Tabletten werden in eine Hand geschüttet

In welcher Form gibt es Medikamente?

Arzneimittel können flüssig, halbfest oder fest sein, je nachdem wie sie angewendet werden sollen. Eine Salbe muss halbfest sein, damit sie eingerieben werden kann, eine Tablette fest, weil sie geschluckt werden soll. Gespritzt werden können nur Flüssigkeiten. Ein und derselbe Wirkstoff kann in verschiedenen Formen, den sogenannten Darreichungsformen, verwendet werden, zum Beispiel als Schmerzsalbe und als Schmerztablette.

Es gibt viele Arzneimittel, die nicht nur als Tabletten sondern auch flüssig angeboten werden, beispielsweise als Tropfen, Saft oder Sirup. Doch wo ist der Unterschied und wie wird welches Arzneimittel richtig angewendet?

Tabletten

Die meisten Medikamente werden in Form von Tabletten eingesetzt. Zumeist müssen sie mit viel Wasser, am besten Leitungswasser eingenommen werden, damit sie sich im Magen auflösen können und nicht in der Speisröhre kleben bleiben. Bei einigen Tabletten reicht eine einmal tägliche Einnahme aus, andere wiederum werden mehrmals täglich eingenommen. Einige Tabletten dürfen geteilt werden, bestimmte Tabletten jedoch nicht, obwohl sie eine Rille in der Mitte haben. Das ist dann einfach eine Schmuckrille. Einige Tabletten und Kapseln sind zu groß um von Menschen mit Schluckbeschwerden oder Kindern eingenommen zu werden. Es gibt viele Arzneimittel, die nicht nur als Tabletten sondern auch flüssig angeboten werden, beispielsweise als Tropfen, Saft oder Sirup.

Fragen Sie Ihren Arzt, wenn Sie unter Schluckbeschwerden leiden. Falls es keine Alternative zur Tablette gibt, sollte man schon vor der eigentlichen Einnahme einen Schluck trinken, um die Mundschleimhaut zu befeuchten. Das lässt die Tablette leichter gleiten. Zudem sollte man mindestens 200 Milliliter Flüssigkeit (ein großes Glas) trinken, damit kein Wirkstoff am Rachen oder der Speiseröhre kleben bleibt. Am besten geeignet ist Leitungswasser. Getränke wie Kaffee, Saft oder Milch hingegen können die Wirksamkeit des Arzneimittels beeinflussen. Manchmal ist es aber auch ratsam, Tabletten mit einer anderen Flüssigkeit als Leitungswasser einzunehmen. Beispielsweise wird Eisen besonders gut vom Körper aufgenommen, wenn Sie es mit einem Glas Orangensaft einnehmen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt und Apotheker beraten, wie Sie ein verordnetes Medikament am besten einnehmen.

Tabletten sind nicht immer klein, weiß und rund. Es gibt viele verschiedene Varianten.

Brausetabletten werden in einem Glas Wasser aufgelöst und getrunken. Viele Mineralstoffpräparate wie Magnesium-, Calcium- und Zink-Präparate werden ebenso wie Schmerzmittel und Hustenlöser als Brausetabletten angeboten. Sie wirken in der Regel schneller als normale Tabletten und sind schonender für den Magen. Brausetabletten sind eine gute Alternative für Menschen mit Schluckbeschwerden.

Einige Tabletten benötigen einen schützenden Überzug, damit sie sich nicht im stark sauren Magensaft auflösen. Die Magensäure würde den Wirkstoff zerstören. Film- bzw. Lacktabletten sowie Dragees haben oft einen sogenannten magensaftresistenten Überzug. Der Überzug löst er sich erst im leicht sauren bis basischen Milieu im Dünndarm auf und der Wirkstoff kann unbeschadet vom Körper aufgenommen werden.

Auch die sogenannten Retardtabletten gehören zu den überzogenen Tabletten. Bei diesen wird der Wirkstoff nicht sofort, sondern langsam verteilt über den Tag abgegeben. So ist ein gleichmäßiger Wirkstoffspiegel im Blut sichergestellt und der Patient muss täglich weniger Tabletten schlucken.

Es gibt auch Tabletten, die sogenannten Zweischichttabletten, die einen Teil des Wirkstoffs schnell und einen Teil langsam freisetzen. Diese spezielle Darreichungsform wird bei Schmerzmitteln eingesetzt, wenn eine schnelle Schmerzstillung notwendig ist und der Körper gleichzeitig über den gesamten Tag mit dem Schmerzmittel versorgt werden soll.

Ein Überzug kann noch viele weitere Aufgaben haben, beispielsweise einen schlechten Geschmack überdecken oder den Wirkstoff vor Licht schützen. Überzogene Tabletten müssen mit viel Flüssigkeit eingenommen und dürfen nicht geteilt werden.

Nicht alle Tabletten werden direkt hinuntergeschluckt. Lutschtabletten wie Halsschmerztabletten werden langsam gelutscht ohne sie zu zerbeißen.

Sublingualtabletten werden ohne Wasser eingenommen. Sie werden in die Wangentasche oder unter die Zunge gelegt. Das Wort „sublingual“ kommt aus dem Lateinischen und setzt sich aus den beiden Worten „sub“ (unter) und „lingua“ (Zunge) zusammen. Sublingualtabletten lösen sich ganz von alleine und vollständig auf. Der Wirkstoff wird direkt und schnell von der Mundschleimhaut aufgenommen und muss nicht erst den Magen-Darm-Trakt passieren. Sublingualtabletten werden in der Schmerztherapie und auch zur Hyposensibilisierung bei allergischen Beschwerden eingesetzt. Werden Sublingualtabletten aus der Packung entnommen, müssen die Hände trocken sein, weil sich die Tabletten bei Feuchtigkeit schnell auflösen.

Schmelztabletten werden ohne Wasser eingenommen. Sie werden auf die Zunge gelegt, wo sie zerfallen, sich aber im Gegensatz zu den Sublingualtabletten nicht vollständig auflösen. Der Tablettenbrei wird mit dem Speichel hinuntergeschluckt. Werden Schmelztabletten aus der Packung entnommen, müssen die Hände trocken sein, weil sich die Tabletten bei Feuchtigkeit schnell auflösen.

Einige Wirkstoffe werden in Kapseln angeboten. Kapseln haben den Vorteil, dass sie sehr gut eingefärbt werden können und damit Verwechslungen vermieden werden. Weiterhin sorgt die Kapselhülle dafür, dass der Wirkstoff gut geschützt ist und ein schlechter Geschmack oder Geruch verdeckt wird. Die Kapsel kann bei Bedarf auch einen Überzug erhalten, der gegen die stark zersetzende Magensäure schützt. Kapseln dürfen nicht zerkaut, sondern müssen mit viel Leitungswasser geschluckt werden. Da die Kapselhülle meist aus Gelatine besteht, könnte die Kapsel ansonsten in der Speiseröhre kleben bleiben. Vorsicht ist geboten, wenn Menschen mit Schluckbeschwerden Kapseln öffnen und der Inhalt in einem Glas Wasser aufgelöst wird. Dies sollte nur nach Rücksprache mit dem Apotheker oder Arzt erfolgen, denn im schlimmsten Fall könnte das Medikament bei dieser Anwendung wirkungslos werden oder viel stärker wirken.

Pulver und Granulate

Neben Tabletten und Kapseln werden als feste Arzneiform auch Pulver und Granulate angeboten. Granulate werden aus Pulver und einem Bindemittel hergestellt. Dadurch sind sie grobkörniger und je nach Bedarf besser dosierbar und wasserlöslich. Meist werden Pulver und Granulate in Leitungswasser aufgelöst, bevor sie eingenommen werden. Es gibt Antibiotika und Schmerzmittel, die als trockenes Granulat in eine Flasche gefüllt und vor der ersten Anwendung mit Leitungswasser aufgefüllt werden. Diese Säfte werden als Trockensaft bezeichnet. Wenn Sie bei der Zubereitung unsicher sind, hilft man Ihnen in Ihrer Apotheke gerne weiter.

Tropfen

Tropfen enthalten den Arzneistoff meist in gelöster Form. Neben Augen-, Nasen- und Ohrentropfen gibt es auch Tropfen zum Einnehmen. Letztere werden entweder pur oder in Leitungswasser eingenommen, manchmal auch auf einem Stückchen Würfelzucker. Es ist gar nicht so einfach, ein Tropfenfläschchen richtig zu handhaben. Einige Fläschchen müssen senkrecht, andere wiederum schräg gehalten werden. In der Packungsbeilage finden Sie genaue Hinweise für die Anwendung. Dort steht zum Beispiel auch, ob Sie die Flasche vor der Anwendung gut schütteln müssen und ob die Tropfen kühl gelagert werden sollen. Gerne wird man Ihnen auch Ihrer Apotheke weiterhelfen und Ihnen die Anwendung und Aufbewahrung erklären.

Saft und Sirup

Saft und Sirup sind dickflüssiger als Tropfen und werden besonders gern bei Kindern verwendet. Meist schmecken sie recht gut, so dass heutzutage kein Kind mehr eine bittere Medizin schlucken muss. Über spezielle Dosierlöffel, die immer der Packung beiliegen, kann dem Alter und Gewicht des Kindes entsprechend dosiert werden. Ein Sirup ist eine dickflüssige Lösung, die Zucker enthält. Trockensäfte müssen mit Leitungswasser aufgefüllt werden. Manchmal entsteht eine trübe Mischung, die als Suspension bezeichnet wird. Suspensionen müssen vor jedem Gebrauch gut geschüttelt werden, weil sich durch die Lagerung der Wirkstoff am Boden absetzt. Zubereitete Trockensäfte sind nur begrenzt haltbar und sollten zumeist im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Extrakt

Pharmazeutische Extrakte sind Auszüge und Konzentrate, die meist aus getrockneten Pflanzen mit Hilfe verschiedener Lösungsmittel gewonnen werden. Die Lösungsmittel trennen die gewünschten Inhaltstoffe vom übrigen Pflanzenmaterial. Extrakte können flüssig oder fest sein oder eine cremige Konsistenz haben. Ein wässriger Extrakt, den jeder kennt, ist der Tee.

Infusionen und Injektionen

Es gibt Wirkstoffe, die nicht geschluckt werden können, weil sie über das Verdauungssystem abgebaut werden. Sie können dann als Injektion gespritzt oder als Infusion verabreicht werden. Bei der Injektion gibt es verschiedene Möglichkeiten. Der Wirkstoff kann direkt in die Venen (intravenös) verabreicht werden, in einen Muskel (intramuskulär) oder unter die Haut (subkutan) gespritzt werden. Die Infusion bringt den Wirkstoff direkt in die Vene. Bei der intravenösen Anwendung wirkt das Medikament sehr schnell. Die Venen transportieren das mit dem Wirkstoff angereicherte Blut zum Herzen. Anschließend gelangt das Blut über die Arterien vom Herzen weg in den gesamten Körper und verteilt dabei den Wirkstoff. Intravenös werden einige Antibiotika und Schmerzmittel angewendet. Wirkstoffe, die intramuskulär gespritzt werden, werden langsamer freigesetzt als bei der intravenösen Anwendung. Beispielsweise werden einige Impfstoffe, Schmerzmittel oder Hormonpräparate intramuskulär gespritzt. Während die intravenöse und intramuskuläre Anwendung im Krankenhaus oder der Arztpraxis erfolgt, können sich Patienten bestimmte Medikamente selbst unter die Haut (subkutan) spritzen. Die Insulin- und Heparin-Fertigspritzen gehören dazu.

Salbe

Salben sind streichfähige und fettreiche Zubereitungen. Sie können je nach Zusammensetzung Wasser aufnehmen. Salben werden auf die Haut oder Schleimhaut aufgetragen. Manchmal dienen sie einfach dem Hautschutz. Windel-Salben gehören dazu. Salben, die der Arzt verordnet, enthalten aber meist Wirkstoffe, die entweder die Haut selbst heilen oder über die Haut aufgenommen werden sollen. Salben mit Kortison helfen beispielsweise wenn die Haut entzündet ist. Salben mit dem Wirkstoff Diclofenac können bei schmerzenden Gelenken eingesetzt werden. Der Wirkstoff gelangt über die Haut zu der schmerzenden Stelle. Viele Hautärzte verordnen Salben, die speziell für den Patienten in der Apotheke angefertigt werden. Der Wirkstoff wird dabei in eine wirkstofffreien Salbengrundlage eingearbeitet.

Creme

Cremes bestehen aus einer fettigen und einer wasserhaltigen Phase. Entweder ist die fettige in der wasserhaltigen Phase tröpfchenweise verteilt oder die wasserhaltige in der fetten Phase. Im ersten Fall spricht man von einer "Öl in Wasser" Emulsion (O/W - Emulsion), im zweiten Fall von einer "Wasser in Öl" Emulsion (W/O - Emulsion). Oft sind Cremes weicher als Salben und ziehen besser in die Haut ein.

Pflaster

Pflaster werden nicht nur als Schutz für Wunden verwendet. Es gibt auch Pflaster, die Wirkstoffe enthalten und diesen langsam über die Haut an den Körper abgegeben. Stark wirksame Schmerzmittel und Hormone werden über Pflaster verabreicht. Wirkstoffhaltige Pflaster dürfen nur auf unverletzte, trockene und saubere Haut aufgeklebt werden. Sie sollten möglichst nicht auf behaarte Haut geklebt werden. Wenn Haare entfernt werden müssen, sind diese mit der Schere wegzuschneiden und nicht zu rasieren. Denn jede Rasur schädigt die oberste Hautschicht – auch mit Klingenschutz. Wenn ein Pflaster verbraucht ist, sollte das nächste wegen der möglichen Hautreizung an den Kleberändern auf eine andere Stelle geklebt werden. Wirkstoffhaltige Pflaster dürfen nicht zerschnitten werden.

Pulverinhalatoren und Dosieraerosole

Pulverinhalatoren und Dosieraerolsole werden bei Atemwegserkrankungen wie dem Bronchialasthma und der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) zur Therapie eingesetzt. Bei den Pulverinhalatoren wird der pulvrige Wirkstoff mit Hilfe eines Treibgases inhaliert. Bei den Dosieraerosolen liegt der Wirkstoff meist flüssig vor und wird mit einem Treibgas zu einem feinen Nebel, der eingeatmet wird, zerstäubt.

 

Webcode dieser Seite: s000909 Autor: Barmer Erstellt am: 28.08.2018 Letzte Aktualisierung am: 28.08.2018
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