Ein Arzt schreib ein Rezept

Medikamente bei Rückenbeschwerden

Aktive Bewegung steht bei Rückenschmerzen an erster Stelle. Was aber, wenn der Schmerz so stark ausfällt, dass dem Betroffenen vor jeder Bewegung graut? In akuten Schmerzsituationen sind schmerzlindernde Medikamente sinnvoll, denn sie ermöglichen es Ihnen, die üblichen Aktivitäten wieder aufzunehmen.

Welche Medikamente können helfen?

Auch bei chronischen Beschwerden kann eine Schmerz- oder andere medikamentöse Behandlung helfen, die aktivierenden Maßnahmen umzusetzen. Zum Einsatz kommen bei Rückenschmerzen Schmerzmittel (Analgetika), muskelentspannende Mittel (Muskelrelaxanzien) und Antidepressiva, die speziell bei Nervenschmerzen eingesetzt werden. Die behandelnde Ärztin/ der behandelnde Arzt legt ein medikamentöses Behandlungsschema fest, in dem auch verschiedene Wirkstoffe miteinander kombiniert werden können. Vor jeder medikamentösen Therapie erfolgt ein Abgleich mit anderen Medikamenten, die zum Beispiel bei Bluthochdruck oder Diabetes mellitus eingenommen werden müssen. Dies hilft, Wechselwirkungen zu vermeiden. Schmerzmittel unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Wirkstärke, ihres Wirkmechanismus, der Wirkdauer und vor allem auch hinsichtlich der Nebenwirkungen. Sie werden bei akuten wie chronischen Schmerzen eingesetzt, allerdings sollte ihre Anwendung immer so niedrig dosiert und so kurz wie möglich erfolgen. Eine Dauereinnahme von Analgetika ist immer problematisch.

In der Selbstbehandlung (Selbstmedikation) gilt der Grundsatz: Nur bekannte, leichte (bis mittelschwere) und vorübergehende Schmerzen dürfen mit freiverkäuflichen Analgetika behandelt werden. Das heißt, vor jeder Schmerzmitteleinnahme sollten Sie Ihre Ärztin bzw. Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke um Rat fragen. Hilfreich für die Auswahl: Hat Ihnen ein bestimmtes Mittel früher schon einmal geholfen und war gut verträglich?

Nichtsteroidale Analgetika/Antirheumatika (NSAR)

Hinter dem sperrigen Namen stehen gängige Analgetika wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen. Sie wirken schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend. NSAR eignen sich insbesondere, wenn entzündliche Vorgänge am Schmerz beteiligt sind. Zur Schmerzlinderung bei akutem und chronischem Rückenschmerz gelten diese Tages-Maximaldosierungen:

  • Ibuprofen: 1200 Milligramm (400 Milligramm-Tablette ohne Rezept erhältlich)
  • Diclofenac: 100 Milligramm (verschreibungspflichtig ab 25 Milligramm)
  • Naproxen: 750 Milligramm (verschreibungspflichtig)

Bei unzureichender Wirkung kann die Dosis in Absprache mit dem behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin unter Beachtung möglicher Nebenwirkungen auf 2400 Milligramm Ibuprofen, 150 Milligramm Diclofenac oder 1250 Milligramm Naproxen erhöht werden.

Nebenwirkungen von NSAR betreffen hauptsächlich Magen und Darm, wo es zu Schleimhautreizung bis hin zu Blutungen kommen kann, sowie die Nierenfunktion. Menschen über 65 Jahre sind von den Nebenwirkungen stärker betroffen. Zur Vorbeugung gegen Magen-Schleimhautschäden kann der Arzt zusätzlich einen Protonenpumpenhemmer verordnen, der die Magensäureproduktion hemmt. Alternativ zu den NSARs kann Paracetamol eingesetzt werden. Es ist etwas schwächer wirksam als klassische NSAR. Eine Dosis von drei Gramm pro Tag sollte wegen der Gefahr von Leberschädigung nicht überschritten werden. Lassen Sie sich bei unzureichender Wirkung ein anderes Mittel empfehlen.

Opioide

Diese vom Morphin abgeleiteten Substanzen sind die starke Schmerzhemmer, jedoch wirken sie nicht entzündungshemmend oder muskelentspannend. Sie werden nach dem Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingesetzt. Eine Kombination der NSAR (Stufe 1) mit Opioiden (Stufe 2 und 3) ist aufgrund des unterschiedlichen Wirkansatzes sinnvoll.

Opioide haben den Vorteil, nicht organschädigend zu wirken (wie NSAR im Magen/Darm). Die Gefahr der Abhängigkeit ist gering, sofern ein Medikament mit Langzeitwirkung eingesetzt wird, und die festgelegten Einnahmeabstände eingehalten werden. Opioide wirken auch bei neuropathischen Schmerzen (beispielsweise nach Nervenkompression, siehe auch Kapitel 3: Beschwerden). Häufige Nebenwirkungen sind Verstopfung und Übelkeit. Opioide sind immer verschreibungspflichtig.

Muskelentspanner

Muskelrelaxanzien (Myotonolytika, zum Beispiel Tetrazepam) können kurzfristig (nicht länger als zwei Wochen) bei akutem und chronischem nichtspezifischem Kreuzschmerz verordnet werden. Sie wirken am besten gegen muskuläre Verspannungen. Sie werden meistens begleitend zur Schmerztherapie mit NSAR eingesetzt. Zu beachten ist die nachlassende Muskelspannkraft und Reaktionsfähigkeit. Die Teilnahme am Straßenverkehr und das Führen von Maschinen (wie zum Beispiel Gabelstapler) sind deshalb bei verschiedenen Präparaten nicht zu empfehlen. Die Einnahme erfolgt deshalb meistens zur Nacht. Einige Präparate haben eine so lange Wirkungszeit, dass auch am nächsten Morgen die Fahrtüchtigkeit noch eingeschränkt ist. Daher ist in der individuellen Situation eventuell auch eine Krankschreibung erforderlich.

Antidepressiva

Verschiedene als Mittel gegen Depression eingesetzte Wirkstoffe entfalten auch schmerzlindernde Wirkungen und sind zur Behandlung chronischer und neuropathischer Schmerzen zugelassen.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Stephan Lorenz, Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin
  • Endredaktion und Qualitätssicherung Barmer: Dr. med. Ursula Marschall, Claudia Tobis
  • Letzte Aktualisierung: 22.02.2017 

Literatur

Weiterführende Informationen

Webcode dieser Seite: s000740 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 14.03.2017 Letzte Aktualisierung am: 10.12.2018
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