Junge Frau schaut auf eine Grafik

Big Data

Big Data ebnet den Weg zur umfangreichen Erfassung und Analyse von gesundheitlichen Daten, stellt aber gleichzeitig eine große Herausforderung dar, insbesondere im Hinblick auf den Datenschutz. Dennoch besteht Potenzial, dass Patienten und Krankenkassen profitieren können.

Effizientere Behandlungsmethoden, frühzeitige Eindämmung von Epidemien, verbesserte Medikamente mit weniger Nebenwirkungen – das sind Beispiele, wie Daten zum Vorteil für Patienten nutzbar gemacht und aus ihnen für die Gesundheit relevante Informationen erstellt werden können. Akteure im Gesundheitswesen und in der Medizin stehen derzeit, vorangetrieben von der zunehmenden Digitalisierung, vor den Möglichkeiten einer potenziell besseren medizinischen Versorgung. Es gibt den Wunsch, durch die digitale Datenverarbeitung nicht nur diagnoseunterstützende Systeme einzusetzen, die Therapieempfehlungen geben können, sondern auch die Patienten gezielt im Alltag zu unterstützen. Zum Beispiel mit digitalen Angeboten wie Apps, die das Selbstmanagement stärken oder Tipps für gesundheitsbewusstes Verhalten geben.

Unter dem Begriff Big Data wird die Erfassung von großen Datenmengen verstanden. Die Daten werden immer schneller gewonnen, verarbeitet und ausgewertet. Bisher können Organisationen und Unternehmen dieses riesige Aufkommen mit ihren Software- und Datenbank-Lösungen meist nur unzureichend verarbeiten. Aber durch gestiegene Rechenleistungen können Computer mittels der erhobenen Daten auch komplexe Aufgaben und Probleme lösen. Big Data beschreibt aber nicht nur das Volumen von Daten, sondern auch ein Handlungskonzept im wirtschaftlichen Umgang mit großen Datenmengen und ihrer intelligenten Nutzung.

Allerdings ist die Erhebung von Gesundheitsdaten datenschutzrechtlich in einigen Bereichen umstritten. Es lässt sich aber eine Unterscheidung treffen. Denn obwohl sich die Nutzung von Wearables und Apps bei Bewegung und Sport immer größerer Beliebtheit erfreut und den meisten Nutzern bewusst ist, dass die erhobenen Daten auch von Dritten eingesehen werden können, gestaltet sich die Situation bei der Erhebung von Daten in Verbindung von Arzt und Patient anders. Hier wird eine erheblich größere Datensicherheit erwartet.

Big Data: Eine Flut an Patientendaten

Tatsächlich nimmt die Wichtigkeit von Big Data im medizinischen Bereich stetig zu. Immer mehr technische Geräte kommen zum Einsatz, die laufend Daten produzieren. Vor allem bei Untersuchungen wie Dialyse, Röntgen, CT, MRT oder Blutuntersuchungen entsteht eine wahre Flut an digitalen Aufzeichnungen. Diese müssen gespeichert, ausgewertet und an andere medizinische Einrichtungen weitergegeben werden. Diese Patientendaten sollen schnell und sicher verarbeitet werden. Eine Herausforderung, die es zu meistern gilt. Hierbei hilft die schrittweise Umstellung auf eine digitale Verwaltung.

Der Nutzen von Big Data

Krankenkassen erheben Patientendaten und erhalten wertvolle Informationen. Wie oft geht ein chronisch Kranker zum Arzt? Welche Anzahl an Versicherten trägt ein erhöhtes Risiko, zukünftig ins Krankenhaus zu müssen? Wie viele Antibiotika wurden verschrieben? Die Beantwortung solcher Fragen durch aussagekräftiges Datenmaterial und moderne Analysetechnologien lässt sich zur besseren Versorgung aller Patienten nutzen. Behandlungsabläufe gleicher Krankheitsbilder können verglichen, falsche Diagnosen im Voraus erkannt und somit unnötige Kosten vermieden werden. Zudem besteht durch die digitale Verwendung von Medizindaten die Chance, zwischen Ärzten, Leistungserbringern, Krankenhäusern und Krankenkassen die Effizienz der Gesundheitsverwaltung insgesamt zu steigern.

Und auch die Patienten profitieren. Denn Big Data kann der Prävention dienen. Erkrankungen gehen manchmal leichte Beschwerden voraus. Am Beispiel Schlaganfall ist das etwa eine bestimmte Art von Herzrhythmusstörung, die allerdings kein unfehlbarer Indikator ist. Eine auf Datenanalyse basierende verbesserte Versorgung und Therapie kann frühzeitig und effizient identifizieren, welche Patienten hier ein erhöhtes Risiko haben. Gegebenenfalls lassen sich so, durch die kontinuierliche Nutzung und Analyse von Daten, auch Diagnoseverfahren automatisieren.

Weiterhin plant die Bundesregierung ein einheitliches Krebsregister, mit der Krankenkassen stärker im Bereich der Krebsvorsorge aktiv werden sollen. Durch ein zentralisiertes Datenmanagement der Krankenkassen-Informationen kann eine frühzeitigere Behandlung und damit eine womöglich größere Heilungschance erreicht werden. Mithilfe von Datenanalysen kann hier deutlich individueller und genauer segmentiert werden, welche Patienten in die Risikogruppe fallen.

Was noch nach ferner Zukunftsmusik klingt, kann schon bald Realität werden: Personalisierte Medizin. Patienten erhalten auf ihren persönlichen genetischen Code zugeschnittene Arzneimittel. Das kann die individuelle Behandlung wesentlich optimieren, da aufgrund der Körper- und Krankheitseigenschaften die wahrscheinlich beste Therapie identifiziert wird.

Trotz des Technikeinsatzes und der digitalen Methoden ist und bleibt die Arzt-Patienten-Beziehung wichtig. Vorteile der Digitalisierung und Big Data-Auswertungen können sinnvolle Ergänzungen darstellen. Die Verantwortung, die finale Diagnoseerstellung und die verständliche und menschliche Kommunikation mit den Patienten bleiben zentrale Aufgaben ärztlichen Handels.

Position der BARMER zu Big Data

Natürlich muss der Schutz der sensiblen Patientendaten im Vordergrund stehen. Sonst lassen sich weder das Vertrauen, noch die Akzeptanz für die Datenspeicherung der Nutzer gewinnen. Eine verpflichtende Verwendung von digitalen Gesundheitsangeboten darf es aber nicht geben. Diese sollte jedem freigestellt und selbst überlassen sein. Digitale Systeme, die zur Unterstützung der Gesundheit genutzt werden, sollten evident sein und patientenrelevanten Nutzen gewährleisten. Außerdem gibt es noch keine allgemeingültigen Qualitätskriterien, an denen sich sowohl die Anbieter als auch die Nutzer orientieren können. Hier besteht noch Handlungsbedarf.

Es gibt ein Risiko, dass körperliches Wohlbefinden weniger als Messwerte und Daten als Gesundheit definiert wird. Durch die steigende Verbreitung der Erfassung von digitalen Daten treten Möglichkeiten der Risikoermittlung auf. Die Barmer versteht sich hier klar als Partner der Patienten. Risikotarife sind mit dem Solidarprinzip nicht vereinbar. Jedoch kann gesundheitsbewusstes Verhalten, zum Beispiel durch die Erfassung von Vitalwerten, die sich aus der Wahrnehmung von Fitnessangeboten oder gesundheitsförderlichen Bewegungen ergeben, bonifiziert und somit gefördert werden.

Die  Vorteile von Big Data und der Digitalisierung nicht zu nutzen, wäre verschenktes Potenzial. Vor allem dann, wenn die Auswertung großer Datenmengen Innovationen auf dem Gesundheitsmarkt vorantreibt und zu zielgerichteten Service- und Therapieangeboten führt.

 

Webcode dieser Seite: g100242 Autor: Barmer Erstellt am: 12.08.2016 Letzte Aktualisierung am: 09.12.2016
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