Entwicklung des Schulkindes

Kinder im Vorschul- und Schulalter entwickeln sich schubweise in ganz unterschiedlichem Tempo. Sie verbessern ihre Motorik und ihr Sprachvermögen, entwickeln soziale Fähigkeiten, finden Freunde und werden zunehmend selbstständig – jedes nach seinem eigenen Rhythmus.

Ein Lehrer sitzt am Pult vor einer Schulklasse

Körperliche Entwicklung

Ab dem fünften Lebensjahr werden aus Kleinkindern zunehmend Kinder. Das bisher vorherrschende Kindchenschema mit der gewölbten Stirn und dem übergroßen Kopf tritt langsam in den Hintergrund. Die Milchzähne machen Platz für die bleibenden Zähne. Die Körperproportionen verändern sich, das Körperwachstum und die Geschlechtsentwicklung schreiten voran.

Kinder wachsen ab dem 6. Geburtstag durchschnittlich vier bis sechs Zentimeter im Jahr. Die Wachstumsschübe können von Wachstumsschmerzen begleitet sein, die vor allem am Abend auftreten. Etwa ein Viertel bis die Hälfte aller Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren macht diese unangenehme Erfahrung.

Auch das Gehirn wächst immer weiter – und verbraucht mehr Energie als ein Erwachsenengehirn. Denn Kinder haben in diesem Alter noch viel mehr Nervenverbindungen. So ist ihnen das schnelle Lernen möglich. Bei Sechs- bis Zwölfjährigen vermehrt sich vor allem die Gehirnsubstanz in den hinteren Gehirnregionen. Das bedeutet, ihre sprachlichen Fähigkeiten und ihr räumliches Vorstellungsvermögen verbessern sich immer mehr.

Ausgeprägter Bewegungsdrang

Laufen, springen, toben: Typisch für jüngere Schulkinder ist eine ausgeprägter Bewegungsdrang. Dabei trainieren sie spielerisch auch immer anspruchsvollere Bewegungsabläufe: Sie lernen Bälle zu fangen und gezielt zu werfen, Fahrrad zu fahren, zu schwimmen oder Rollschuhe zu laufen. Bei der Einschulung sind Gleichgewichtssinn, Bewegungskoordination, Geschicklichkeit und rhythmische Bewegungsfähigkeit meist schon gut ausgebildet und werden dann fortwährend weiterentwickelt.

Schnelle Jungs, geschickte Mädels

Mädchen und Jungen unterscheiden sich in ihren körperlichen Fähigkeiten. Schon als Grundschüler zeigen Jungen und Mädchen unterschiedliche sportliche Talente: Jungen schneiden besser bei Übungen ab, die Kraft, Schnelligkeit und räumliches Denkvermögen erfordern, beispielsweise das Springen aus dem Stand. Jungs gehen gerne an ihre Grenzen, vor allem körperlich. Raufen mit Altersgenossen oder dem Vater hilft ihnen dabei, die eigenen Kräfte besser einzuschätzen und sich auszupowern.

Mädchen sind eher bei Aufgaben überlegen, für die das Gleichgewicht und die Körperkoordination wichtig sind – etwa auf einem Bein zu hüpfen oder rückwärts zu balancieren. Auch in der Feinmotorik haben die Mädchen häufig die Nase vorne: Sie können beispielsweise meist besser zeichnen als die Jungs.

Körpergefühl fürs Selbstbewusstsein

Für das Selbstbewusstsein sind auch die körperlichen Fähigkeiten wichtig: Kinder, die gut laufen, Ball spielen oder turnen können, sind stolz auf ihre Fähigkeiten und finden bei anderen Anerkennung. Das Selbstbild der Kinder erweitert sich durch die gemachten Erfahrungen immer weiter. Sie lernen, sich selbst realistischer einzuschätzen, und achten vermehrt darauf, was andere von ihnen denken. Fußball, Ballett oder Schwimmverein – Kinder, die auch außerhalb der Schule ihren sportlichen Neigungen nachgehen, profitieren gleich in mehrfacher Hinsicht: körperlich und psychisch. In dieser Phase sollten Eltern die Interessen ihrer Sprösslinge darum gezielt fördern.

Auf der Schwelle zur Pubertät

Die Pubertät setzt heute deutlich früher ein als noch vor zwanzig Jahren – das gilt für Jungen wie für Mädchen. Zwar folgt der Körper einer inneren Uhr, die überwiegend genetisch getaktet ist. Doch auch äußere Einflüsse wie die Ernährung und das Körpergewicht spielen für den Zeitpunkt, wann die Pubertät startet, eine Rolle. Dabei legen die Mädchen nach wie vor früher los als die Jungen. So ist die erste Regelblutung vor dem zehnten Lebensjahr heute keine absolute Ausnahme mehr. Sie überholen die Jungen in ihrer körperlichen, geistigen und emotionalen Entwicklung und schießen meist auch schneller in die Höhe – mit etwa zwei Jahren Verspätung folgen die Jungen dann.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Cornelia Czap, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Allergologie; Dr. med. Utta Petzold, Barmer
  • Endredaktion Barmer: Adda Dumröse, Claudia Tobis

Literatur

  • Zach U. & Künsemüller, P. (2001). Die Entwicklung von Kinder zwischen dem 6. und 10. Lebensjahr: Theorien und Forschungsbefunde. In: W. E Fthenakis und M. R. Textor (Hrsg.). Online Familienhandbuch. (letzter Abruf: 14.11.2012)
  • Krombholz, H.: Die motorische Entwicklung in Kindesalter – empirische Ergebnisse. In: W. E Fthenakis und M. R. Textor (Hrsg.). Online Familienhandbuch. (letzter Abruf: 14.11.2012)
  • Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP): Wachstumsschmerzen – Wenn das "Großwerden" schmerzt (letzter Abruf: 14.11.2012)

Weiterführende Informationen

  • Berufsverband der Kinder und Jugendärzte: www.kinderaerzte-im-netz.de
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.kindergesundheit-info.de
  • Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP): www.familienhandbuch.de
  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU): www.bmu-kids.de
  • Ute Glaser: Die Eltern-Trickkiste. Gräfe und Unzer Verlag, 1. Auflage (2011)
  • Oggi Enderlein: Große Kinder - Die aufregenden Jahre zwischen 7 bis 13; Deutscher Taschenbuch Verlag; 5. Auflage (2010)

 

Webcode dieser Seite: s000090 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 24.05.2013 Letzte Aktualisierung am: 14.08.2017
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