Eine Frau stützt den schmerzenden Rücken

Chronische Rückenschmerzen

Halten Rückenschmerzen länger an, können sie chronisch werden. Erfahren Sie, welche Ursachen chronischer Rückenschmerz haben kann und wie damit umgegangen werden sollte.

Wann werden Rückenschmerzen chronisch?

Bei neun von zehn Menschen gehen unspezifische Kreuzschmerzen – die häufigste Form von Rückenschmerzen – binnen sechs Wochen vorbei. Bei 2 bis 7 von 100 Menschen halten sie länger als drei Monate an – sie sind chronisch geworden. Wechseln sich chronische Rückenschmerzen mit beschwerdefreien Zeiten von über sechs Monaten Dauer ab, spricht man von chronisch-rezidivierenden (anhaltend-wiederkehrenden) Schmerzen. Bessern sich die Beschwerden über zwölf Wochen nicht, soll der Arzt neben körperlichen Untersuchungen auch psychische und soziale Einflüsse prüfen. Denn man weiß heute, dass alle diese Faktoren die Empfindung von Rückenschmerzen beeinflussen. Entsprechende Warnhinweise oder wie Medizinexperten sagen „bio-psycho-soziale Risikofaktoren“, werden “gelbe Flaggen“ (yellow flags) genannt. Mit Hilfe spezieller Fragebögen können diese Faktoren und auch individuelle Krankheitsüberzeugungen erfasst werden.

Gelbe Flaggen: Risiken für chronischen Schmerz

Auf biologischer Ebene kann Rückenschmerz zur Ausbildung einer Neuropathie und eines Schmerzgedächtnisses führen. Bei der Neuropathie wird der Nerv selbst zur Quelle des Schmerzes. Einengungen (Kompression) von Nerven durch Knochen (zum Beispiel bei der Spinalkanalstenose) oder Bandscheibengewebe (zum Beispiel bei Bandscheibenvorwölbung oder -vorfall) führen zu anhaltenden Schmerzen. Die Nerven werden durch den ständigen Druck beschädigt. Dies führt zum massiven Aussenden von Schmerzsignalen. Die Signale werden vom Rückenmark über spezielle Schmerzbahnen an das Gehirn weitergeleitet. Wiederholt sich ein Schmerzreiz immer wieder, setzt ein Lernprozess ein. Unser Zentralnervensystem verknüpft den Ort Rücken mit der Empfindung Schmerz. Nun schmerzt der Rücken auch dann, wenn er unversehrt ist. Diesen "Schmerz ohne Auslöser" können Wissenschaftler über die Messung von Nervenströmen nachweisen. Er ist also nicht eingebildet, sondern ganz real. Mit Gehirnscans lässt sich zeigen, wie sich entsprechende Aktivitätsmuster im Gehirn verändern. Der Schmerz hat sich im Gehirn eine Gedächtnisspur gegraben. Als psychosoziale Risikofaktoren für eine mögliche Chronifizierung (anhaltende Schmerzen länger als 3 bis 6 Monate) gelten:

  • Depressionen
  • Negativer Stress in Arbeit/Beruf (Distress)
  • Hilf- und Hoffnungslosigkeit (Katastrophisieren)
  • Ausgeprägte, falsche Schonhaltung
  • Bewegungsvermeidung aus Angst vor Schmerz (Angst-Vermeidungs-Verhalten)
  • Ausblenden seelischer Belastungen und ihre Umdeutung in körperliche Symptome (Somatisierung)

Berufliche Umstände können ebenfalls zur Schmerz-Chronifizierung beitragen. Dazu gehören schwere körperliche Arbeit, starre Körperhaltung, berufliche Unzufriedenheit, Mobbing oder der drohende Verlust des Arbeitsplatzes. Auch Ärzte können Beschwerden ungewollt verlängern, etwa indem sie körperliche Befunde bei nichtspezifischem Schmerz überbewerten, zu früh und zu viele Röntgenuntersuchungen anordnen, keine aktive Bewegung empfehlen oder zu lange krank schreiben.

Schließlich stehen auch die "üblichen Verdächtigen" wie Rauchen, Übergewicht und eine schlechte körperliche Kondition im Verdacht, den Rückenschmerz chronisch werden zu lassen.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung durch: Dr. Med. Stephan Lorenz, Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin
  • Endredaktion und Qualitätssicherung Barmer: Claudia Tobis, Dr. Med. Utta Petzold
  • Letzte Aktualisierung: 21.02.2017

Literatur

  • PatientenLeitlinie zur Nationalen Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz, Version 2; 06.08.2013, Abruf: 21.02.2017
  • Nationale VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz – Kurzfassung. Version 5, zuletzt geändert: Oktober 2015:
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Osteologie: Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei Erwachsenen, 2009
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie
  • Diemer, Sutor: Praxis der medizinischen Trainingstherapie I. Georg Thieme Verlag, 2011.
  • Benrat, Hatzenbühler, Fresenius, Heck: Repetitorium Schmerztherapie. Springer-Verlag, 2015.
  • Fuchs J, Rabenberg M, Scheidt-Nave C. Prävalenz ausgewählter muskuloskelettaler Erkrankungen. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2013; 56(5-6): 678-686.
  • Stiftung Warentest. Das Rückenbuch. Berlin, 2010
  • Rücken aktiv – Bewegen statt schonen. BARMER Broschüre, 2017

Weiterführende Informationen


 

Webcode dieser Seite: s000725 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 14.03.2017 Letzte Aktualisierung am: 10.12.2018
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