Ärztin mit Patient bei der Auswertung

Arztbesuch bei Rückenschmerzen

So sehr sie uns quälen, gefährlich sind Rückenschmerzen selten. Bei manchen Symptomen sollten Sie jedoch unverzüglich zum Arzt gehen. Vorbereitung macht den Arzttermin effektiver.

Wann sollten Sie bei Rückenschmerzen zum Arzt gehen?

Im Jahr 2016 haben mehr als 51 Prozent der deutschen Bevölkerung vom Arzt eine Muskel-Skeletterkrankung diagnostiziert bekommen. Dies entspricht knapp 42 Millionen Betroffenen in Deutschland. Nicht jeder Rückenschmerz macht einen Arztbesuch  erforderlich. In bestimmten Fällen sollte ein Arztbesuch jedoch nicht aufgeschoben werden.

Ein Arzttermin wird dann nötig, wenn die Beschwerden erstmalig auftreten, wenn sie länger als sechs Wochen anhalten, wenn sie wiederkehren oder schlimmer werden, wenn sie besonders quälend sind, oder wenn Vorbeuge- und Behandlungsratschläge nicht weiterhelfen. Zudem gibt es eine Liste von Alarmzeichen, die auf mögliche bedeutende Schäden von Wirbeln und Nerven hindeuten. Mediziner haben sie als "Rote Flaggen" (red flags) bei Rückenschmerzen zusammengefasst:

  • Zunehmende Muskelschwäche oder -lähmung an Armen oder Beinen
  • Unfähigkeit, Urin oder Stuhl bei sich zu halten (Kauda-Syndrom)
  • Rote Flaggen betreffen auch Vorerkrankungen und Behandlungen, die Sie auf Anhieb nicht mit Ihren Rückenschmerzen in Verbindung bringen
  • Unfreiwilliger Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Schmerz vor allem nachts, Tumorleiden in der Vorgeschichte
  • Kürzlich aufgetretenes Fieber/Schüttelfrost, durchgemachte bakterielle Erkrankung, immunsuppressive Medikamente
  • vorangegangener Unfall oder Sturz bei höherem Alter, bekannter Osteoporose oder langfristiger Cortison-Therapie

Treten solche Warnhinweise auf, ist eine ärztliche Untersuchung umgehend erforderlich. Durch eine Befragung (Anamnese) und eine körperliche Untersuchung kann Ihr Arzt/Ihre Ärztin gefährliche Ursachen von Rückenproblemen fast immer erkennen bzw. ausschließen.

Was muss der Arzt erfahren? Das Arzt-Patienten-Gespräch

Am Anfang der Untersuchung steht ein ausführliches Gespräch, die Anamnese. Ihr Arzt sollte möglichst viel über Ihren Rückenschmerz und seine Umstände erfahren. Er sollte Sie nach den Alarmzeichen (Rote Flaggen) und gegebenenfalls auch nach Risikofaktoren der Chronifizierung (Gelbe Flaggen) fragen. Bei einigen Fragen denken Sie möglicherweise: was hat dies mit dem Rückenschmerz zu tun? Am besten ist aber, Sie teilen Ihrem Arzt vertrauensvoll alle Ihre Beobachtungen und Erfahrungen mit. Es geht vor allem um folgende Fragen:

  • Wo haben Sie Schmerzen? Strahlen sie aus?
  • Haben Sie Gefühlsstörungen? Haben Sie einen Kraftverlust
  • Wann sind Ihre Beschwerden erstmalig aufgetreten?
  • Lag ein Sturz, Unfall oder eine andere Gewalteinwirkung vor
  • Hatten Sie schon früher einmal Rückenschmerzen?
  • Wodurch werden die Beschwerden stärker oder schwächer (Bewegung/Ruhe, Wärme/Kälte)?
  • Wie ist der zeitliche Verlauf der Schmerzen (tagsüber, nachts)?
  • Haben sich die Schmerzen in den letzten Tagen/Wochen/Monaten verändert?
  • Wie stark sind die Schmerzen? Schränken sie Sie bei täglichen Verrichtungen ein?
  • Wie sind Sie bisher behandelt worden?
  • Bewegen Sie sich regelmäßig, treiben Sie Sport?
  • Leiden Sie an einer psychischen Erkrankung, etwa einer Depression?
  • Haben Sie Stress, Ängste oder fühlen sich häufig angespannt/überarbeitet?

Stellen Sie sich auf diese möglichen Fragen schon zu Hause ein. Ihre offene und genaue Beantwortung hilft Ihrem Arzt, die richtige Diagnose zu stellen und so bald wie möglich die für Sie richtige Behandlung einzuleiten. Machen Sie sich gegebenenfalls Notizen, um nichts Wichtiges zu vergessen. Das macht es auch einfacher, sich auf das Gespräch zu konzentrieren.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Stephan Lorenz, Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin
  • Endredaktion und Qualitätssicherung Barmer: Dr. med. Ursula Marschall, Claudia Tobis
  • Letzte Aktualisierung: 22.02.2017

Literatur

  • Nationale VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz – Kurzfassung. 1. Auflage Version 5 vom Januar 2011, zuletzt geändert: Oktober 2015 (Abruf: 22.02.2017)
  • PatientenLeitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz, Version 2; 06.08.2013: (Abruf: 22.02.2017)
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, (Abruf: 22.02.2017)
  • MSD Manual, Urban & Fischer Verlag, München, 7. Auflage 2007
  • medizinisches Wissens-netzwerk evidence.de der Universität Witten/Herdecke  (Abruf: 22.02.2017Bitzer, E.M., Lehmann, B., Bohm, S., Priess, H.-W.; BARMER GEK Report Krankenhaus 2015
  • Grobe, T.G., Steinmann, S., Szecsenyi, J.; BARMER Arztreport 2017
  • Rücken aktiv – Bewegen statt schonen. Barmer Broschüre, 2017

Weiterführende Informationen

  • BARMER Broschüre: Rücken aktiv – Bewegen statt schonen, 2017
  • PatientenLeitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz, Version 2; 06.08.2013, (Abruf: 22.02.2017)
  • Stiftung Warentest. Das Rückenbuch. Berlin, 2010
  • medizinisches Wissens-netzwerk evidence.de der Universität Witten/Herdecke (Abruf: 22.02.2017)
Webcode dieser Seite: s000719 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 14.03.2017 Letzte Aktualisierung am: 25.07.2017
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