Männer fühlen sich laut Studie diesem Druck ausgesetzt. Im Altersvergleich unter Berufstätigen lassen sich kaum Unterschiede feststellen. Die wahrgenommene Digitalisierung, aber auch die geäußerte Sorge vor den gestiegenen technischen Anforderungen, sind bei den unter 30-jährigen und den über 60-jährigen relativ gleich. Die jüngeren Berufstätigen haben allerdings eher als die Älteren die Sorge, ihren Arbeitsplatz durch die Digitalisierung zu verlieren.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Um die Effekte der Digitalisierung auf die persönliche Gesundheit zu bemessen und in einem nachvollziehbaren Ergebnis sichtbar zu machen, spielen zwei Aspekte eine wesentliche Rolle: Es müssten vermehrt Krankheitssymptome unter den Befragten auftreten und daraus folgend mehr Krankentage anfallen. Hier spiegeln die Ergebnisse der Studie einen direkten Zusammenhang nur schwach wider. Die fortschreitende Digitalisierung in Unternehmen und Betrieben führt also nicht unbedingt zu einer höheren Zahl der Krankentage.

Dennoch lassen sich durchaus Effekte für die Beschäftigten und ihre Gesundheit feststellen. Dazu trägt insbesondere der durch die Digitalisierung entstehende Druck bei, sich den geforderten technischen Fähigkeiten anpassen zu müssen. Ebenso gehören Veränderungen im Beruf, die beispielsweise die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen und eine ständige Weiterentwicklung und -Bildung voraussetzen, dazu. Die Studie belegt, dass eine solche mentale Dauerbelastung zu Kopf- und Rückenschmerzen und zu Einschlafschwierigkeiten führen kann. Darüber hinaus nehmen Beschäftigte diesen Stress häufig vom Arbeitsplatz in den privaten Bereich und in die Freizeit mit, woraus sich sogar ein Zusammenhang zwischen der fortschreitenden Digitalisierung und Konflikten innerhalb der Familie belegen lässt. Hinzu kommt ein größeres Risiko für die Entwicklung einer Burnout-Erkrankung. Die höheren Belastungen ergeben sich aber nicht nur aus den stets wechselnden Anforderungen im Berufsleben, sondern auch durch eine Verlängerung der Arbeitszeit. Diese wird insbesondere durch ein Gefühl der permanenten Erreichbarkeit und dem Bearbeiten von E-Mails oder Sprachnachrichten, auch aus fachfremden Bereichen, deutlich.

Trotz dieser möglichen negativen Effekte, stehen insgesamt, gerade auch in den Berufsgruppen, die stark vom digitalen Fortschritt betroffen sind, viele der Befragten einer Digitalisierung durchaus optimistisch gegenüber. So stimmen beispielsweise viele der Befragten der Aussage zu, dass Technologie sie in ihrem persönlichen Leben produktiver macht.

Selbstmanagement der Digitalisierung

Der persönliche Umgang und das eigene Verhalten mit den Anforderungen der Digitalisierung und den daraus folgenden Veränderungen für die Arbeit, sind von großer Relevanz für die Gesundheit. Die Erkenntnisse aus der Studie regen dazu an, die Selbstmanagementfähigkeiten zu schulen, und zwar auf Arbeitgeber- wie auf Arbeitnehmerseite.

Durch die Auswertung des gesammelten Datenmaterials, können die Wissenschaftler Verhaltensweisen und Rahmenbedingungen ausfindig machen, um die negativen Begleiterscheinungen durch die Digitalisierung der Arbeit abzumildern. Eine der Handlungsempfehlungen ist zum Beispiel der Hinweis auf sportliche Aktivität. So zeigen die Ergebnisse der Studie deutlich, dass ausreichende und regelmäßige Bewegung in hohem Maß dazu beiträgt, Begleiterscheinungen wie zum Beispiel Kopfschmerzen zu vermindern, oder emotionale Belastungen abzubauen. Ein erfolgreiches Management der Digitalisierung liegt dabei für jeden in der eigenen Hand: Es ist wichtig, das eigene Verhalten regelmäßig zu kontrollieren und in der Freizeit ab und an eine digitale Abstinenzzeit einzuführen. Der zeitweise Verzicht der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik kann die Arbeitsfähigkeit sogar verbessern.

Gesundheitsmanagement in Unternehmen

Aus Arbeitgeberperspektive ist besonders das betriebliche Gesundheitsmanagement ein wichtiges Instrument zur Gesundheitsförderung. Hierzu zählen nicht nur mögliche Bewegungsangebote, die schon in vielen Unternehmen vorhanden sind, sondern auch Kurse zur Stressprävention oder zur psychischen Gesundheit. Helfen kann auch ein Angebot, die eigene Arbeitszeit individuell und flexibel zu gestalten, zum Beispiel durch entsprechende Gleitzeitregelungen. Einen messbaren positiven Effekt bieten auch verschiedene Arbeitsorte. Laut Studie verbessert die Möglichkeit zum Home-Office die Einschätzung des eigenen Gesundheitszustandes. Gleichzeitig besteht hier ein positiver Zusammenhang zur Konfliktvermeidung innerhalb des Familienlebens. Natürlich können solche zusätzlichen Angebote für Arbeitnehmer nicht in allen Branchen und Berufen gleichermaßen umgesetzt werden. Beschäftigte in Pflegeberufen sind beispielsweise an den jeweiligen Arbeitsort gebunden und können nicht von zu Hause aus arbeiten. Hier könnte besonders ein passendes Kursangebot unterstützend wirken.

Mit der Digitalisierung der Arbeit aktiv umgehen

Aufzuhalten ist die Digitalisierung im Berufs- und Privatleben nicht mehr. Dessen sind sich die Menschen durchaus bewusst. So wird der digitale Fortschritt auch nicht per se als positiv oder negativ bewertet. Die Digitalisierung kann durchaus zu Entlastungen führen und Arbeitsvorgänge erleichtern und beschleunigen. Sie führt zum Beispiel zu einer größeren und schnelleren Produktivität. Andererseits kann sich der Stressfaktor für den Einzelnen durch Arbeitsverdichtung und veränderte Arbeitsaufwände erhöhen. Entscheidend für die Gesundheit sind das persönliche Verhalten und ein bewusster Umgang mit den digitalen Möglichkeiten. Dazu können die eigenen Selbstmanagement-Fähigkeiten durch private oder betriebliche Angebote geschult werden. Zudem ist es hilfreich, organisatorische Flexibilität in Anspruch zu nehmen, wenn sie zur Verfügung steht. Es gehört aber auch dazu, offen gegenüber beruflichen Veränderungen zu sein und an Fortbildungen teilzunehmen, die das eigene digitale Wissen verbessern. So kann jeder dazu beitragen, mögliche negative gesundheitliche Folgen zu vermindern und die Digitalisierung vermehrt als große Chance und nicht als Bedrohung für die Arbeitswelt anzunehmen.

Webcode dieser Seite: g100268 Autor: Barmer Erstellt am: 28.09.2016 Letzte Aktualisierung am: 15.11.2016
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