Junger Mann beim Sport

Digital Patient Empowerment

Digital Patient Empowerment liegt im Trend. Unzählige digitale Angebote erleichtern es den Bürgern, sich mit ihrer Gesundheit auseinanderzusetzen. Welche Web-Anwendungen gibt es für mündige Patienten?

Digitale Diabetiker-Tagebücher oder Symptome im Internet checken Digital-Health-Anwendungen sind ein bedeutender Hebel für das Digital Patient Empowerment. Diese Erscheinung ist noch relativ neu und wird in Zukunft stärker an Bedeutung gewinnen. Doch was ist Digital Patient Empowerment genau? Informationen, Mitwirkung und die Einbindung in Entscheidungen stärken Patienten und machen sie souveräner. Sie sollen also aus ihrer eher passiven Rolle heraustreten, in der sie dem Wissen und den Diagnosen von medizinischen Experten weitestgehend unterliegen, und in den Entscheidungsprozess eingebunden werden. Auch die Patientensicherheit soll sich verbessern. Die Voraussetzungen dafür müssen auf beiden Seiten geschaffen werden. Einerseits muss ein mündiger Patient das jeweilige Konzept verstehen und bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Andererseits müssen ihm von Expertenseite genügend Informationen bereitgestellt und eine Kultur geschaffen werden, die seine Partizipation als digitaler Patient unterstützen.

Mündigkeit für Patienten

Das derzeitige Angebot an Patient Empowerment wird angenommen: Bürger kommentieren in Gesundheits-Foren oder schreiben sogar Patienten-Blogs. In den App-Stores gibt es bereits mehr als 100.000 mobile Health-Care-Apps. Hinzu kommen noch zahlreiche Webseiten und Portale im Internet. Der Trend geht also ganz klar zur Digitalisierung im Gesundheitswesen. Interessanterweise sind die Bürger selbst die Impulsgeber, da sie technologischen Innovationen offen gegenüberstehen. Ein aktiver und souveräner Umgang mit der eigenen Gesundheit wird immer selbstverständlicher. Schätzungen zufolge haben Ende 2014 etwa die Hälfte aller Deutschen ihre digitalen Endgeräte für Gesundheitsangebote genutzt. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung unterteilt das Angebot in unterschiedliche Typen.

Medizinische Diagnose per App

Es existieren Web-Anwendungen, die eine Stärkung der Gesundheitskompetenz zum Ziel haben. Sie unterstützen die Mündigkeit von Patienten bei der Informationsfindung, der Expertensuche oder auch bei der Interventionsplanung. Beispiele hierfür sind Webseiten wie gesundheitsinformation.de, aidshilfe.de oder labtestsonline.de

Zudem gibt es Anwendungen, die der Analyse und Erkenntnis dienen – und somit auch dem Digital Patient Empowerment. Sie erfassen gesundheits- und umweltbezogene Informationen punktuell und werten diese dann im persönlichen Kontext aus. Der digitale Patient erhält Einschätzungen, Diagnosen und Bewertungen, die ihm als differenzierte Entscheidungsgrundlage dienen und Erkenntnisgewinn für mündige Patienten bedeuten können. Oftmals beinhalten diese mobilen Anwendungen Sensor- und Cloud-Anbindung. Beispiele hierfür sind etwa die LärmApp oder der Mimi Hörtest.

Andere Anwendungen erfassen gesundheits- und umweltbezogene Informationen kontinuierlich und werten sie im persönlichen Kontext des digitalen Patienten aus. Das ermöglicht dem Nutzer eine Überwachung im Zeitverlauf. Teilweise erfolgen automatisierte Rückmeldungen, die der eigenen Motivation dienen. Oft sind soziale Netzwerke integriert. Die Anwendungen stärken die persönliche Leistungsfähigkeit und sollen das Gesundheitsverhalten des digitalen Patienten verbessern. Auch bei diesen mobilen Anwendungen sind oftmals Sensor- und Cloud-Nutzung die Grundlage. Die Schwerpunkte sind Monitoring, Motivation und der Austausch mit anderen – beispielsweise mit Apps wie runtastic oder dem Pillreminder. 

Medikamente online kaufen

Weiterhin gibt es Anwendungen, die Verhaltensweisen und den Gesundheitszustand der Nutzer verändern sollen. Darunter fallen auch Anwendungen, die die menschlichen Fähigkeiten technisch unterstützen, wie etwa eine elektronische Lupe oder eine Hörgerätefunktion. Außerdem gibt es anleitende Online-Kurse oder Tutorials, die das individuelle Verhalten ändern können. Tinnitracks, GET.ON Institut oder caterna.de sind als Beispiele zu nennen.

Auch Funktionen einer Gesundheits- oder Krankheitsakte können in bestimmte Anwendungen integriert sein. Dazu gehören dann etwa Befunde, Diagnosen, Therapien und Vitaldaten des digitalen Patienten. Diese werden gespeichert, verwaltet und zueinander in Bezug gesetzt. Solche Leistungen bietet zum Beispiel healthvault.com.

Andere Anwendungen umfassen die Organisation und Verwaltung der Versorgung. Darunter fallen zum Beispiel Prozesse der Sozialverwaltung wie Abrechnungen, Genehmigungen oder Leistungserbringertermine. Schlussendlich gibt es noch Anwendungen, die den Bereich Einkauf und Versorgung abdecken. Das sind meist Online-Shops, die Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel oder auch Hilfsmittel vertreiben wie u.a. docmorris.de.

Patient Empowerment liegt im Trend

Bisher werden die Potenziale von Digital-Health-Anwendungen trotz des großen Angebots relativ zurückhaltend genutzt. Nur wenige von ihnen finden eine breite Anwendung. Für Verbraucher ist der Markt recht intransparent, da bislang noch keine Verfahren zur Bewertung von digitalen Innovationen existieren. Auch der Datenschutz muss weiter im Vordergrund stehen. Dennoch wird es dank der unzähligen digitalen Angebote zum Patient Empowerment in Zukunft wohl noch viel mehr digitale Patienten geben. Bereits jetzt ist die Quantität der Online-Angebote und ihre Akzeptanz sehr hoch – Tendenz weiter steigend. Die Aufgaben der Krankenkassen besteht besonders darin, hier Orientierung im Hinblick auf Nutzen und Qualität zu geben.

 

Webcode dieser Seite: g100240 Autor: Barmer Erstellt am: 12.08.2016 Letzte Aktualisierung am: 14.09.2016
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