Rückenschmerzen im Alltag

Es gibt viele Faktoren im Alltag, die bei Rückenschmerzen eine Rolle spielen. Einer davon ist beispielsweise der Arbeitsplatz. Inwiefern er die Beschwerden beeinflusst, erklären wir hier.

Ein Mann beugt den Rücken zur Entspannung

Kann man Rückenschmerzen völlig vermeiden?

Bisher ist leider keine Methode bekannt, die das Auftreten von Rückenbeschwerden sicher verhindern kann. Vermutlich gehören Rückenbeschwerden ebenso zum Leben und Älterwerden wie graue Haare und Falten. Durch vorbeugende Maßnahmen und den richtigen Umgang mit Rückenschmerzen können Sie aber dazu beitragen, die Häufigkeit und die Stärke von Rückenschmerzen zu verringern. Rückenschmerzen gehören anscheinend irgendwann zum Leben wie Falten und graue Haare.

Schützt Zufriedenheit vor Schmerzen?

Das Lebensumfeld, vor allem Familie und Arbeitswelt, hat erheblichen Einfluss auf Rückenschmerzen. Wenn Sie mit sich selbst, Ihrer Familie und Ihren Freunden und Ihrer Arbeit zufrieden sind und in Einklang stehen, werden Rückenschmerzen Sie weniger beeinträchtigen, als wenn Sie privat oder beruflich Misserfolge zu verkraften haben. Das Risiko, dass Rückenbeschwerden chronisch werden, ist im zweiten Fall deutlich höher. Vergleiche mit anderen Ländern haben außerdem gezeigt, dass auch Faktoren wie soziale Absicherung im Krankheitsfall oder Frühberentungsmöglichkeiten den Verlauf von Rückenschmerzen erheblich beeinflussen können.

Welche Rolle spielt der Arbeitsplatz?

Rückenbeschwerden treten häufig bei der Arbeit auf. Daraus könnte man den Schluss ziehen, dass die Arbeit die Beschwerden verursacht. Dieser Schluss ist jedoch voreilig, denn viele wissenschaftliche Studien sind sich einig: In den allermeisten Fällen gibt es keine Anhaltspunkte, dass Arbeit dem Rücken schadet – mit einer Ausnahme: Sehr schwere körperliche Arbeit kann ein gewisses Risiko für Rückenbeschwerden darstellen. Doch glücklicherweise müssen die meisten Menschen heute körperlich nicht mehr so hart arbeiten. Zudem ist dies nur ein Faktor von vielen, und in den meisten Fallen nicht der entscheidende.

Viele Studien hingegen zeigen, dass die Zufriedenheit bei der Arbeit und mit dem Arbeitsplatz eng mit dem Auftreten oder Wahrnehmen von Rückenschmerzen zusammenhängen. Dabei scheint die objektive körperliche Belastung durch die Arbeit nicht so bedeutend zu sein wie die eigene Einschätzung, ob die Tätigkeit als zu schwer empfunden wird. Wer eine gute körperliche Konstitution und die entsprechende Motivation hat, kann schwere körperliche Arbeit oft bis zum regulären Rentenalter durchführen. Dass wir unsere körperliche Belastung oft hoher einschätzen als sie tatsächlich ist, zeigen Daten aus den Vereinigten Staaten. In den letzten 30 Jahren haben sich dort – wie auch in Europa – die Arbeitszeiten und die zu hebenden Lasten deutlich verringert; viel weniger Menschen müssen heute in Zwangshaltungen und unter ungünstigen Klimabedingungen arbeiten. Trotzdem sind in diesem Zeitraum die Meldungen über Rückenbeschwerden bei der Arbeit um mehr als das Zwanzigfache gestiegen.

Weniger Schmerzen bei gutem Arbeitsklima?

Alle Faktoren, die Ihre Arbeitszufriedenheit beeinflussen, spielen eine wesentliche Rolle. Unsicherheit, Zukunftsängste, ungelöste Probleme und Konflikte am Arbeitsplatz fördern die Entwicklung chronischer Rückenschmerzen. Dagegen schützen ausreichende Entscheidungs- und Gestaltungsspielräume bei der Arbeit, ein gutes Betriebsklima, eine durchdachte Arbeitsorganisation sowie die Anerkennung durch Kollegen und Vorgesetzte vor chronischen Beschwerden. Für die Arbeitszufriedenheit sind also alle Beteiligten mit verantwortlich: Sie selbst und Ihre Kollegen ebenso wie die Führungskräfte. Letztere tragen eine besondere Verantwortung. Führungskräfte sollten sich daher bewusst machen, wie wichtig sie und ihr Verhalten für Arbeitsklima, Arbeitsbedingungen und Arbeitszufriedenheit sind. Sie können damit nicht "nur" Motivation, Ergebnis und Erfolg ihrer Mitarbeiter und ihrer gesamten Abteilung maßgeblich beeinflussen, sondern auch die Gesundheit aller Mitarbeiter. Vielleicht gelingt es ja, einige Probleme selbst oder in Gesundheits- und Qualitätszirkeln gemeinsam anzupacken – das Erfolgserlebnis, Schwierigkeiten im Team gemeistert zu haben, trägt ebenfalls zum positiven Befinden bei.

Lieber keine Arbeit als schwere Arbeit?

Dies ist wohl in den meisten Fällen ein Trugschluss. Gesünder als arbeitende Menschen sind Arbeitslose nicht: Aus Untersuchungen ist bekannt, dass Menschen, die keine Arbeit haben, über mehr Beschwerden klagen und häufiger zum Arzt gehen als Beschäftigte.

Wie wichtig ist die Ausstattung des Arbeitsplatzes?

Erstaunlicherweise haben Umgebung und Ausstattung des Arbeitsplatzes zum Beispiel im Hinblick auf Sitzmöbel einen vergleichsweise geringen Einfluss auf die Häufigkeit von Rückenbeschwerden. Natürlich sollte man sich nicht durch eine ungünstige Arbeitsplatzeinrichtung zusätzliche Probleme schaffen, sondern sich das Umfeld so angenehm wie möglich gestalten. Die Ausstattung Ihres Arbeitsplatzes sollte auf Ihre Körpergröße abgestimmt sein und unnötige Belastungen vermeiden. Eine möglichst wenig zwanghafte Körperhaltung und natürliche Bewegungsabläufe erleichtern die Arbeit und machen sie effektiver. Wichtiger für Ihre Rückengesundheit sind jedoch häufige Haltungs- und Belastungswechsel am Arbeitsplatz.

Wie sitze ich "richtig"?

Durch "falsches Sitzen" schädigt man angeblich die Wirbelsäule und nutzt die Bandscheiben verstärkt ab. Glauben Sie das auch? Tun Sie‘s nicht, denn es ist vermutlich falsch. Es gibt in der wissenschaftlichen Literatur keine gesicherten Beweise über einen solchen Zusammenhang. Wenn es aber kein "falsches" Sitzen gibt, dann gibt es auch kein "richtiges" Sitzen, mit dem Sie Schäden an der Wirbelsäule vermeiden könnten. Das bedeutet nicht, dass durch langes Sitzen nicht auch Beschwerden entstehen können. Wenn man den ganzen Tag sitzt und dabei lange in derselben Position verharrt, können sich manche Muskeln verkrampfen und Beschwerden verursachen. Das gilt besonders für die Schulter-Nacken-Partie. Andere Muskeln verkürzen sich oder werden mit der Zeit immer schwächer. Deshalb muss ein solcher Muskel jedoch nicht dauerhaft geschädigt sein. Schmerz bedeutet jedoch nicht gleich Schädigung des Rückens, das sollten Sie immer im Kopf behalten. Nutzen Sie jede Chance, um Ihre Körperhaltung zu verändern. Vermeiden Sie einseitige Belastungen und bleiben Sie bei allem, was Sie tun, so gut wie möglich in Bewegung.

Erholsame Nachtruhe für den Rücken

Eine gute Schlafstatt fördert die Regeneration. Morgendliche Rückenbeschwerden, die sich nach dem Aufstehen bessern, könnten auf eine falsche Unterlage zurückzuführen sein. Im Liegen können sich die stützenden Muskeln unserer Wirbelsäule entspannen. Die druck- und zugentlasteten Bandscheiben füllen sich aufquellend mit nährender Flüssigkeit, weshalb wir am Morgen einige Millimeter größer sind als am Abend. Sind Lattenrost und Matratze optimal aufeinander abgestimmt, liegen Schulter und Hüfte abgefedert während die Taille gestützt wird. Gute Matratzenläden bieten individuelle Computeranalysen und ein bis zu 14-tägiges Probeliegen zu Hause an, wobei die Matratze hygienesicher in eine Plastikhülle eingeschweißt wird. Ein kurzer Liegetest im Geschäft ist wenig aussagefähig. Im Zweifelsfall sollte man sich vielleicht eher ein bisschen zu hart als zu weich betten.

Der richtige Schuh

Aus Rückenperspektive sind Schuhe das wichtigste Kleidungsstück. Falsche Schuhe stören die Körperstatik und erschüttern beim Gehen und Laufen die Wirbelsäule. Schuhe müssen nicht nur in der Länge sondern auch in der Breite exakt passen, eine gute Dämpfung vor allem im Fersenbereich besitzen und ein physiologisches Abrollen gewährleisten. Menschen, die beruflich viel stehen müssen, sollten auch auf eine gute Vorfußdämpfung achten, rät die "Aktion Gesunder Rücken". Wer sich in keinem Schuh von der Stange richtig wohl fühlt, braucht eventuell orthopädische Einlagen.

Textnachweis

  • Textauszüge aus Broschüre Rücken aktiv (S. 10-13), 2017

Literatur

  • Europäische Leitlinien zur Prävention von Rückenschmerzen, November 2004
  • Kendall, Nicholas, Acute Low Back Pain Expert Panel, Neuseeland Waddell, Gordon, Back Pain Revolution, 1998
  • Bertelsmann Stiftung: Projekt »Prävention von Rückenschmerzen«, Projektleitung: Eckhard Volbracht, Abschlussbericht »Informationsmaterial und -medien zur Prävention von Rückenschmerzen«, 12/2003 

Weiterführende Informationen

Webcode dieser Seite: s000726 Autor: Barmer Erstellt am: 14.03.2017 Letzte Aktualisierung am: 17.10.2017
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