Piepen im Ohr nach Konzerten, Festivals oder Clubbesuch

Am „Tag danach“ hat man ein Brummen, Rauschen oder Pfeifen im Ohr? Für Viele ist das der erste Kontakt mit einem Tinnitus. Wenn die Ohren nach dem Konsum lauter Musik klingeln, pfeifen oder pochen, ist das mehr als unangenehm. Die Konzentration fällt schwer. Stille ist kaum auszuhalten. Hinzu kommt das mulmige Gefühl, den „kleinen Mann im Ohr“ nie wieder loszubekommen.

Musikgruppe auf der Bühne

Was man gegen das Piepen im Ohr tun kann

Wenn die Ohrgeräusche nur kurz andauern, verstehen Sie es als ein Signal, dass es „zu lange zu laut“ war und nehmen Sie diese Warnung ernst. Am besten ist es daher, sich so zu verhalten, dass Ohrgeräusche gar nicht erst entstehen.

Investieren Sie vor dem Festival in gute Ohrstöpsel. Sie sind der wichtigste Schutz gegen dauerhafte Einwirkung lauter Geräusche, durch welche die winzigen Haarsinneszellen im Innenohr Schaden erleiden können. Probieren Sie die Ohrstöpsel zuhause aus, benutzen Sie diejenigen, die am bequemsten sind und überprüfen Sie, ob sie richtig sitzen. Wählen Sie ein Paar, das die Geräusche spürbar reduziert. Schlecht sitzende oder unpassende Ohrstöpsel können ebenso schädlich sein wie gar keine – einfach weil sie einen im falschen Glauben lassen, man sei geschützt.
Viele meinen, durch Ohrstöpsel werde der Musikgenuss beeinträchtigt. Tatsächlich aber zeigen Forschungsergebnisse, dass man damit bei sehr großer Lautstärke sogar besser hört. Scheuen Sie sich nicht Ohrstöpsel zu tragen und genießen Sie die Musik auf verantwortungsvolle Weise. Vielleicht gelingt es Ihnen sogar, einige weitere Festivalbesucher zu überzeugen und vor Schaden zu bewahren.
Manche Ohrstöpsel sind so klein, dass sie vollkommen unbemerkt getragen werden können. Und wenn Sie Ihre Ohrschutzstöpsel vergessen haben sollten, erkundigen Sie sich auf den Festivals vor Ort. Immer häufiger werden hier einfache Gehörschutzstöpsel gratis angeboten.
Positionieren Sie sich in einem Winkel zur Geräuschquelle. Wählen Sie nie einen Standort direkt davor. Halten Sie genügend Abstand von den Boxen. Die Musik können Sie dann lange genießen und das Piepen im Ohr am nächsten Tag verringern.
Nehmen Sie genug Flüssigkeit zu sich. Oftmals schwitzt man in Clubs und bei Partys und zu wenig Flüssigkeit im Körper schadet der Funktion des Innenohrs. Sorgen Sie also dafür, dass Sie genügend trinken! Allerdings sollten Sie größere Mengen Alkohol in einer lauten Umgebung vermeiden, weil dadurch eine für die Funktion des Ohrs entscheidende Flüssigkeit aus der Hörschnecke verdrängt wird. Auf diese Weise können Schäden durch Geräuscheinwirkungen begünstigt werden.
Trägt Bewegung zur Gesundheit des Gehörs bei? Obwohl dadurch die Schutzfunktion von einem Paar guter Ohrstöpsel nicht ersetzt werden kann, ist Bewegung für die allgemeine Gesundheit des Gehörs nützlich. Drei Tage Dauertanzen ist allerdings auch irgendwann zu viel des Guten – selbst für die Ohren. Die laute Musik lässt sich nicht einfach „wegtanzen“.
Versuchen Sie, Pausen einzulegen. Pausieren Sie beim Konzert in jeder Stunde für ein paar Minuten. Suchen Sie einen ruhigen Ort auf, um Ihren Ohren zumindest für ein paar Momente Ruhe zu gönnen. Wenn Sie die Ohren ab und zu pausieren lassen, stellen sich diese auf die tatsächliche Stärke der Geräuscheinwirkung ein und können sich anschließend wieder an eine „normale Geräuschumgebung“ anpassen. So können sich die Ohren erholen und sind auf die nächste Strapaze besser vorbereitet.
Wenn es trotz Vorsorgemaßnahmen doch zu einem Tinnitus gekommen ist: Entspannen Sie sich! In den meisten Fällen handelt es sich nicht um das Anzeichen einer dauerhaften Schädigung, sondern um den Selbstschutz der Ohren.
Ihre Ohren werden sich sehr wahrscheinlich erholen. Meistens verschwindet das Ohrgeräusch nach einigen Stunden. Gönnen Sie Ihrem Geist Erholung  und unterlassen Sie alles, was die Symptome verschlimmern könnte, insbesondere Stress und starke akustische Belastung. Wenn die Ohrgeräusche nach 24 Stunden nicht verschwinden, suchen Sie einen HNO-Spezialisten auf.

In dieser ersten Akutphase können Ihnen HNO-Ärzte manchmal mit Infusionen und durchblutungsfördernden Medikamenten helfen.

Wenn die Ohrgeräusche länger als drei Monate andauern, gibt es wenig Aussicht auf Heilung. In diesem Fall kann dann am ehesten noch eine kognitive Verhaltenstherapie helfen, die Ohrgeräusche wegzutrainieren, sodass sie im Alltag nicht mehr allzu präsent sind.

Textnachweis

  • Autorin: Serena Gorman
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Utta Petzold, BARMER
  • Übersetzt aus dem Englischen: Mimi Hearing Technologies
  • Endredaktion und Qualitätssicherung BARMER: Internetredaktion

Weiterführende Informationen

Deutsche Tinnitus-Stiftung-Charité.de

 


 

Webcode dieser Seite: s000882 Autor: Serena Gormann Erstellt am: 01.03.2018 Letzte Aktualisierung am: 16.03.2018
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