Eine schwangere Frau beim Ultraschall

Gründe für eine Geburt per Kaiserschnitt

Beim Kaiserschnitt wird die Geburt in den Operationssaal verlegt. Ärzte öffnen die Bauchdecke der Mutter mit dem Skalpell und holen das Baby direkt aus der Gebärmutter. In der Fachsprache heißt die Schnittentbindung Sectio caesarea.

Nahezu jedes dritte Kind erblickt heutzutage per Kaiserschnitt das Licht der Welt, wobei die Rate von Geburtsklinik zu Geburtsklinik stark variiert. Die Operation kann Leben retten, wenn eine natürliche Geburt für Mutter oder Kind unmöglich oder zu gefährlich ist. Aus geburtsmedizinischer Sicht unvermeidbar sind aber nur rund zehn von Hundert Schnittentbindungen. In der Mehrzahl der Fälle gibt es zwar Gründe, aber keinen zwingenden Anlass. Ein Sonderfall ist der Kaiserschnitt auf Wunsch ohne geburtsmedizinische Indikation.

Zwingende medizinische Gründe für einen Kaiserschnitt (absolute Indikation):

  • Querlage des Kindes
  • Ein im Verhältnis zum mütterlichen Becken sicher zu großes Kind
  • Beckenverformungen der Mutter
  • Ein (drohender) Gebärmutterriss
  • Die Plazenta (Mutterkuchen) liegt nahe am Gebärmutterhals und/oder verdeckt den Muttermund (Placenta praevia)
  • Vorzeitige Ablösung des Mutterkuchens (Plazentalösung)
  • Die Nabelschnur legt sich vor das Kind und wird eingeklemmt (Nabelschnurvorfall)
  • Akute Infektion der Eihöhle, Plazenta, Eihäute und eventuell des Kindes (Amnioninfektionssyndrom)
  • Unterversorgung des Kindes mit Sauerstoff (beispielsweise durch lange Geburtsdauer)
  • Eklampsie oder HELLP-Syndrom (schwere Verlaufsformen einer Schwangerschaftsvergiftung)

Medizinische Argumente für einen Kaiserschnitt (relative Indikation):

  • Beckenendlage
  • Ein im Verhältnis zum mütterlichen Becken wahrscheinlich zu großes Kind
  • Großes Kind mit mehr als 4.500 Gramm Geburtsgewicht
  • Mehrlingsgeburt
  • Vorangegangener Kaiserschnitt
  • Vorangegangene Operation im Scheidenbereich
  • Verzögerte Geburt oder Geburtsstillstand

Persönliche Gründe für einen Wunschkaiserschnitt:

  • Wenig Vertrauen in die eigene Gebärfähigkeit
  • Subjektive Ängste der Mutter vor Schmerzen
  • Wunsch nach einem planbaren Entbindungstermin (Wunschtermin)
  • Sorge der Mutter bezüglich Spätschäden nach der Geburt wie Gebärmuttersenkung, Inkontinenz oder Störungen des Sexuallebens

Komplikationen bei der Geburt und ein Notfall-Kaiserschnitt

Manchmal steht schon vor der Geburt fest, dass das Kind per Kaiserschnitt zur Welt kommt. Das macht den Eingriff planbar. Fällt die Entscheidung erst während der Geburt, weil Komplikationen auftreten, spricht man von einem Notfall-Kaiserschnitt (sekundäre Sektio). Alle geburtsmedizinischen Abteilungen sind auf unvorhersehbare Verläufe vorbereitet. Im Notfall kann das Kind innerhalb weniger Minuten entbunden werden.

Wunschkaiserschnitt – die schmerzfreie Alternative?

Von einem Wunschkaiserschnitt spricht man, wenn der Eingriff auf Wunsch der Schwangeren ohne medizinischen Anlass erfolgt. Sei es, weil die werdende Mutter den Geburtszeitpunkt mit dem Terminkalender des werdenden Vaters oder eigenen Verpflichtungen koordinieren will, oder weil sie sich die Wehenschmerzen ersparen möchte. Was prominente Mütter laut Regenbogenpresse vorleben, ist in deutschen Geburtskliniken seltener, als viele vermuten. So gaben in einer Umfrage unter gesetzlich versicherten Frauen nur zwei von Hundert einen nichtmedizinischen Grund für ihren geplanten Kaiserschnitt an.

Die Schnittentbindung ist dank moderner Geburtsmedizin heute wesentlich risikoärmer als noch vor 30 Jahren. Dennoch bleibt der Kaiserschnitt eine Operation und ist keinesfalls harmlos. Weder für den Körper, noch für die Seele.

Die Geburt selbst verläuft im Operationssaal zwar schmerzfrei, danach leiden die Frauen aber unter teilweise erheblichen Wundschmerzen. Nach einem Kaiserschnitt kann sich die Wöchnerin nicht uneingeschränkt bewegen und braucht oft Hilfe bei der Versorgung des Neugeborenen. Der Milcheinschuss erfolgt später und mit dem frischen Bauchschnitt ist es schwerer, eine bequeme Stillposition zu finden. Auch Beckenbodenschäden kann die Schnittentbindung nicht völlig verhindern. Und für nachfolgende Schwangerschaften hat der Kaiserschnitt ebenfalls Konsequenzen: Die Narbe in der Gebärmutterwand macht Fehlanlagen der Plazenta wahrscheinlicher und erhöht das Risiko für einen Gebärmutterriss. Hebammen berichten außerdem, dass viele Frauen nach der Schnittentbindung unglücklich sind, und glauben, sich für den Eingriff rechtfertigen zu müssen.

Ohne medizinische Notwendigkeit profitieren auch die Kinder nicht von einer Schnittentbindung. Im Gegenteil: Kaiserschnittkinder haben häufiger Anpassungsstörungen und Schwierigkeiten beim Atmen. Ihnen fehlt buchstäblich der Weg durch den Geburtskanal. Denn während der Wehen wird normalerweise die Flüssigkeit aus ihrer Lunge gepresst.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Olaf Dathe, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe; Dr. med. Utta Petzold, Barmer
  • Endredaktion Barmer: Adda Dumröse, Claudia Tobis

Literatur

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.familienplanung.de (Abruf: 24.10.2012)
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Merkblatt: Mit Geburtsschmerzen umgehen (Stand: 07/2012, Abruf: 24.10.2012)
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Merkblatt: Die Periduralanästhesie (PDA) zur schmerzarmen Entbindung (Stand: 07/2012, Abruf: 24.10.2012)
  • Römer A., Weigel M., Zieger W., Melchert F. (1998): Veränderungen der Cervixreife und Geburtsdauer nach geburtsvorbereitender Akupunkturtherapie - Das Mannheimer Schema. Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2000: 60: 513-8
  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Absolute und relative Indikationen zur Sectio caesarea und zur Frage der sogenannten Sectio auf Wunsch (Stand 08/2010, Abruf: 24.10.2012)
  • Lutz U., Kolip, P.: Die GEK-Kaiserschnittstudie. Asgard-Verlag 2006 (Abruf: 25.10.2012)

Weiterführende Informationen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Informationen rund um die Geburt
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Informationen für werdende Väter
  • Berufsverband der Frauenärzte e.V., Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.: Frauenärzte im Netz
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de
  • Jahn-Zöhrens, Ursula (Autorin), Deutscher Hebammenverband (Hrsg.): Entspannt erleben: Schwangerschaft und Geburt. Trias Verlag 2011
  • Kainer, F., Nolden, A.: Das große Buch zur Schwangerschaft. Gräfe & Unzer Verlag 2009


 

Webcode dieser Seite: s000800 Autor: Barmer Erstellt am: 14.08.2017 Letzte Aktualisierung am: 14.08.2017
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