Rückenbeschwerden – Was bedeuten die Schmerzen?

Rückenschmerz kann dumpf, ziehend oder stechend sein, bei Bewegung oder Ruhe auftreten, akut oder chronisch verlaufen. Er hat verschiedene Ursachen – mitunter scheinbar gar keine.

Ein mann neigt den Körper mit Schmerzen zur Seite

Was ist mit Rückenschmerzen gemeint?

Rückenschmerz – das ist keine Diagnose, sondern ein Oberbegriff für unterschiedliche Beschwerden (Symptome) mit vielfältigen Ursachen. Der Rückenschmerz zählt zu den häufigsten Leiden. Die Beschwerden unterscheiden sich nach Schmerzort (Lokalisation), Ursache, Art, Schwere und Dauer. Etwa acht von 10 Deutschen geben an, mindestens einmal Rückenschmerzen gehabt zu haben. Sie sind unangenehm, aber zum Glück meistens harmlos.

Man spricht von einem akuten Rückenschmerz, wenn dieser nach sechs Wochen überstanden ist. Bleibt er länger als drei Monate bestehen, wird er als chronischer Rückenschmerz bezeichnet. Acht von zehn Patienten mit akut aufgetretenen Rückenschmerzen haben sogenannte unspezifische Schmerzen, bei denen keine eindeutigen Hinweise auf eine mögliche Ursache erkennbar sind. Dazu gehören Muskelverspannungen oder auch Fehlbelastungen. Sie dauern häufig nur wenige Tage, können aber wiederholt auftreten.

Spezifische Rückenschmerzen haben eine feststellbare Ursache, zum Beispiel Bandscheibenvorfälle, Wirbelgleiten oder auch Entzündungen. Einen Hinweis auf die Ursache kann die Art (Qualität) der Schmerzen liefern: Sie können dumpf und diffus sein oder auch elektrisierend und stechend. Akut behandlungsbedürftige Auslöser machen sich fast immer durch bestimmte Warnhinweise bemerkbar. Infos über diese sogenannten „Roten Flaggen“ (engl.: red flags) finden Sie hier: Arztbesuch.

Am häufigsten mit rund 65 Prozent sind Schmerzen im unteren Rückenbereich (Lumbalgie). Ein Drittel der Betroffenen haben Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule (zervikal), und nur zwei von 100 Betroffenen in der Brustregion (thorakal). Rückenschmerzen können in Arme oder Beine ausstrahlen.

Wie entstehen Rückenschmerzen?

Bei acht von zehn Menschen mit Rückenschmerzen findet sich kein eindeutiger Hinweis auf eine mögliche Ursache. Es gibt häufig mehrere Gründe, die für die Schmerzen verantwortlich sein können. Fast immer spielen mehrere Faktoren zusammen: Bewegungsmangel, schwache Rückenmuskulatur, zu schwere oder einseitige Belastung, Fehlhaltungen, ungeeignete Sitz- und Schlafmöbel, höheres Alter, Übergewicht, Stress, Depressionen und weiteres mehr. Einzelne Auslöser können sich gegenseitig verstärken: Übergewicht, Fehlbelastung oder Fehlhaltung – etwa durch langes Sitzen am PC – setzen die Bandscheiben unter Druck. Sie verlieren an Elastizität, flachen ab. In der Folge lockern sich die zwischen den Wirbeln gespannten Bänder; auch die kleinen Zwischenwirbelgelenke (Facettengelenke) werden nun stärker abgenutzt. Der ganze Wirbelsäulenabschnitt wird instabiler.

Um dies zu kompensieren, schalten sich Rückenmuskeln ein, sie spannen sich an. Eine untrainierte Rückenmuskulatur wird mit dieser Aufgabe aber rasch überfordert und verspannt sich. Verspannte, harte Muskeln können in der Nähe liegende Nerven reizen. Das empfinden wir als Schmerz. Schmerz wiederum führt zu Schon- und Fehlhaltungen, die ihrerseits Verspannungen und weitere Schmerzen hervorrufen – so entsteht ein Teufelskreis. Weiter angetrieben wird er durch psychische Faktoren: Angst vor dem Schmerz, Stress und jede weitere psychische Anspannung, die nicht durch Entspannung gemildert wird.

Spezifische Ursachen von Rückenschmerzen können aus Einengungen oder entzündlichen Reizungen von Nerven im Bereich der Austrittsstelle aus dem Wirbel bestehen (Nervenwurzelkompression). Im Wirbelkanal kann eine verschobene Bandscheibe (Bandscheibenvorfall) oder, in seltenen Fällen, eine Geschwulst (Tumor) buchstäblich "auf den Nerv gehen". Entzündungsbedingt können Sehnenansätze der Rückenmuskeln an den Wirbeln schmerzen (Enthesitis/Enthesiopathie). Auch können sich Bandscheibe und Wirbel bakteriell infizieren (Spondylodiszitis).

Werden Wurzeln von Nerven gereizt oder eingeengt, so können Schmerzen oder Taubheit entlang dieser Nerven bis in entfernte Bereiche ausstrahlen (radikuläres Syndrom).

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Stephan Lorenz, Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin
  • Endredaktion und Qualitätssicherung Barmer: Dr. med. Ursula Marschall, Claudia Tobis
  • Letzte Aktualisierung: 21.02.2017

 

Literatur

  • PatientenLeitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz, Version 2; 06.08.2013, Abruf: 21.02.2017
  • Nationale VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz – Kurzfassung. Kurzfassung. 2. Auflage Version 1 vom März 2017 (Abruf: 08.03.2017)
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Osteologie: Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei Erwachsenen, 2009
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie: www.dgn.org/leitlinien  Abruf: 21.02.2017
  • Diemer, Sutor: Praxis der medizinischen Trainingstherapie I. Georg Thieme Verlag, 2011.
  • Benrat, Hatzenbühler, Fresenius, Heck: Repetitorium Schmerztherapie. Springer-Verlag, 2015.
  • Fuchs J, Rabenberg M, Scheidt-Nave C. Prävalenz ausgewählter muskuloskelettaler Erkrankun-gen. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesge-sundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2013; 56(5-6): 678-686.
  • Stiftung Warentest. Das Rückenbuch. Berlin, 2010.
  • Rücken aktiv – Bewegen statt schonen. BARMER Broschüre, 201

Weiterführende Informationen

 

 

Webcode dieser Seite: s000738 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 14.03.2017 Letzte Aktualisierung am: 25.07.2017
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