Tabletten vor einer Tablettendose

Nahrungsergänzungsmittel im Freizeitsport

Nahrungsergänzungsmittel können Ernährungsfehler nicht kompensieren und eine Einnahme von Nährstoffen über den Bedarf hinaus hat keinen leistungssteigernden Effekt.

Nahrungsergänzungsmittel (NEM) sind Produkte, die Nähr- und Wirkstoffe in konzentrierter Form liefern und von der Darreichungsform und Dosierung her Arzneimitteln ähneln. Sie sind jedoch nicht als Arzneimittel zugelassen und geprüft und in der Regel auch außerhalb von Apotheken erhältlich. Inhaltsstoffe können Vitamine, Mineralstoffe, Aminosäuren, essenzielle Fettsäuren, Ballaststoffe sowie verschiedene Pflanzen- und Kräuterextrakte sein. Auch Probiotika, Koffein, Kreatin, L-Carnitin oder Coenzym Q10 können enthalten sein.

NEM werden aus verschiedenen Gründen eingenommen, z.B. zur Leistungssteigerung, Gesunderhaltung, Regeneration und Kompensation einer unausgewogenen Ernährung. Einigen Substanzen wird in den Medien immer wieder eine leistungssteigernde Wirkung zugesprochen.

Für die meisten der neuerdings auch über das Internet zu beziehenden NEM gibt es keinerlei wissenschaftliche Evidenz bezüglich positiver Effekte auf die sportliche Leistung.
Wichtig: Es können auch unerwünschte Wirkungen auftreten. Insbesondere Wechselwirkungen zwischen einzelnen Nahrungsergänzungsmitteln sowie zwischen NEM und Arzneimitteln werden häufig ebenso übersehen wie mögliche Verunreinigungen durch nicht deklarierte Inhaltsstoffe.

Wegen möglicher Nebenwirkungen sind NEM wenn überhaupt, dann nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt/mit einem Arzt einzunehmen.

Die verschiedenen Nahrungsergänzungsmittel

Antioxidative Präparate sollen den durch Sport ausgelösten oxidativen Stress minimieren. Allerdings wurde gezeigt, dass sie sogar negativ wirken können und die muskulären Anpassungen an das Training einschränken. Auch die Einnahme von hoch dosiertem ß-Carotin kann nicht empfohlen werden, da diese möglicherweise die Entstehung von Krebs fördert.
Vanadium ist ein Ultraspurenelement, das in schwarzem Pfeffer, Dillsamen, Petersilie, Pilzen, Fisch und Meeresfrüchten enthalten ist. Mit der Nahrung werden äußerst geringe aber ausreichende Mengen von etwa 6 bis 20 μg/Tag aufgenommen. In Bodybuilderkreisen wird Vanadylsulfat zum Definieren der Muskeln verwendet. Durch einen insulinähnlichen Effekt soll es die Einlagerung von Glykogen und die Neubildung von Zellen begünstigen. Diese Hypothese wurde jedoch nicht bestätigt. Vorsicht ist geboten, da bereits schon bei Dosierungen von weniger als 10 mg/Tag Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall und Magendarmkrämpfe auftreten können.
Magnesiumpräparate werden gerne gegen Muskelkrämpfe eingesetzt. Häufig reicht es aber auch, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr vor allem mit magnesiumreichem Mineralwasser während sportlicher Belastungen zu achten.
Koffein verringert die wahrgenommene Ermüdung bei erschöpfenden Belastungen, kann aber in Dosierungen von über 250 mg auch Einschlafstörungen, Herzrasen und Durchfall u.a. auslösen. Eine Dosis von 550 mg und mehr kann harntreibend wirken.
Kreatin wird im Kraftsport als Leistungsförderer eingesetzt. Es wird im Körper aus den Aminosäuren Glycin, Arginin und Methionin gebildet wird und ist in tierischen Produkten enthalten. Kreatin zögert die Anhäufung von Laktat (Milchsäure) in den arbeitenden Muskeln und damit die Ermüdung hinaus. Allerdings kann dadurch eine Zunahme des Körpergewichts um rund 2 kg erfolgen. Durch den erhöhten Druck in den Zellen kann auch das Verletzungsrisiko ansteigen.
Natriumbicarbonat (Natron) setzt die muskuläre Ermüdung herab. Eine Leistungssteigerung ist möglich, wenn große Muskelgruppen involviert sind. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass Natriumbicarbonat häufig Erbrechen und Durchfall auslöst.
In letzter Zeit werden über das Internet erhältliche, auffällig beworbene Schlankheitsmittel wie "Schlankheitstees" oder "Trainingsbooster" (meist aus Fernost) angeboten. Diese sind nicht zu empfehlen. Denn viele der in Deutschland nicht zugelassenen Nahrungsergänzungsmittel deklarieren zwar diverse Kräuter, jedoch nicht beigemengte, unerlaubte, pharmakologisch relevante Substanzen wie Sibutramin (Appetitzügler), deren gesundheitliche Risiken unkalkulierbar sind.

Wissenschaftliche Nachweise für leistungssteigernde Effekte liegen lediglich für Koffein, Kreatin und Natriumbicarbonat/-citrat vor - natürlich nur in Kombination mit Sport.

Textnachweis

  • Autorin: Dr. Gunda Backes, Diplom-Ökotrophologin
  • Qualitätssicherung: Micaela Schmidt und Claudia Tobis, Barmer

Literatur

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  • Debinet. Deutsches Ernährungsberatungs- und Informationsnetz. Sporternährung-Ernährungsempfehlungen, eingesehen am 4.7.2016.
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung, Schweizerische Vereinigung für Ernährung (Hrsg.) Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Neuer Umschau Buchverlag, Neustadt a. d. Weinstraße, 1. Auflage, 5., korrigierter Nachdruck (2013).
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  • Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB). Nahrungsergänzungsmittel, 2014.
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  • Schweizerische Gesellschaft für Ernährung. Merkblatt Ernährung für sportlich aktive Erwachsene / November 2011, aktualisiert August 2015
  • Verbraucher Service Bayern, Sportlerernährung bei Freizeitsport (eingesehen am 4.7.2016)
  • Kölner Liste - Mehr Sicherheit durch getestete Produkte

Weiterführende Informationen

Webcode dieser Seite: s000768 Autor: Barmer Erstellt am: 08.06.2017 Letzte Aktualisierung am: 14.08.2017
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