Formen akuter Rückenschmerzen

Bei den meisten Menschen schmerzt es in den unteren Wirbelsäulenabschnitten, umgangssprachlich dem "Kreuz". Aber Rückenschmerzen können sich auch an anderen Stellen bemerkbar machen und bis in die Glieder fahren. Wir stellen kurz die häufigsten Formen akuter Rückenschmerzen vor.

Eine Frau neigt sich zur Seite

Die plötzlich auftretenden Schmerzen im Rückenbereich unterhalb des Rippenbogens und oberhalb der Gesäßfalte werden als Kreuzschmerzen (Lumbalgien) bezeichnet. Sie zählen zu den häufigsten Beschwerden überhaupt: Etwa vier von zehn Frauen und drei von zehn Männern in Deutschland berichten von Kreuzschmerzen innerhalb der vergangenen Woche. Menschen zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr trifft es am häufigsten.
Von einem Hexenschuss spricht man, wenn der Schmerz im Kreuz plötzlich und stechend einschießt (Lumbago). Auslöser können beispielsweise Drehen, Bücken, Aufrichten oder das Heben von Lasten sein. Die Rückenmuskeln sind plötzlich so verspannt, dass die Bewegung wie eingefroren und gesperrt ist. Häufig sind die "Getroffenen" nicht mehr in der Lage, ihren Rücken zu strecken. Die Schmerzen strahlen in der Regel nicht ins Bein aus. Ein Hexenschuss wird nicht durch Bandscheibenschäden ausgelöst.
Beim Ischiasschmerz (der Ischialgie) strahlt der Schmerz ins Bein aus. Der Name stammt vom Ischiasnerv, der von der Lendenwirbelsäule an der Oberschenkelrückseite bis zum Fuß verläuft. Eine Reizung oder Verengung des Ischiasnerven, meist an der Nervenwurzel, kann auch zu Kribbeln oder Schwäche im betroffenen Bein führen.

 Auch abgenutzte Bandscheiben können Nervenreizungen verursachen: Wölbt sich die intakte Bandscheibe in den Rückenmarkskanal, spricht man von einer Bandscheibenprotrusion.
Beim Bandscheibenvorfall (Prolaps) reißt der Faserring der Bandscheibe ein und der gallertartige Kern tritt in den Rückenmarkskanal aus. In beiden Fällen drücken Teile der Bandscheibe auf die benachbarten Nerven. Dies kann – muss aber nicht! – zu Schmerzen oder zu Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl führen. Eine plötzlich aufgetretene Schwäche beim Heben des Fußes kann auch durch einen Bandscheibenvorfall hervorgerufen werden. Ursache eines Bandscheibenvorfalls sind vor allem Bewegungsmangel und Übergewicht. Bandscheibenvorfälle ereignen sich meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, danach seltener.

Mit zunehmendem Alter bilden sich oft knöcherne Auswüchse (Hypertrophie) an Wirbelkörpern und den Wirbelgelenken. Die Wirbelbogengelenke können sich wie alle Gelenke abnutzen (Arthrose). Diese knöchernen degenerativen Veränderungen können den Wirbelkanal (Spinalkanalstenose) und/oder die Zwischenwirbellöcher einengen. Ähnlich wie beim Bandscheibenvorfall kommt es zur Nervenwurzelkompression mit Schmerzen und neurologischen Ausfällen (radikuläres Syndrom). Da die "Nervenengpässe" vorwiegend im Bereich der Lendenwirbel entstehen, sind Kreuzschmerzen, aber auch Schmerzen und Schwäche in den Beinen eine mögliche Folge. Die Spinalkanalstenose zeigt solche neurologischen Ausfälle oft erst nach längerer Belastung (Gehen). Leichtes Vorbeugen erweitert den Spinalkanal und führt damit zu einer Verminderung der Nervenreizung.
Rückenschmerzen durch Osteoporose treten vor allem dann auf, wenn es durch die verminderte Knochendichte zu Wirbelkörperbrüchen kommt. Je nach Ausmaß des bereits erfolgten Knochenabbaus kann der Wirbelkörper schon bei alltäglichen Bewegungen brechen. Deshalb muss eine Osteoporose gezielt behandelt werden; Bewegungstraining wie beispielsweise Wirbelsäulengymnastik ist dabei nur ein Baustein. In Deutschland haben nach eigenen Angaben, 8 von 100 Männern und 13 von 100 Frauen im Alter von 60 bis 69 Jahren eine Osteoporose-Diagnose erhalten.
Auch ein Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) kann für eine Nervenkompression mit der Folge von Rückenschmerzen verantwortlich sein. Dabei verschieben sich meistens der fünfte Lendenwirbel und das Kreuzbein gegeneinander, der Lendenwirbel rutscht nach vorne. Wirbelgleiten kann von Geburt an bestehen oder stellt sich abnutzungsbedingt nach dem 50. Lebensjahr ein.
In seltenen Fällen schließlich werden Rückenschmerzen ausgelöst durch Entzündungen, Infektionen oder gar durch Tumoren. Deshalb sollten Sie bei neu auftretenden oder länger als sechs Wochen bestehenden Rückenschmerzen auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

 

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Überarbeitung: Internetredaktion Barmer
  • Medizinische Qualitätssicherung durch: Dr. Med. Stephan Lorenz, Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin
  • Endredaktion und Qualitätssicherung Barmer: Claudia Tobis, Dr. Med. Utta Petzold

Literatur

  • PatientenLeitlinie zur Nationalen Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz, (Abruf vom 09.09.2015)
  • Leitlinie Osteologie: Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei Erwachsenen, 2009
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 4. Auflage, 2008.
  • Stiftung Warentest. Das Rückenbuch. Berlin, 2010.
  • Barmer: Rücken aktiv - Bewegen statt schonen, 032015

 

 

Webcode dieser Seite: s000734 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 14.03.2017 Letzte Aktualisierung am: 25.07.2017
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