Nerven, Bänder und Muskeln

Der Aufbau unseres Rückens ist recht komplex. Wie das Zusammenspiel der Muskeln und Nerven rund um die Wirbelsäule funktioniert, lesen Sie in diesem Artikel. 

Eine Frau auf einem Bürostuhl

Empfindliche Nerven

Die Wirbelbögen der aufeinander gereihten Wirbel bilden den so genannten Spinalkanal. In ihm verläuft gut geschützt das Rückenmark. Es enthält die Nervenfasern aus dem Gehirn und ist somit - salopp ausgedrückt – dessen Verlängerung. Die Wirbelbögen besitzen oben und unten kleine Einbuchtungen. Übereinander gelegt entsteht so eine schmale Öffnung für die Nervenfasern, die aus dem Rückenmark aus- oder eintreten. Die Ein- und Austrittsstelle bezeichnet man als Spinalnervenwurzel. Sie ist besonders empfindlich. Kommt es beispielsweise aufgrund eines Bandscheibenvorfalls im Lendenbereich zu einer Einengung der Spinalnervenwurzel, kann dies zu Gefühlsstörungen in den Beinen führen. Dann sollte sofort ein Arzt/eine Ärztin aufgesucht werden.

Die Bandscheibe: Stoßdämpfer mit Eigenleben

Zwischen den Wirbelkörpern sitzen die Bandscheiben. Sie fangen Bewegungen ab, wie sie etwa beim Springen und Laufen entstehen. Ein Viertel der Wirbelsäule besteht aus diesen "Kissen". Die circa sieben bis zwölf Millimeter hohen Bandscheiben bestehen bis zu 90 Prozent aus Wasser. Außen besitzen sie einen faserigen, derben Ring, der einen gallertartigen Kern umfasst. So kann wie auf einem Gelpolster Druck aufgefangen und gleichmäßig verteilt werden. Die Bandscheibe wird nicht über eigene Blutgefäße versorgt. Damit sie Nährstoffe aufnehmen und Abfallprodukte aus dem Stoffwechsel wieder abgeben kann, benötigt sie einen stetigen Wechsel von Be- und Entlastung. Liegt wenig Druck auf den Bandscheiben, saugt sich die Bandscheibe wie ein Schwamm mit Nährstoffen aus der Umgebung voll. Steigt der Druck, gibt der "Schwamm" Abfallprodukte ab.

Dauerhafte Unterbelastung (etwa durch Schonhaltung) oder dauerhafte Belastung (etwa langes Sitzen) schadet den Bandscheiben daher gleichermaßen. Welcher Druck tagtäglich auf ihnen lastet, zeigt ein Vergleich der Körpergröße am Morgen und Abend. Im Laufe des Tages verlieren die Bandscheiben an Wasser und lassen uns so um einige Millimeter schrumpfen. In der Nacht werden die Kissen wieder aufgepolstert, sodass wir am nächsten Morgen wieder unsere gewohnte Größe erreichen.

Unsere Wirbelsäule schwingt in drei Bögen. Von der Seite betrachtet wölben sich Hals- und Lendenwirbelsäule nach vorne, Brustwirbelsäule und Kreuzbein leicht nach hinten. Diese Schwingung ist eine gute Anpassung der Natur, denn die doppelte S-Form fängt Stauchungskräfte besser ab als eine ungekrümmte Form. Babys kommen übrigens ohne die Doppelschwingung auf die Welt. Sie bildet sich erst nach dem ersten Lebensjahr heraus, wenn aus Krabblern Läufer werden.

Jede Menge Unterstützung

Haltung und Beweglichkeit erlangt die Wirbelsäule mithilfe von Bändern und Muskeln. Bänder sind Stränge aus festem Bindegewebe. Sie ziehen über die gesamte Länge der Wirbelsäule und verbinden die einzelnen Wirbelkörper und Wirbelbögen. Sinken die Bandscheiben etwas zusammen, verringert sich automatisch die Haltespannung der Bänder. Die Folge: Wir laufen leicht vornüber gebeugt. Muskeln stabilisieren die Wirbelsäule und sorgen für unseren aufrechten Gang. Wichtig ist das Zusammenspiel der Rumpfmuskulatur, vor allem der Rücken- und Bauchmuskeln. Trainierte Muskeln entlasten Wirbel und Bandscheiben und beugen so Beschwerden vor.

Erfindung mit Kompromiss

Die menschliche Wirbelsäule ist weitaus anfälliger als die unserer Affen-Verwandten. Für unseren aufrechten Gang wurden die Wirbelkörper verbreitert und die Knochenstruktur aufgelockert, um so Stöße beim Gehen besser abzufedern. Aufgrund dieser Konstruktion führt eine altersbedingte verminderte Knochendichte beim Menschen leichter zu Knochenbrüchen. Diese Alterserscheinung des Knochens (Osteoporose) ist bei Affen unbekannt. Gute Ernährung und „tierisch“ viel Bewegung  können das Problem nicht gänzlich aufheben. Doch stetige Aktivität, die im Einklang mit der Anatomie des Rückens steht, sowie eine ausreichende Zufuhr von Kalzium und Vitamin D verbessern die Chance auf eine stabile Wirbelsäule bis ins hohe Alter.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Stephan Lorenz, Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin
  • Endredaktion und Qualitätssicherung Barmer: Dr. med. Ursula Marschall, Claudia Tobis
  • Letzte Aktualisierung: 21.02.2017 

Literatur

  • Der gesunde Rücken aus: PatientenLeitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz, Version 2; 06.08.2013
  • Tony Smith. Anatomie-Atlas: Aufbau und Funktionsweise des menschlichen Körpers. Dorling Kindersley, 2011.
  • Sobotta, Atlas der Anatomie des Menschen. Band 1, Auflage 23, 2010.
  • Dr. med. Dominik Irnich. Den Rücken heilen. Der ganzheitliche Weg zur Selbstheilung. Irisiana Verlag, 2012.
  • Dr. med. Christian Larsen, Bea Miescher. Stabiles Kreuz. Trias Verlag, 2009.

Weiterführende Informationen

  • Der gesunde Rücken (Seite 11) aus: PatientenLeitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Kreuz-schmerz, Version 2; 06.08.2013: (Abruf: 21.02.2017)
  • Dr. med. Dominik Irnich. Den Rücken heilen. Der ganzheitliche Weg zur Selbstheilung. Irisiana Verlag, 2012.
  • Dr. med. Christian Larsen, Bea Miescher. Stabiles Kreuz. Trias Verlag, 2009.
  • Dr. med. Michael Buhr und Kollegen. Der gesunde Rücken. Humboldt Verlag, 2008.
  • Uwe Rückert. Rückerts kleine Rückenschule. Humboldt Verlag, 2009.
  • Tony Smith. Anatomie-Atlas: Aufbau und Funktionsweise des menschlichen Körpers, Dorling Kindersley, 2011. 

 

 

Webcode dieser Seite: s000736 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 14.03.2017 Letzte Aktualisierung am: 25.07.2017
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