Vom Klein- zum Vorschulkind

Eben noch war der kleine Mensch völlig auf seine Eltern angewiesen, musste getragen, gewickelt und gefüttert werden. Doch in der nun folgenden Zeit erobern sich Kinder immer mehr Freiraum. Sie lernen laufen, sprechen und entdecken ihre Umgebung.

Eine Persönlichkeit entwickelt sich

Dieser Drang zur Bewegung ist wichtig, denn im gleichen Maße entwickeln sich auch die Wahrnehmung und die kognitiven (den Verstand betreffend), emotionalen (die Gefühlswelt betreffend) und sozialen (das Miteinander betreffend) Fähigkeiten. Kurz: Die Kleinen werden immer mehr zu eigenen Persönlichkeiten. Dabei hat jedes Kind sein eigenes Tempo und seine eigene Reihenfolge, in der es etwas lernt.

18. Monat bis 2 Jahre: Das Ich erkennen

In dieser Zeit geschieht ein wichtiger und spannender Entwicklungsschritt – das Kind entdeckt sich selbst. Wenn es sich im Spiegel ansieht, erkennt es irgendwann, dass es sich selbst sieht.

Es ist gut, dem Kind immer wieder neue Spielangebote zu machen, denn es saugt neue Eindrücke wie ein Schwamm in sich auf. Spielen ist wichtig, denn das wirkt sich günstig auf die geistige, soziale und emotionale Entwicklung und auf Bewegung und Beweglichkeit (motorische Entwicklung) aus.

Hände und Füße werden in dieser Zeit ausgiebig auf die Probe gestellt. Kinder krabbeln und laufen, sie beginnen auch zu klettern. Wichtig ist, dass sie dabei Erfahrung mit dem Fallen machen. Dies stärkt die spätere Bewegungssicherheit und das Gleichgewicht. Lauflernhilfen sind nicht nur gefährlich im Hinblick auf ein mögliches Verletzungsrisiko während des Gebrauchs, sie verhindern auch, dass Kinder lernen nach vorn zu fallen und sich dabei abzustützen.

2 bis 2 ½ Jahre: Mitgefühl erwacht

Die Bewegungen des Kindes werden zunehmend zielsicherer (feinmotorischer). Das selbstständige Essen klappt zum Beispiel jetzt schon recht gut. Gleichzeitig findet auch emotional eine Feinabstimmung statt – Kinder entdecken das Mitgefühl. Eltern erleben deswegen jetzt viele rührende Momente.

Die Zahl der Verbindungen zwischen den Nervenzellen entspricht jetzt schon der von Erwachsenen und wird sich bis zum dritten Lebensjahr noch verdoppeln. Erst im Jugendalter werden diese wieder reduziert. Die Kinder brauchen diese zusätzlichen Kapazitäten, weil sie unheimlich viel lernen.

Das Denken entwickelt sich immer weiter – mitunter bringt das Kind seine eigene Meinung (oder Unwillen) nun sehr stark zum Ausdruck. Nicht immer wird es gut mit den vielen neuen Eindrücken fertig. Deswegen ist es wichtig, Kindern verlässliche und wiederkehrende Abläufe im Alltag zu bieten, an denen sie sich orientieren können.

2 ½ bis 3 Jahre: Wie die Großen

Das Kind beobachtet seine Umgebung genau und ahmt Verhalten nach, das es sehen kann. Gleichzeitig probt der Nachwuchs in ersten Rollenspielen häusliche Szenen nach. Die Geschicklichkeit in der Bewegung (motorische Geschicklichkeit) ist nun schon ziemlich ausgeprägt, beim Basteln kommen zum Teil erstaunliche Ergebnisse zustande.

Das Kind hat viel Interesse am eigenen Körper und geht auf Entdeckungsreise. Selbstbefriedigung kann auftreten und ist völlig normal. Eltern, die diesem Verhalten ohne Schamgefühl begegnen und offen über den menschlichen Körper sprechen, können einen wichtigen Grundstein legen, damit das Kind später eine erfüllende Sexualität erlebt.

Die berühmte "Warum"-Phase ist in vollem Gange - das Kind will immer mehr wissen und fragt seinen Eltern Löcher in den Bauch. Gleichzeitig testet es so die elterliche Belastungsgrenze aus. Eltern dieser Altersgruppe werden bestätigen, dass auch die "Trotz"-Phase, die "kleine Pubertät" jetzt ihren Höhepunkt hat. Denn das Kind muss erst lernen, dass die gerade entdeckten Wünsche und Ziele nicht alle in Erfüllung gehen können.

3 bis 3 ½ Jahre: Erste Freundschaften

"Ich will mich alleine anziehen" – diesen Wunsch zur Selbstbestimmung erleben Kinder meist in diesem Alter. Auch im Kontakt mit anderen kann sich Ihr Sprössling jetzt behaupten. Ein wichtiger Schritt, da mit dem 3. Geburtstag für viele auch die Kindergartenzeit beginnt. Das Kind knüpft – nicht nur dort - viele Kontakte und lernt, dass Beziehungen Regeln unterliegen. Erste Freundschaften entstehen. Dabei wird munter miteinander geplappert, denn die kindliche Grammatik vervollständigt sich weiter. Gut so, denn der Mitteilungsdrang ist jetzt enorm.

Durchschnittlich im Laufe des dritten Lebensjahres äußern die Kinder den Wunsch, dass sie ohne Windeln bleiben möchten. Das ist ein ideales Startsignal, um mit dem "Töpfchentraining" zu beginnen. Wird zu früh damit begonnen, so haben Studien gezeigt, stellt sich der Erfolg keineswegs eher ein.

3 ½ bis 4 Jahre: Die Welt erklären

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – das Kind hat nun einen Bezug zur Zeit und lernt Ereignisse einzuordnen. Ab dem 3. bis 4. Lebensjahr beginnt auch das Gedächtnis so zu funktionieren, dass gemachte Erfahrungen und Erlebnisse später erinnert werden. Denn um Sachen zu erinnern, müssen ein gewisser Wortschatz und Wortbedeutungen bekannt sein.

Das kindliche Bewusstsein für Gefahren ist zwar schon deutlich ausgeprägter als in der Zeit davor, aber die Einschätzung erfolgt nicht immer ganz richtig. Ebenso wenig Verlass ist auf den Respekt vor Verboten. Konsequenz seitens der Eltern ist dabei ein wichtiges Gut. Allerdings ist dies nicht immer ganz einfach umzusetzen, denn keiner möchte schließlich dauernd als Spaßbremse auftreten. Wichtig ist, dass Sie mit echten Verboten sparsam umgehen - dann fallen Akzeptanz und Durchsetzung leichter.

4 bis 4 ½ Jahre: Stolze Künstler

Wie einen Sack Flöhe hüten – so kommt vielen Erwachsenen das Zusammenleben mit einem vierjährigen Kind vor. Denn das Körperbewusstsein und der Bewegungsdrang sind jetzt sehr ausgeprägt. Gleichzeitig entdeckt das Kind immer wieder neue Fähigkeiten und möchte diese unbedingt stolz vorführen.

Eltern sind in dieser Phase sehr stark gefordert und sollten deswegen auch ab und zu eine Pause einplanen, damit sie mit dem nötigen Elan und Begeisterung auf die vielen Fortschritte ihres Sprösslings reagieren können.

4 ½ bis 5 Jahre: Alles meins!

Um seinen fünften Geburtstag herum hat der Nachwuchs nun verschiedene wichtige Fähigkeiten erworben, die in der Schule gebraucht werden. Dazu gehört beispielsweise, dass Ihr Kind mit einer Schere eine Linie entlang schneiden sowie mit drei Fingern einen Stift halten kann und ein Gefühl für Formen besitzt.

Dafür ist ihm etwas auf einmal abhandengekommen – der Sinn des Teilens. Für Kinder in diesem Alter spielt Gerechtigkeit nun eine größere Rolle und es wird oftmals nicht eingesehen, warum man jemand anderem etwas abgeben sollte. Aber keine Sorge, das Talent zum Teilen kehrt wieder zurück.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Cornelia Czap, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Allergologie; Dr. med. Utta Petzold, Barmer
  • Endredaktion Barmer: Adda Dumröse, Claudia Tobis

Literatur

Weiterführende Informationen

  • Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP): www.familienhandbuch.de
  • Doris Heueck-Mauß: Das Trotzkopfalter. Der Ratgeber für Eltern von 2- bis 6-jährigen Kindern. Der richtige Umgang mit kindlichen Emotionen. Das Erziehungs-ABC mit Tipps und Strategien; Humboldt Verlag; 7. Auflage (2013)
  • Ute Glaser: Die Eltern-Trickkiste; Gräfe und Unzer Verlag; 1. Auflage (2011)
  • Jesper Juul: Elterncoaching: Gelassen erziehen; Beltz Verlag; 7. Auflage (2016)
  • Gesundheitsinformation.de: Merkblatt "Wie Sie Ihr Kind beim Trocken- und Sauberwerden unterstützen können". (letzter Abruf: 28.12.2016)

 

Webcode dieser Seite: s000089 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 24.05.2013 Letzte Aktualisierung am: 14.08.2017
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